Wer eine überteuerte Final-Karte kauft, kann eine böse Überraschung erleben: Hunderte Tickets wurden laut DFB bereits storniert. Was bei der Last-Minute-Suche zu beachten ist.
Man könnte ja meinen, dass die Euphorie beim zweiten Finale in Folge nicht mehr ganz so groß ist wie im Vorjahr. Davon kann aber beim VfB Stuttgart keine Rede sein. Wie 2025 gingen beim Bundesligisten auch dieses Mal Anfragen für rund 160 000 Tickets für das Finale im DFB-Pokal ein – und erneut reichte das Kontingent des Vereins von 24 000 Karten nicht im Ansatz, um dem Interesse am Endspiel gegen den FC Bayern am Samstag (20 Uhr) nachzukommen.
Dennoch werden sich auch dieses Jahr wieder viele Stuttgarter ohne Karte auf den Weg in die Hauptstadt machen. Zum einen, da ja schon am Freitag das Fanfest auf dem Alexanderplatz beginnt. Zum anderen, um womöglich doch noch auf den letzten Drücker eine Karte zu ergattern. Das ist grundsätzlich möglich, zumal es sich um Papiertickets ohne Personalisierung handelt. Allerdings birgt ein Last-Minute-Kauf auch Risiken. Ein Überblick.
Dürfen Tickets weitergegeben werden? Grundsätzlich ja, allerdings nur im privaten Umfeld zu nicht-kommerziellen Zwecken. Die Allgemeinen Ticket-Geschäftsbedingungen des DFB geben hier einen engen Rahmen vor: Der aufgerufene Betrag darf höchstens zehn Prozent über dem Originalpreis liegen, im Fall einer Karte der Kategorie zwei für 150 Euro also bei 165 Euro. Alles andere gilt als illegal – ebenso wie Inserate auf Plattformen wie Viagogo, wo seit Wochen Angebote im vierstelligen Bereich pro Karte kursieren.
Der DFB habe weder diese Zweitmarktplattform noch sonst einen Online-Marktplatz autorisiert, Tickets anzubieten oder zu verkaufen, teilt der Verband auf Nachfrage mit – und kündigt an: „Wir beobachten daher alle auf nicht autorisierten Online-Plattformen gelisteten Angebote genau und behalten uns juristische Schritte ausdrücklich vor.“
Was droht Anbietern überteuerter Karten? Sollte der Anbieter eines überteuerten Tickets zweifelsfrei identifiziert werden, muss er mit mehreren Sanktionen rechnen.
Neben der Einforderung des erzielten Mehrerlöses kündigt der DFB für diesen Fall eine Vertragsstrafe und den Ausschluss vom künftigen Ticketerwerb als mögliche Konsequenzen an.
Wie die Verkäufer ermittelt werden? Hier will der Verband aus taktischen Gründen öffentlich nicht ins Detail gehen, die Nachverfolgung läuft im Hintergrund in Zusammenarbeit mit der Rechtsanwaltskanzlei „Lentze Stopper“.
Laut DFB mit merklichen Folgen: „Stand heute konnten bereits mehrere hundert Tickets identifiziert und storniert werden, die vertragswidrig auf den einschlägigen, nicht autorisierten Online-Plattformen angeboten wurden. Wir raten in aller Deutlichkeit und dringend davon ab, zu versuchen, Tickets auf nicht-autorisierten Zweitmarktplattformen zu erwerben.“
Was droht Käufern von Tickets auf Online-Plattformen? Eine Geldstrafe ist zwar nicht zu befürchten – sehr wohl aber eine unliebsame Überraschung am Samstag an den Drehkreuzen des Olympiastadions, wo es in zwei Fällen keinen Einlass geben kann: Erstens, falls der DFB das Ticket im Vorfeld als überteuertes Angebot identifiziert und gesperrt hat. Zweitens, falls es sich schlichtweg um eine gefälschte Eintrittskarte handelt. In beiden Fällen trägt der Käufer das Risiko, ein Anspruch auf Entschädigung besteht nicht.
Gibt es noch Chancen auf Karten? Nicht auf offiziellen Wegen. Das Stadion ist mit seinen rund 74 000 Plätzen restlos ausverkauft, was auch für die hochpreisigen VIP-Bereiche gilt. Auch die offizielle Zweitmarkt-Plattform des DFB ist beim Pokalfinale der Männer anders als bei Länderspielen nicht freigeschaltet. Eine kleine Last-Minute-Chance besteht damit noch über private Kontakte im persönlichen Umfeld – wenn etwa durch Krankheit ein Ticket kurzfristig frei wird, das nachweislich bei einem der beiden Endspiel-Teilnehmer oder über den DFB erworben wurde.
Und: Wer in den letzten Tagen vor dem Endspiel bei der Ticket-Suche kein Glück hat, dem bleibt für das gemeinsame Fußballschauen und das kollektive Final-Erlebnis noch das Public Viewing – in einem der Biergärten in Berlin oder Stuttgart zum Beispiel. Die gute Nachricht: Das Wetter soll Stand jetzt in beiden Städten mitspielen.