Der VfB Stuttgart verlor das Spiel um den Supercup – weil er in einem entscheidenden Punkt nicht auf Augenhöhe mit Bayer 04 Leverkusen war, findet unser Redakteur Philipp Maisel.
Mittlerweile kann man schon von einer gewissen Tradition sprechen. Wenn der VfB Stuttgart ins Rheinland fährt und gegen Bayer 04 Leverkusen antritt, ist Spektakel vorprogrammiert. So war es in der letzten Saison. Und so war es auch bei diesem Aufeinandertreffen im Supercup 2024. Es ging hoch her. Nichts, aber auch gar nichts war zu spüren von einer „Kirmescup“-Atmosphäre, die die Ultras im Vorfeld ausgemacht hatten, weswegen sie der Veranstaltung fernblieben.
Im Gegenteil, man könnte sogar so weit gehen, zu sagen, dieses Fernbleiben tat der Veranstaltung gut. Auf den Rängen fehlte der übliche organisierte Klangteppich, der Stimmung tat das aber überhaupt keinen Abbruch. Die Anfeuerungen und Gesänge waren gefühlt spielbezogener, kamen spontaner, hatten auch etwas mehr Witz und Charme als so manch anderes Mal. Ein durchaus erfrischender Auftritt mit einer spätestens in der Schlussviertelstunde elektrisierenden Atmosphäre – dann warfen die Leverkusener noch einmal alles nach vorn. Und wurden belohnt.
Auf dem Feld waren auch in den 75 Minuten davor eine Reihe an Szenen zu notieren, die dokumentierten, dass es den Protagonisten sehr wohl um etwas ging an diesem Abend unterm Bayerkreuz. Rudelbildungen, knackige Zweikämpfe, rassiger Fußball, satte Torchancen – es war alles drin, was einen Stadionbesuch so attraktiv macht. Beide Mannschaften wollten unbedingt diesen ersten Titel der Saison. Der VfB hatte die Hand am Pott – musste sich aber am Ende im Elfmeterschießen geschlagen geben.
Denn er zeigte sich in einem Punkt nicht ganz auf Augenhöhe mit dem Gegner. Stichwort mentale Widerstandskraft. Spitzenspiele auf diesem Niveau werden in erster Linie im Kopf entschieden. Und in den ihrigen ließen die elf Stuttgarter die dezimierten Hausherren – weswegen sie erst nicht mehr zu ihrem kontrollierten Spiel fanden und in der Schlussphase der regulären Spielzeit ihre Ordnung verloren. Gegen die Leverkusener „Mind Games“ war kein Stuttgarter Kraut gewachsen. An diesem Punkt wird zu arbeiten sein. Nichtsdestotrotz lässt es sich im VfB-Lager zuversichtlich auf die kommenden Aufgaben blicken. Denn grundsätzlich scheint die Hoeneß-Elf gerüstet für das, was kommt.