VfB-Manager Jan Schindelmeiser hat im Trainingslager in Portugal viel zu tun. Foto: Baumann

Der Umbau des VfB-Kaders ist in vollem Gange. Weitere Neuzugänge sucht Manager Jan Schindelmeiser zwar noch – doch sollen auch die Abgänge dazu beitragen, das Team besser zu machen.

Lagos - Die Fäden laufen in einem noblen Hotelzimmer zusammen. Seinen tragbaren Computer hat Jan Schindelmeiser dort im Cascade Resort aufgeschlagen und sein Mobiltelefon an der portugiesischen Algarve stets griffbereit. Mehr braucht es im Augenblick nicht, um die weitere Zukunft des VfB Stuttgart zu gestalten. Vorausgesetzt natürlich, man hat eine klare Vorstellung davon, wie diese Zukunft auf dem Fußballplatz aussehen soll. Und vorausgeschickt, man hat seine Vorarbeiten auf dem Transfermarkt erledigt.

Schindelmeiser, jedenfalls, weiß, was er will – oder besser wen er will. Daran zweifelt beim VfB niemand. Beim Zweitligisten sind sie auch überzeugt, dass ihr Sportvorstand genügend Strippen in der Hand hält, um noch einen Innenverteidiger zu holen. Allerdings würde das Schindelmeiser so nie so ausdrücken. Er prüft Optionen, die vorbereitet wurden.

Schindelmeiser ist eloquent und konsequent

Eloquent ist der 53-Jährige und hebt sich dadurch schon ab von vielen anderen in der Branche. Doch Schindelmeiser gilt ebenso als konsequent. Denn es zweifelt beim VfB ebenfalls niemand daran, dass der Sportchef keinen Spieler verpflichten wird, der nur in Teilen seinem Anforderungsprofil entspricht. Schnell auf den Beinen muss er sein. Das mindestens, aber ebenso gedanken- und handlungsschnell.

So gut kennen die Schwaben ihren großen Blonden aus dem Norden also schon. Schindelmeiser, vor wenigen Monaten gekommen, ist kein Typ für halbe Sachen, eher ein Mann für das Unerwartete. Das hat er bei seinen ersten Transfers im Sommer bewiesen, als er Carlos Mané, Takuma Asano und Benjamin Pavard zum VfB lotste. Weitere Verstärkungen erhoffen sich die Fans erneut, nur ist es auf dem Spielermarkt im Winter schwieriger zu agieren: weniger Zeit und weniger Optionen, wie Schindelmeiser sagen würde. Deshalb hat er sich daran gemacht, die Stuttgarter erst einmal auf eine andere Art zu verstärken.

Der VfB hat Spieler abgegeben, um besser zu werden

„Man kann die Qualität des Kaders auch dadurch erhöhen, dass man die Quantität der Spieler verringert“, sagt Schindelmeiser – oder anders formuliert: Der VfB hat Spieler abgegeben, um besser zu werden. Philip Heise (Dynamo Dresden) und Stephen Sama (SpVgg Greuther Fürth) sind weg, Boris Tashchy ist aussortiert und Toni Sunjic (Ausleihe mit Kaufoption nach Palermo) auf dem Absprung.

Es sind solche, nicht herkömmlichen Überlegungen, die Schindelmeiser charakterisieren. Überlegungen, die ihn als Macher profilieren könnten – und Stuttgart zu einem Standort der Gegenentwürfe. Denn er vermag im Moment nur mit guten Ideen und reichlich Verhandlungsgeschick gegen das üppige Geld und die bessere Perspektive anderer Vereine ankämpfen.

Das Spannungsfeld zwischen Realität und Erwartungshaltung

Trotzdem reicht es oft nicht, allein die großen Linien und kleinen Entwicklungsschritte zu skizzieren, um Spieler zu überzeugen. Zumal sich Schindelmeiser im Spannungsfeld zwischen der sportlichen Realität und der traditionell hohen Erwartungshaltung beim VfB bewegt. Hier ein Zweitligist mit überschaubaren finanziellen Mitteln. Dort der Anspruch, nicht nur gute und flexibel einsetzbare Spieler zu holen, sondern ebenso welche, die jung sind, dennoch über Führungsqualitäten verfügen und am besten noch Deutsch sprechen.

Solche Spieler gibt es. „Ab 20 Millionen Euro aufwärts“, lächelt Schindelmeiser, als er auf den vermeintlichen Idealfall einer Neuverpflichtung angesprochen wird: Einer, die in der defensiven Zentrale sowohl als Innenverteidiger taugt als auch als Sechser im Mittelfeld. Damit hätte der VfB ja zwei Defizite auf einmal ausgeglichen. Ein zusätzlicher Achter würde das schwäbische Wunschpaket vervollständigen.

Der Manager will nicht als Schwätzer, sondern als Schaffer gelten

Doch Schindelmeiser baut keine Luftschlösser. Er führt öffentlich auch keine Personaldebatten, weil er nicht als Schwätzer, sondern als Schaffer gelten will. Also widmet er sich der Wirklichkeit – und die sieht nun einmal so aus, dass die Stuttgarter noch mit einer Reihe von Spielern leben können (vielleicht müssen), deren Rolle in den nächsten Monaten anders aussehen könnte, als sie es sich selbst vorstellen.

Kevin Großkreutz, Alexandru Maxim und Florian Klein bilden das potenzielle Trio der Unzufriedenen. Sie bildeten es bereits in der Vorrunde, und jetzt da es in die Rückrunde geht, betont Schindelmeiser: „Wir brauchen ein Team, das sich vorbehaltlos dem Ziel Aufstieg verschreibt.“ Keine Eitelkeiten duldet der Sportchef dabei – egal, ob Weltmeister oder Nationalspieler.

„Niemand sollte meine Entschlossenheit unterschätzen“

Er selbst präsentiert sich auch als Mann mit Mannschaftsgeist – und als Mahner ohne Scheu vor klaren Worten und harten Entscheidungen, wenn es notwendig ist. Denn Schindelmeiser hat schnell erkannt, dass der VfB zu Selbstüberschätzung neigt, wenn er lediglich ein Spiel gewinnt – und zu Selbstzufriedenheit, wenn er gleich mehrere hintereinander nicht verliert. Seine warnende Botschaft aus dem Trainingslager in Lagos lautet deshalb: „Niemand sollte meine Entschlossenheit unterschätzen.“

VfB Stuttgart - 2. Bundesliga

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