Ein Mann schaut nach unten: Dieter Hundt hat nur noch wenige Unterstützer beim VfB Foto: dpa

Am 22. Juli ist Mitgliederversammlung – und der VfB Stuttgart hat noch immer keinen Präsidentschaftskandidaten gefunden. Dem Club aus Cannstatt drohen die Felle davonzuschwimmen. Nur Aufsichtsratschef Dieter Hundt sieht die Dinge noch gelassen.

Stuttgart - Am 22. Juli ist Mitgliederversammlung – und der VfB Stuttgart hat noch immer keinen Präsidentschaftskandidaten gefunden. Dem Club aus Bad Cannstatt drohen die Felle davonzuschwimmen. Nur Aufsichtsratschef Dieter Hundt sieht die Dinge noch gelassen.

Eines ist auch am Tag nach der mit Spannung erwarteten Sitzung von Vorstand und Aufsichtsrat beim VfB Stuttgart klar: Dieter Hundt, Chef des Kontrollgremiums, denkt nicht an einen Rücktritt. Stattdessen bekräftigte er am Mittwoch im Gespräch mit unserer Zeitung: „Das ist für mich kein Thema, damit befasse ich mich nicht.“

Dabei drängten einige Sitzungsteilnehmer den mächtigen Wirtschaftsboss dem Vernehmen nach zum geordneten Rückzug. Gleich mehrere goldene Brücken habe man dem Arbeitgeberpräsidenten gebaut, heißt es – beschritten hat Hundt keine. Weshalb auch eine Lösung der Präsidentenfrage noch nicht in Sicht ist. Sicher ist nur: Die Zeit drängt, am 22. Juli soll der neue Clubchef bei der Mitgliederversammlung als Nachfolger des zurückgetretenen Gerd Mäuser gewählt werden. Und dabei wirkt Hundts Ausharren wie eine Blockade.

Abneigung der Basis gegenüber Hundt ist groß

Denn kaum ein möglicher Kandidat will sich als Zögling von Hundts Gnaden bei der Wahl möglicherweise abstrafen lassen – zu groß ist die Abneigung der Basis gegenüber dem Aufsichtsratsboss, der seinerseits fürchten muss, abgewählt zu werden. Dazu ist eine Dreiviertelmehrheit der abgegebenen Stimmen nötig, zwei Anträge auf eine sofortige Abwahl liegen bereits vor.

Dieter Hundt lässt das kalt – er beobachtet in aller Ruhe die Arbeit der Findungskommission, die mit der Suche nach geeigneten Kandidaten betraut ist. „Es gibt eine Shortlist mit einigen Personen, die zur engeren Auswahl für das Amt des Präsidenten zählen“, sagt er. Die Vorstands- und Aufsichtsratsrunde machte sich am Dienstag ein Bild der Bewerber – ein Vertreter der Marke Wunschkandidat soll jedoch nicht darunter gewesen sein. Die Bewerber kommen dem ­Vernehmen nach ausschließlich aus Wirtschaft oder Politik, der eine oder andere Name hinterließ bei einigen Sitzungsteilnehmern fragende Blicke.

Eher Kopfschütteln löst die bislang ergebnislose Suche – unter anderem mit Hilfe eines Headhunters – mittlerweile bei Außenstehenden aus. Ausgerechnet der Chef des Aufsichtsrats sieht jedoch keine Probleme auf sich und den VfB zukommen. Auch der Zeitdruck beunruhigt ihn nicht. „Wir werden den Auswahlprozess rechtzeitig vor der Mitgliederversammlung abgeschlossen haben, wir kriegen das hin“, versichert Dieter Hundt und ergänzt: „Der neue Präsident wird eine Person unseres Vertrauens sein, die bei allen Gruppierungen des Vereins auf eine breite Akzeptanz stößt. Der neue Präsident muss ein Unternehmen wirtschaftlich führen können und eine Affinität zum Fußballsport haben.“

Joachim Schmidt springt im absoluten Notfall ein

Ein Anforderungsprofil, das auf Joachim Schmidt passen könnte. Der Daimler-Manager, seit Jahren Hundts Stellvertreter im VfB-Aufsichtsrat, soll angeblich für den absoluten Notfall seine Bereitschaft signalisiert haben. Allerdings nur für eben diesen, da sich der Vertriebs- und Marketingchef bei Mercedes-Benz nicht gerade auf der Suche nach einer beruflichen Veränderung befindet. Sein Vertrag läuft bis 2015 – und Dieter Hundt bestätigt: „Joachim Schmidt steht nach meinem Kenntnisstand nicht als Präsident zur Verfügung.“ Dass dieser sich vorstellen könnte, im kommenden Jahr Hundts Nachfolger als Chef des Aufsichtsrats zu werden, ist dagegen ein offenes Geheimnis. Allerdings: Im Verein und im Umfeld des Clubs könnte man sich den 64-Jährigen, der derzeit auf Geschäftsreise ist und für eine Stellungnahme am Mittwoch nicht zu erreichen war, durchaus auch als Präsident vorstellen.

Joachim Schmidt, so heißt es, suche den Kontakt zur Basis, er könne – anders als der zurückgetretene Gerd Mäuser – auf die Fans zugehen. Das bewies er kürzlich bei einem Treffen mit einigen Fan-Vertretern, die dem Vernehmen nach angetan waren vom Auftritt des stellvertretenden Aufsichtsratschefs. Und auch Ex-Präsident Erwin Staudt hält Schmidt für einen geeigneten Präsidentschaftskandidaten: „Er ist ein Topmann, er könnte es machen.“ Allerdings ist auf diesem Gebiet wohl noch viel Überzeugungsarbeit nötig.

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