Klicken Sie sich durch die Bildergalerie vom ersten Training. Foto: Pressefoto Baumann

VfB-Coach zieht im Trainingslager die Zügel an – Spieler der Roten sollen fit für 180 Minuten werden.

Belek - Dort, wo die Urlauber gemütlich den Bauch in die Sonne strecken, lernen die Profis des VfB Stuttgart ihre physischen Grenzen kennen. Im Trainingslager in der Türkei macht Trainer Bruno Labbadia die Roten fit für die Rückrunde. Das bedeutet harte Arbeit.

Als die Maschine mit dem VfB an Bord am frühen Mittwochnachmittag in Antalya landete, war es mit dem Spaß für die Spieler erst einmal vorbei. Zumindest gilt das für die meiste Zeit des Trainingslagers, das die Roten bis zum 13. Januar im 30 Kilometer entfernten Belek abhalten. Denn Bruno Labbadia hat sich in dieser Zeit eine Menge vorgenommen. „Das wird sehr, sehr intensiv“, kündigte der Trainer an. Wie ernst es ihm damit ist, lässt der Zusatz erahnen. Noch bevor der erste Tropfen Schweiß geflossen war, versprach er seinen Spielern zwei freie Tage nach der Rückkehr aus der Türkei: „Die haben sie sich dann auch verdient“, sagte er.

Labbadia als Motivator

Nun gibt Bruno Labbadia nicht plötzlich einen Schleifer vom Typ eines Felix Magath, doch die Hinrunde hat ihm deutlich aufgezeigt, wo die Mängel beim VfB liegen. „Wenn alles top funktioniert, können wir in den vorderen Bereich der Tabelle rutschen“, weiß er, „aber wenn nur Kleinigkeiten fehlen, dann bekommen wir Probleme.“ In der Hinrunde, zumal gegen Ende, fehlten dem VfB „fünf bis zehn Prozent“ (Labbadia). Das reichte, um den guten Saisonstart zu verwischen. Nur ein Sieg aus den vergangenen acht Bundesligaspielen, das trübte die Bilanz doch erheblich. Und hätte der VfB am Ende nicht das Achtelfinalspiel im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV gewonnen, wäre die Ernüchterung richtig groß gewesen.

Allerdings ist Labbadia beim VfB nicht als Grübler und Pessimist, sondern in erster Linie als Motivator angestellt. So gehört es zu den obersten Pflichten des Fußballlehrers, die Welt eher positiv als negativ zu betrachten. „Es stimmt schon“, sagt er, „in den vergangenen acht Bundesligaspielen haben wir nicht mehr so gepunktet. Dennoch haben wir die beste Hinrunde seit drei Jahren gespielt.“ Was kein großes Kunststück nach drei verheerend schlechten ersten Halbjahren war. Immerhin: Der VfB hatte in der zweiten Saisonhälfte jeweils noch die Kurve bekommen. „Darauf darf man sich nie verlassen“, warnt der Trainer, „aber wichtig ist zu wissen, dass wir dazu in der Lage sind, wenn wir als Mannschaft funktionieren.“

Täglich drei Einheiten für die Fitness

Das ist der Auftrag, den er sich und der Mannschaft für das Trainingslager in Belek gibt, das täglich drei Einheiten vorsieht: Ob Fitness, sei es in Sachen Ausdauer oder Spritzigkeit, ob Taktik, Technik oder Zusammenspiel – jeder kann in jedem Bereich noch zulegen. Konditionstrainer Christos Papadopoulos sagt, „dass wir die Spieler nicht für 90 Minuten fit machen wollen, sondern für 180“.

Im Grunde genommen hatte diese Mission schon vor Weihnachten begonnen. Über die Feiertage hatte das Trainerteam jedem Spieler einen individuellen Trainingsplan mitgegeben – abgestuft nach den Belastungen in der Hinrunde.

VfB-Profis müssen auch im Urlaub arbeiten

„Der Tag hat 24 Stunden. Da ist es von Profis nicht zu viel verlangt, wenn sie im Urlaub eineinhalb Stunden täglich in ihre Fitness investieren“, sagt Labbadia. Für Martin Harnik etwa, der im österreichischen Zauchensee Urlaub machte, sah das so aus: „Ich habe jeden Morgen um acht Uhr meine beiden Hunde geschnappt und bin eine Stunde joggen gegangen. Danach standen eine Stunde Stabilisationsübungen auf dem Programm.“ Da musste jeder durch, schummeln war nicht möglich. „Wenn einer die Pulsuhr einem Kumpel oder seinem Hund umgehängt hätte, würden wir das merken“, sagt Labbadia. Beim Leistungstest am Dienstag kamen die Ergebnisse auf den Tisch – vergleichbar mit denen im Vorjahr. „Die Jungs haben sehr gut gearbeitet“, sagt Konditionstrainer Papadopoulos, „sie sind weiter als in der letzten Winterpause. Deshalb können wir uns jetzt mehr den Feinheiten wie Schnellkraft- oder Muskelkrafttraining widmen.“

Für die Tage in Belek hat Papadopoulos jedenfalls ein Programm ausgetüftelt, das sorgsam die Balance wahrt zwischen Belastung und Entspannung. Mit Matthias Munz nimmt der VfB seinen eigenen Videografen mit, der jede Einheit aufzeichnet. Die Analysen bekommen die Spieler umgehend geliefert – als Anschauungsunterricht.

Was das alles wert ist, zeigt schon der Auftakt in die Rückrunde. Schalke, Mönchengladbach, Leverkusen und der FC Bayern im Pokal – das Programm hat es in sich. „Unser Ziel bleibt es, eine stabile Saison zu spielen“, sagt Bruno Labbadia vorsichtig. Auf mehr mag er sich nicht festlegen. Zumindest nicht vor den Tagen von Belek.

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