Stellt sich der Kritik – und will Lösungen präsentieren: VfB-Aufsichtsratschef Dieter Hundt. Foto: Pressefoto Baumann

Der Finaleinzug des VfB Stuttgart im DFB-Pokal war auch Balsam für den in der Kritik stehenden Aufsichtsratsvorsitzenden des Clubs. „Das ist etwas ganz Besonderes“, sagt Dieter Hundt – und mag Klagen über angeblich zu hohe Ansprüche im Umfeld des Vereins nicht hören: „So sind wir Schwaben.“

Stuttgart - Der Finaleinzug des VfB Stuttgart im DFB-Pokal war auch Balsam für den in der Kritik stehenden Aufsichtsratsvorsitzenden des Clubs. „Das ist etwas ganz Besonderes“, sagt Dieter Hundt – und mag Klagen über angeblich zu hohe Ansprüche im Umfeld des Vereins nicht hören: „So sind wir Schwaben.“

Guten Tag, Herr Hundt, der VfB steht im Finale um den DFB-Pokal. Sie haben als Aufsichtsratsvorsitzender endlich mal wieder Grund zur Freude.
Es ist ja nicht so, dass mir der VfB zuletzt generell keine Freude mehr gemacht hätte. Aber ich räume gerne ein: Das Erreichen des Finales in Berlin ist etwas ganz Besonderes.

Wie haben Sie das Duell gegen Freiburg erlebt?
Bedauerlicherweise nicht live im Stadion. Ich habe zur gleichen Zeit 15 arabische Botschafter betreut, die am Nachmittag noch zu Gast bei Ministerpräsident Winfried Kretsch­mann waren. Ich war aber während des Spiels über moderne Kommunikationsmittel permanent mit der Mercedes-Benz-Arena verbunden. Deshalb weiß ich: Es war ein gutes Spiel unserer Mannschaft und die Atmosphäre im Stadion hervorragend. Die Freude war riesig. Auch bei meinen arabischen Gästen, die sogar „Wir fahren nach Berlin“ mitskandiert haben.

Arabische Scheichs? Potenzielle Sponsoren! Mercedes könnte mehr für den VfB tun.
Ich nenne keine Details. Aber es entspricht nicht den Tatsachen, dass mein Aufsichtsratskollege Joachim Schmidt und ich einen Sponsoring-Vertrag mit Porsche verhindert haben. Daimler und Mercedes sind seit Jahrzehnten treue Partner des VfB Stuttgart, die auch in schlechten Zeiten zum Verein stehen. Es gibt branchenexklusive, vertragliche Bindungen. Und ich dringe mit Nachdruck darauf, dass wir diese einhalten.

Sie stehen seit Wochen im Zentrum von Fan-Protesten. Wie gehen Sie damit um?
Ich bedauere sehr, dass eine so extreme Unzufriedenheit entstanden ist. Wir stecken ohne Frage in einer schwierigen Situation. Ich akzeptiere die Kritik und muss mit ihr zurechtkommen.

Der gescheiterte Präsident Gerd Mäuser war der Mann Ihrer Wahl.
Das ist korrekt. Der Aufsichtsrat entschied sich unter meiner Führung vor zwei Jahren einstimmig dafür, Gerd Mäuser als Präsidenten vorzuschlagen.

Ein Fehlgriff.
Seine Präsidentschaft hat bedauerlicherweise nicht in jeder Hinsicht den erhofften Erfolg gebracht. Es wäre aber falsch, nicht zu erwähnen, dass Gerd Mäuser in wichtigen Bereichen die Dinge mit Erfolg angepackt und den Verein vorangebracht hat.

Seine ruppige Art stieß aber allerorten auf Widerstand.
Der Aufsichtsrat sah sich gezwungen, mit ihm eine schnelle Lösung zu finden. Das ist dann auch erfolgt.

Wie weit sind Sie bei der Suche nach einem Nachfolger?
Dazu kann und will ich im Moment nichts sagen. Die Suche ist ohne Zweifel schwierig.

Suchen Sie nach einer Führungsfigur mit Sportaffinität oder mit Wirtschaftserfahrung?
Am liebsten ist mir natürlich eine Kombination beider Eigenschaften. Idealfall wäre, einen Kandidaten zu finden, der von der Mitgliederversammlung ohne Gegenstimme gewählt wird.

Ein frommer Wunsch. Denken Sie darüber nach, eventuell auch zwei Kandidaten zur Wahl zu stellen?
Wir ziehen alle erfolgversprechenden Möglichkeiten in Betracht.

Ist eine vorübergehende Rückkehr von Ex-Präsident Erwin Staudt realistisch?
Es wäre falsch, zum jetzigen Zeitpunkt irgendeine Option auszuschließen.

Die Mitgliederversammlung ist auf den 22. Juli terminiert. Haben Sie nicht die Sorge, dass Sie von den VfB-Fans abgewählt werden?
Ich bemühe mich in Abstimmung mit meinen Kollegen im Aufsichtsrat, Lösungen zu präsentieren, die ähnliche Turbulenzen wie bei der Mitgliederversammlung vor zwei Jahren ausschließen.

Ihre Amtszeit endet 2014. Denken Sie an einen frühzeitigen Rückzug?
Wir stecken in einer schwierigen Situation. Ich fliehe nicht vor der Verantwortung. Das wäre die falsche Reaktion. Ich sehe im Gegenteil die Verpflichtung, eine Lösung zu finden, mit der die derzeitigen Schwierigkeiten beendet werden.

Trainer Bruno Labbadia hat nach dem Einzug ins Pokalfinale wieder das Stilmittel der Wutrede gewählt. Die Ansprüche in Stuttgart seien zu hoch, die Medien zu kritisch, offenbar fehlt ihm die Wertschätzung für seine Arbeit.
Es stimmt, die Ansprüche in Stuttgart sind hoch. So sind wir Schwaben. Diese Ansprüche sind die Basis für den Erfolg, den wir in vielen Bereichen haben. Dass Labbadias Arbeit in den Gremien des Vereins geschätzt wird, zeigt sich schon daran, dass sein Vertrag in der Winterpause verlängert wurde. Zu der Medienkritik äußere ich mich nicht. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass wir nach dem schönen Erfolg im Pokal und dem erneuten Einzug in die Europa League allen Grund zur Freude haben. Wir sollten jetzt in allen Fragen nach vorne schauen und uns nicht zu sehr mit der Vergangenheit beschäftigen.

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