VfB-Präsident Bernd Wahler hat nach dem Rücktritt von Armin Veh die nächste Baustelle Foto: Pressefoto Baumann

Als ob Präsident Bernd Wahler mit der Suche nach einem neuen Manager nicht genug beschäftigt wäre, muss er nun auch noch den Trainermarkt nach einem geeigneten Kandidaten durchforsten. Wir haben ein paar Kandidaten einem Check unterzogen.

Stuttgart - Als Armin Veh am Mittag vor der Presse seine Beweggründe für den Rücktritt darlegte („Mir hat das Glück gefehlt“), war Bernd Wahlers Gesichtsfarbe längst ins Novembergrau changiert. Mit betretener Miene lauschte der VfB-Präsident den Ausführungen seines bis in der Nacht zuvor wichtigsten Angestellten über Glück und Pech im Spiel, um sogleich mit seiner persönlichen Lage beim abstiegsbedrohten Bundesligisten konfrontiert zu werden. Ob er nicht auch schon an einen Rücktritt gedacht habe? Seine Antwort: „Ich bin jetzt knapp 15 Monate im Amt. Bisher war die Zeit von Krisenmanagement geprägt. Aber ich fühle mich klar in der Verantwortung.“

Also nein. Keine Rücktrittsgedanken. Denn dann stünde der VfB nicht nur ohne Trainer und ohne Sportdirektor da, sondern auch ohne Präsidenten, was des Schlechten wohl endgültig zu viel wäre. Bernd Wahler hat sich die Krisenbewältigung auf die Fahnen geschrieben. Und die sieht folgende Reihenfolge vor: 1. Einen neuen Trainer finden. 2. Einen neuen Manager finden.

Punkt 2 der Agenda hatte er schon vor Vehs Rücktritt ins neue Jahr vertagt. Erweist sich die Suche nach einem Sportdirektor schon als schleppend, so dürfte auch ein geeigneter Chefcoach nicht vom Himmel fallen. Fürs Erste übernehmen Armin Reutershahn (54) und Reiner Geyer (50). Sie werden die Mannschaft auf das Spiel am Freitag in Freiburg (20.30 Uhr/Sky) vorbereiten. Auch wenn beide im Besitz der Trainerlizenz sind und Sportdirektor Jochen Schneider eine interne Lösung nicht ausschließen wollte, ist ihr dauerhafter Verbleib in der Chefposition unwahrscheinlich. Beiden fehlt die Erfahrung an vorderster Front; ein Risiko, das der Verein nach den Erfahrungen mit Thomas Schneider im Kampf gegen den Abstieg kaum noch einmal eingehen wird.

Gleiches gilt für Jürgen Kramny. Trotz dessen Erfolgen mit der zweiten Mannschaft scheint das Vertrauen der Clubführung in ihn nicht grenzenlos. Eine Bundesligamannschaft in dieser Situation zu übernehmen, ist wohl eine Nummer zu groß für Kramny. Bliebe Rainer Adrion. Der sportliche Leiter im Nachwuchsbereich verfügt über die größte Erfahrung von allen. Namen wollten Schneider und Wahler am Montag nicht kommentieren. Als klarer Favorit gilt Huub Stevens, der Retter der vergangenen Saison.

Fakt ist: Die beiden Hauptverantwortlichen wurden, wie der gesamte Club , von der Entscheidung Vehs erschüttert. Oder wie Wahler sagte: „Das geht unter die Haut.“ Auf die Frage, ob die Situation nicht die Möglichkeit für einen veritablen Neuanfang biete, meinte Wahler: „Alles zu hinterfragen, kann man nicht allzu oft machen.“ Mit anderen Worten: Die nächste Personalie muss sitzen. Die übernächste am besten auch.

Huub Stevens

Huub Stevens

Der Niederländer ist der heißeste Kandidat für die Nachfolge von Armin Veh. Kein Wunder, schließlich verbindet der VfB mit dem Niederländer beste Erinnerungen. Als in der vergangenen Saison die Talfahrt unter Thomas Schneider kein Ende nehmen wollte, heuerte Stevens (61) in höchster Not beim damaligen Tabellen-15. an – und rettete den Verein vor dem Sturz in Liga zwo. Dazu war ein echter Kraftakt vonnöten. Stevens legte das Hauptaugenmerk auf ein stabiles Defensivverhalten. Das war nicht unbedingt attraktiv, aber erfolgreich. Mit dem Klassenverbleib endete seine Mission, seither ist er Privatier. Am Sonntag erklärte er sich bereit, eine neue Aufgabe zu übernehmen. Stevens, auch als „Knurrer von Kerkrade“ bekannt, blickt auf Erfahrungen aus 21 Trainerjahren zurück. Seinen größten Erfolg feierte er mit dem FC Schalke 04, den er 1997 zum Uefa-Cup-Sieg führte. Mit Königsblau gewann er 2001 und 2002 auch den DFB-Pokal.

Mirko Slomka

Mirko Slomka

Mit dem Hamburger SV und mit Hannover 96 hat Mirko Slomka (47) schon zweimal den Kampf gegen den Abstieg bestanden. In der vergangenen Saison bewahrte er den HSV in der Relegation gegen Zweitligist SpVgg Greuther Fürth durch zwei Unentschieden vor dem Sturz in die zweite Liga. Im Januar 2010 hatte er Hannover auf dem 16. Tabellenplatz übernommen, damals gelang der Klassenverbleib am letzten Spieltag durch ein 3:0 im direkten Abstiegsduell gegen den VfL Bochum. Der gelernte Lehrer (Mathematik und Sport) feierte seine erfolgreichste Zeit als Trainer bei Schalke 04, das er 2007 zur deutschen Vizemeisterschaft und 2008 ins Viertelfinale der Champions League führte. Unter dem Trainer Slomka spielte Hannover 2010/11 die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte. Als Tabellenvierter qualifizierte sich die Mannschaft erstmals für einen europäischen Wettbewerb (Europa League).

Thomas Tuchel

Thomas Tuchel

Wo immer in der Bundesliga eine Trainerstelle frei wird, kommt der Name Tuchel ins Spiel. Nicht ohne Grund: Als Cheftrainer des FSV Mainz 05 sorgte er seit dem Bundesligaaufstieg der Rheinhessen im Jahr 2009 für Furore. Tuchel (41) steht für modernen Tempo- und Angriffsfußball und ist deshalb schon vor längerer Zeit ins Interesse des VfB gerückt. Allerdings hat die Sache einen Haken. Unmittelbar nach dem letzten Spiel der Saison 2013/14 wurde bekannt, dass Tuchel den Verein ein Jahr vor Vertragsende verlassen wird. Sein Vertrag wurde jedoch nicht aufgelöst, sondern ruht bis zum 31. Juli 2015. In dieser Zeit erhält Tuchel kein Gehalt, allerdings gilt die Vereinbarung, dass er bis zum Ende der laufenden Spielzeit keinen anderen Verein übernehmen darf. Insofern ist die Wahrscheinlichkeit, dass Tuchel zum VfB kommt, zurzeit eher gering. Es ist kaum anzunehmen, dass sich der FSV Mainz 05 diese Klausel abkaufen lässt.

Bernd Schuster

Bernd Schuster

Mit dem Kampf gegen den Abstieg hatte Bernd Schuster (54) bisher weder als Spieler noch als Trainer etwas zu tun. Der gebürtige Augsburger (wie Armin Veh) war als Profi (u. a. FC Barcelona, Real Madrid) ein Weltmann und stand auch als Trainer bei meist namhaften Clubs unter Vertrag. Real Madrid führte er als Coach zum spanischen Meistertitel und Supercupsieg (beides 2008). Zuvor hatte er von 1999 bis 2001 dem technischen Stab des FC Barcelona angehört und Deportivo Xerez (2001-2003), Schachtjor Donezk (2003-2004) und UD Levante (2004-2005) trainiert. Mit dem FC Getafe (2005-2007) erreichte er 2007 das spanische Pokalfinale. Am 10. Juni 2010 unterschrieb der Europameister von 1980 einen Zweijahresvertrag bei Besiktas Istanbul, wo er bereits am 15. März 2011 entlassen wurde. 2013 übernahm Schuster den FC Malaga. Sein Fünfjahresvertrag währte aber nur eine Saison. Seit Sommer 2014 ist er ohne Verein.

Guido Buchwald

Guido Buchwald

Kaum einer kennt den VfB besser als der Weltmeister von 1990. Als langjähriger Ex-Profi, Ehrenspielführer und Ehrenrat ist ihm der Verein eine Herzenssache. Erst kürzlich hat Guido Buchwald (53) seine Bereitschaft erklärt, eine Aufgabe beim VfB zu übernehmen. Allerdings dachte der zweimalige WM-Teilnehmer (1990, 1994) da eher an das ebenfalls vakante Amt des Sportdirektors. Als Trainer hat Buchwald eine Meisterschaft (2006) und zwei Pokalsiege (2005, 2006) mit dem japanischen J-League-Club Urawa Red Diamonds vorzuweisen. Im Juni 2007 übernahm er den Zweitligisten Alemannia Aachen, wo er im November als Tabellen-Neunter entlassen wurde. Seit Dezember 2010 war er als Präsidiumsmitglied und Übergangstrainer bei den Stuttgarter Kickers tätig, unter seiner Führung gelang den Blauen 2012 der Aufstieg in die dritte Liga. Am 1. Oktober 2013 trat Buchwald von seinem Posten zurück.

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