In starker Form – und längerfristig beim VfB? Josha Vagnoman Foto: Baumann

Auf der Rechtsverteidiger-Position des VfB wurden zuletzt die Karten neu gemischt. Das hat auch Auswirkungen auf den Transfersommer.

Wir schnell es im Profifußball manchmal gehen kann, lässt sich in diesen Tagen beim VfB Stuttgart auf der Rechtsverteidiger-Position sehr anschaulich beobachten. Vor ein paar Wochen noch deutete hier wenig auf eine zentrale Rolle für Josha Vagnoman hin – auf dessen durchwachsene Vorsaison hatten die Verantwortlichen mit der Verpflichtung von Lorenz Assignon (25) reagiert, der für elf Millionen Euro von Stade Rennes nach Bad Cannstatt gewechselt war. Die nennenswerte Ablöse stellte dabei durchaus einen Fingerzeig dar: Hier kam ein potenzieller Stammspieler, eher eine Soforthilfe als eine Investition in die mittelfristige Zukunft. Inzwischen, wenige Tage vor dem Bundesliga-Start bei Union Berlin am Samstag (15.30 Uhr), ist der Konkurrenzkampf aber überraschend offen. Und das liegt an Vagnoman.

 

Der 24-Jährige präsentiert sich in diesem Sommer stabil und konstant wie lange nicht, auch in der Chefetage registriert man das genau. „Er hat eine sehr gute Vorbereitung gespielt und kam sehr fit aus dem Sommerurlaub“, sagt Sportvorstand Fabian Wohlgemuth über den Außenverteidiger, der in den vergangenen beiden Partien rechts hinten jeweils in der Anfangsformation stand und dabei zunächst bei der Generalprobe gegen den FC Bologna (0:1) überzeugte. „Da war er einer der besten Spieler auf dem Platz. Deshalb hat er sich den Startelf-Einsatz gegen Bayern absolut verdient“, sagt Wohlgemuth – und ergänzt mit Blick auf besagte Partie im Supercup gegen den Rekordmeister (1:2): „Auch da hat er zu den besseren gehört.“ Über weite Strecken hatte Vagnoman hier seine Seite gegen 75-Millionen-Neuzugang Luis Diaz vom FC Liverpool im Griff, ließ nicht viel zu.

Leonidas Stergiou trainiert derzeit nur individuell

Die Lage hat sich damit signifikant verändert. Eigentlich galt Vagnoman als Verkaufskandidat in diesem Transferfenster, schließlich bietet sich aufgrund seines 2026 auslaufenden Vertrags in diesem Sommer letztmals die Möglichkeit auf eine nennenswerte Ablöse. Inzwischen aber würden die Stuttgarter auch bei ernsthaften Anfragen ins Grübeln kommen, denn in seiner derzeitigen Verfassung stellt der gebürtige Hamburger zweifelsohne eine Verstärkung dar.

Seine Qualitäten hatte Vagnoman seit seinem Wechsel vom HSV zum VfB vor drei Jahren immer wieder nachgewiesen, wenn er nicht gerade durch Verletzungen an seinem wunden Punkt (dem Mittelfuß) ausgebremst wurde. In 85 Pflichtspielen steuerte er sieben Tore und neun Vorlagen bei – und kommt damit fast in jedem fünften Einsatz auf eine Torbeteiligung. Diese Quote fußt vor allem auf dem Frühjahr 2023, als Vagnoman im Saisonendspurt in den ersten Wochen nach dem Amtsantritt von Trainer Sebastian Hoeneß je drei Tore und drei Vorlagen gelangen. Inzwischen liegt der Fokus wieder stärker auf der Defensive, seine sporadischen Auftritte als Außenstürmer waren eher unauffällig. Aber eben jene gezeigte Zweikampfhärte wirkte zuletzt stabilisierend auf den Stuttgarter Defensivverbund.

Lorenz Assignon wechselte von Stade Rennes zum VfB. Foto: Baumann

Nun besteht im Kader rein quantitativ natürlich kein Mangel an Rechtsverteidigern. Im Gegenteil. Neben Vagnoman und Assignon zählen noch Routinier Pascal Stenzel und der Schweizer Leonidas Stergiou zum Aufgebot – und ein Quartett für eine Position ist selbst in einer Saison mit Mehrfach-Belastung durch die Europa League eine üppige Besetzung. Aber: Stenzel kam in der Vorsaison nur unregelmäßig zum Einsatz, hat teamintern allerdings unabhängig von der reinen Spielzeit eine hohe Bedeutung als verlässliche Konstante. Stergiou hingegen fehlt schon seit Monaten aufgrund einer Syndesmose-Verletzung und befindet sich derzeit im individuellen Aufbautraining. Ab wann er wieder für Pflichtspiel-Einsätze in Frage kommt, ist noch nicht absehbar.

So liefern sich derzeit Assignon und Vagnoman einen Konkurrenzkampf um die Position des rechten Außenverteidigers – wobei beide je nach Gegner und Spielverlauf auf Einsatzzeiten kommen könnten. Nicht zuletzt aufgrund ihrer unterschiedlichen Profile. Auf der einen Seite Assignon als offensivstarker Verteidiger mit Vorwärtsdrang, den er aus seiner Zeit als Stürmer in der Jugend noch in sich trägt. Auf der anderen Seite Vagnoman als der defensivere von beiden, der eine Seite auch mal dicht machen kann.

Womöglich tut er das auch über die kommende Saison hinaus. Denn eine Verlängerung seines im kommenden Jahr auslaufenden Arbeitspapiers ist angesichts der jüngsten Leistungen wieder ein Thema. Das war sie bereits im Verlauf der vergangenen Spielzeit – damals aber hatten Vagnomans schwankende Leistungen und verletzungsbedingte Pausen die Verantwortlichen von dem Vorhaben vorerst Abstand nehmen lassen. Jetzt ist eine längerfristige Zukunft in Stuttgart wieder ein denkbares Szenario. Denn Josha Vagnoman hat sich zurück in den Fokus gespielt.