Union Berlin mit Maskottchen Ritter Keule will direkt aufsteigen – oder dem VfB in der Relegation das Fürchten lehren. Foto: dpa

Egal, wer es am Ende wird – der VfB Stuttgart trifft in der Bundesliga-Relegation auf einen gefährlichen Gegner. Wir nehmen die Stärken und Schwächen von Union Berlin und dem SC Paderborn genauer unter die Lupe.

Stuttgart - Nachdem sich der Hamburger SV und der 1. FC Heidenheim aus dem Aufstiegsrennen der zweiten Liga verabschiedet haben, fällt die Entscheidung am Sonntag (15.30 Uhr) zwischen dem SC Paderborn und Union Berlin. Einer der beiden folgt dem 1. FC Köln direkt ins Oberhaus, der andere misst sich in den Relegationsduellen (23. und 27. Mai) mit dem VfB Stuttgart.

Der SC Paderborn hat bei einem Punkt Vorsprung und dem besseren Torverhältnis die besseren Karten, die Ostwestfalen haben am letzten Spieltag bei Dynamo Dresden aber noch nicht gewonnen. Union Berlin muss zeitgleich beim VfL Bochum antreten. Den VfB-Spielern ist ihr Gegner nach eigenem Bekunden egal. Doch was wäre der vermeintlich einfachere Kontrahent? Wir nehmen die beiden Kandidaten einmal genauer unter die Lupe.

Stärken und Schwächen des SC Paderborn

Stärken: 75 erzielte Tore sind eine Marke. Nach dem 1. FC Köln verfügt der SC Paderborn über die gefährlichste Offensive der zweiten Liga. Wer gesehen hat, wie die Mannschaft am vergangenen Wochenende den HSV auseinander genommen hat, dem muss als VfB-Fan schon ein wenig bange werden. Auf den Außenbahnen ist mit Kai Pröger und Christopher Antwi-Adjej Tempo Trumpf.

„Die spielen einen völlig unbekümmerten Fußball. Die Devise lautet: Immer munter nach vorne“, sagt Sportredakteur Frank Beineke von der „Neuen Westfälischen“. Als zweite große Stärke stuft der langjährige Begleiter des Fahrstuhlclubs die Unberechenbarkeit ein. Ein Beispiel: Gegen den HSV spielte der eigentliche Sechser Sebastian Vasiliadis im Sturmzentrum – und traft prompt doppelt. Der Backnanger gilt als größtes Juwel in der Truppe von Steffen Baumgart. Angeblich hat bereits Borussia Mönchengladbach die Fühler nach dem 21-Jährigen ausgestreckt.

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Schwächen: In der Abwehr hat der Zweitligaaufsteiger seine Probleme. Besser gesagt: Hatte. Denn die größte Schwäche der Vorrunde hat die Mannschaft mittlerweile abgestellt. Wo zu Beginn der Saison auch bei 4:2 noch munter nach vorne gestürmt wurde, scheint die richtige Balance aus Angriffslust und Defensivpflichten inzwischen gefunden.

„Man sieht seit zwei Jahren, wie sich die Mannschaft Monat für Monat weiterentwickelt“, sieht Beineke in Trainer Baumgart einen der Hauptverantwortlichen für den Aufschwung. Als Schwäche ließe sich bei den Blau-Schwarzen allenfalls noch ihre eigentliche Stärke auslegen: Dass sich die jugendliche Unbekümmertheit in Fehleranfälligkeit verkehrt, wenn es in den Entscheidungsspielen um die Wurst geht.

Stärken und Schwächen von Union Berlin

Stärken: Anders als beim SC Paderborn oder beim VfB ist Kontinuität bei Union Berlin kein Fremdwort. Verein und Mannschaft sind in den vergangenen Jahren in geordneten Strukturen gewachsen. „Die Mischung im Team stimmt“, analysiert Ex-Trainer Jens Keller. Zum Einen aus dem treffsicheren Sturm-Duo Sebastian Polter/Sebastian Andersson, zum Anderen aus einer grundsoliden Defensivreihe. Anders als in den vergangenen Jahren, als die Unioner oft knapp am Aufstieg gescheitert waren, sei jetzt auch genügend Erfahrung in der Mannschaft, urteilt der 2017 in Berlin entlassene Keller. Er nennt Spieler wie Ken Reichel, Manuel Schmiedebach und Florian Hübner. Die Atmosphäre an der Alten Försterei ist ein weiteres Plus: An ihrer Heimspielstätte haben die Eisernen in dieser Saison erst ein Spiel verloren.

Schwächen: Union Berlin ist keine Übermannschaft. Große Einzelkönner sucht man in der Truppe von Trainer Urs Fischer vergebens. Auch der frühere Stuttgarter Carlos Mané konnte nicht mehr Verve ins Spiel des Zweitligisten einbringen. Anders als Paderborn hätten die Hauptstädter in der Relegation den größeren Druck: Nach vielen Anläufen soll es nun endlich klappen mit dem Aufstieg.

Fazit: Union Berlin, darin sind sich die Zweitliga-Experten einig, wäre der berechenbarere Gegner für den VfB Stuttgart. Die pfeilschnellen Paderborner könnten die Mannschaft von Nico Willig erheblich fordern. Dass der VfB ein Problem mit Tempo im Spiel hat, hat die zu Ende gehende Saison des Öfteren bewiesen.

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