Kliment (re.) deutete seine Stärken auch in seinem Kurzeinsatz gegen Darmstadt 98 an: Viel Leidenschaft, gute Laufwege, Torriecher Foto: Baumann

Eigentlich war Jan Kliment mit der Aussicht auf eine zweite Mannschaft in der dritten Liga schon glücklich, als er vor der Saison zum VfB wechselte. Nun scheint die Startelf der Bundesligamannschaft möglich – vielleicht schon am Samstag beim FC Bayern München.

Stuttgart - Einige Fans haben ihn schon mit dem jungen Robbie Williams verwechselt. Doch außer den Gesichtszügen sind die Gemeinsamkeiten zwischen dem britischen Popstar und dem jungen Kicker im VfB-Trikot rar. Das Potenzial zum Star ist aber auch bei dem Tschechen vorhanden – wenn auch nur auf der Bühne der Bundesliga.

Vor der Saison als Perspektivtransfer weit hinten in der öffentlichen Wahrnehmung angesiedelt, hat Jan Kliment mal schnell die Überholspur genommen. Wenn auch eher unverhofft. Hauptursächlich für den Rollenwechsel vom behutsam aufzubauenden Talent zum ernsthaften Kandidaten für die Startelf ist die Verletztenmisere beim Tabellen-15. der Fußball-Bundesliga. Erst erlitt Daniel Ginczek einen Bandscheibenvorfall, jetzt fällt auch noch Martin Harnik mit einem Teilabriss des Außenbandes im Knie für den Rest der Hinrunde aus. Bleiben als echte Angreifer nur noch Timo Werner – und eben Jan Kliment. Ein Einsatz schon am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim FC Bayern München liegt im Bereich des Möglichen.

Dafür spricht, dass VfB-Trainer Alexander Zorniger gerne mit zwei Spitzen spielen lässt. In München haben die Roten nichts zu verlieren – warum also nicht?

Dagegen spricht, dass Zorniger den Auftritt beim Rekordmeister anders als mancher Kollege in der Bundesliga nicht als Experiment sieht, sondern mit voller Ernsthaftigkeit angeht. Er wird also die seiner Meinung nach erfolgversprechendste Elf aufs Feld schicken. Dazu gehört auch, noch eine Patrone auf der Bank zu haben.

Als Zukunftsinvestition gedacht

Wie dem auch sei: Der 22-Jährige wird in den Spielen bis zur Winterpause in den Vordergrund rücken. Was die Verantwortlichen auf dem Wasen einerseits freut, ihnen andererseits auch ein mulmiges Gefühl bereitet. Denn eigentlich war der Tscheche, der auch die slowakische Staatsbürgerschaft besitzt, als reine Zukunftsinvestition verpflichtet worden. Nach seinen drei Toren bei der U-21-EM war er in aller Munde. Kliment bekam den goldenen Schuh der Uefa, der VfB griff als Erstes zu. Sein Wechsel aus dem beschaulichen Jihlava nach Stuttgart war zugleich ein kleiner Kulturschock für ihn. Die Einwohnerzahl des böhmischen Städtchens entspricht dem Zuschauerschnitt des VfB, in der ersten tschechischen Liga kickte der Hobby-Angler meist vor nur 3000 Zuschauern. Entsprechend schwer tat er sich in den ersten Wochen. Die spielerischen und mehr noch die körperlichen Defizite wurden im Training schnell offenbar, so dass sich der 22-Jährige zunächst bei der zweiten Mannschaft freischwimmen musste.

Kliment tat dies, ohne zu murren. Im Gegenteil: Der Mann mit der Rückennummer 39 war froh, überhaupt die Möglichkeit zu haben, beim Nachwuchsteam Spielpraxis zu sammeln. Mittlerweile hat er die Phase der Eingliederung überstanden. Kliment ist fester Bestandteil des Profikaders, zuletzt wurde er regelmäßig eingewechselt. Beim 2:2 in Hoffenheim gelang ihm sogar sein erstes Bundesligator – 48 Sekunden nach seiner Einwechslung. „Das war ein überwältigendes Gefühl. Zunächst war ich irritiert, als ich unsere Fans auf den Rängen nicht gesehen habe, bis ich gemerkt habe, dass sie auf der gegenüberliegenden Seite stehen“, sagte er.

Hlousek als Integrationshelfer

Inzwischen hat er seine Orientierung wiedererlangt. Daran hat auch Adam Hlousek seinen Anteil, der zweite Tscheche im Team der Roten. Er fungiert als Integrationshelfer für den Jungen, der inzwischen eine Wohnung in Stuttgart gefunden hat und Deutsch büffelt. Jan sei ein zielstrebiger Typ, der nicht Gefahr läuft abzuheben, sagt Hlousek, der für Kliment zu einem „zweiten Vater“ geworden ist. Für VfB-Sportvorstand Robin Dutt ist Jan Kliment nicht weniger als das Versprechen auf eine bessere Zukunft: „Er bringt als Stürmer alle Voraussetzungen mit, um uns noch große Freude zu machen.“

Nun beginnt die Zukunft schon etwas früher – vielleicht ja schon am Samstag, 15.30 Uhr, in München.

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