In Leverkusen tut sich der VfB-Angreifer schwer, doch gegen gegen das Spitzenteam aus Italien soll es für die VfB-Offensive wieder besser laufen.
El Bilal Touré hat genau gewusst, was auf ihn zukommt. Drei Abwehrkanten. Jonathan Tah, 1,95 Meter groß, fast so breit und schnell. Edmond Tapsoba, 1,94 Meter groß, etwas feingliedriger als sein Nebenmann und ebenfalls auf schnellen Beinen unterwegs. Piero Hancapié, nur 1,84 Meter groß, dafür typisch südamerikanisch giftig im Zweikampf und mindestens genauso schnell wie die beiden anderen. Gemeinsamer Marktwert: gut 100 Millionen Euro, was ebenfalls die Qualität der Verteidiger von Bayer Leverkusen dokumentiert.
Da war es schwierig, sich zwischen der starken Dreierkette zu behaupten und die Kugel auf einen nachrückenden Mitspieler abzulegen. Trotz Tourés Tempo, seinem Trickreichtum und seiner Kopfballstärke. Der Stürmer des VfB Stuttgart prallte immer wieder ab, wenn es der Ball überhaupt bis zu ihm schaffte. Meist waren die weiß-roten Angriffe beim 0:0 in der Bay-Arena beendet, noch ehe sie richtig begonnen hatten. „Ich habe auf einen guten Augenblick gewartet“, sagt Touré – aber der magische Moment kam diesmal nicht.
Wie im Würgegriff
Nicht wie in Turin oder gegen Holstein Kiel, als der 23-Jährige sein enormes Potenzial nicht nur andeutete, sondern mit seinen zwei sehenswerten Toren und einer Vorlage Klasse bewies. Es waren Tourés Tage vor dem Bundesliga-Spitzenspiel. Ein Offensivspektakel war dann von vielen Fans in der Begegnung zwischen dem Meister und dem Vizemeister erwartet worden. Für die Stuttgarter entwickelte sich im fünften Vergleich innerhalb eines Jahres (DFB-Pokal und Supercup inklusive) jedoch ein untypisches Spiel. „Wir haben kaum eigene Angriffe entwickelt, weshalb die Defensive kaum entlastet wurde“, sagt der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth.
Leidenschaftliches Verteidigen war angesagt, um in der Erfolgsspur zu bleiben. „Die Jungs haben das konsequent durchgezogen“, sagt Wohlgemuth nach der glücklichen Nullnummer. Wie im Dauer-Würgegriff wähnten sich die Stuttgarter. „Die Leverkusener haben uns mit ihrem Pressing kaum Luft zum Atmen gelassen“, sagt Wohlgemuth.
Doch letztlich befreiten sich die Gäste aus jeder gefährlichen Situation. Seit vier Spielen ist die Mannschaft von Sebastian Hoeneß somit ungeschlagen und hat die 0:4-Niederlage von München in einer Weise verarbeitet, die nach der rühmlichen Vorsaison zwar aktuell die Mühen des Alltags erkennen lässt, aber immer noch die Handschrift des Trainers trägt. Mutiger Kombinationsfußball, wenn möglich. Kontrollierter Ergebnisfußball, wenn nötig. „Wir haben das zweite Mal in gut einer Woche gegen einen sehr schweren Gegner in einem sehr schweren Auswärtsspiel hinten zu null gespielt“, sagt Hoeneß.
Zunächst bei Juventus, dem italienischen Meister, dann bei Bayer, dem deutschen Titelträger. Und nun kommt am Mittwoch (21 Uhr) in der Champions League in Atalanta Bergamo das offensivstärkste Team aus der Serie A in die MHP-Arena – und die einzige Mannschaft, der es in der vergangenen Spielzeit gelungen ist, gegen die Werkself zu gewinnen. 3:0 im Finale der Europa League.
Wie stark ist Atalanta Bergamo?
Anschauungsunterricht für die Stuttgarter? „Möglicherweise“, sagt Hoeneß, „denn die Spielweise hat sich ja nicht verändert. Sie spielen weiterhin Manndeckung über das ganze Feld. Das ist eine sehr reife Mannschaft.“ Durch das Studium des italienischen Topspiels am Sonntag darf sich der VfB-Coach bestätigt fühlen. Atalanta siegte beim Tabellenersten SSC Neapel mit 3:0.
Das Team von Gian Piero Gasperini reist demnach voller Selbstvertrauen an. „Jeder kennt Bergamos Stärken“, sagt Touré über seinen Stammverein. Taktik und Tore. Ähnliches gilt für die Stuttgarter, an die er vorerst für ein Jahr ausgeliehen ist. „Ich bin von allen sehr gut aufgenommen worden“, sagt der Nationalspieler aus Mali, der den Franzosen Enzo Millot als Bezugsperson im Kader nennt. Der Sprache wegen. „Ich verstehe mich aber mit allen im Verein“, betont Touré, für den eine besondere Begegnung ansteht. Dabei weiß der Angreifer wieder genau, was auf ihn zukommt. Isak Hien, Berat Djimsiti und Sead Kolasinac bildeten zuletzt die Abwehrreihe. Gegen sie lauert Touré wieder auf einen speziellen Moment.