Hajime Hosogai soll im VfB-Mittelfeld für Struktur sorgen und der Mannschaft mit seiner Erfahrung weiterhelfen. Foto: dpa

Der VfB Stuttgart hat Hajime Hosogai (30) verpflichtet. Der Defensiv-Allrounder soll die Mannschaft von Jos Luhukay mit seiner Erfahrung weiterbringen. Doch was ist er eigentlich für ein (Spieler-)Typ? Eine Spurensuche.

Stuttgart - Es gibt eine Anekdote aus Berlin, die den Charakter von VfB-Neuzugang Hajime Hosogai und auch sein Verhältnis zu seinem Ziehvater Jos Luhukay gut beschreibt. Luhukay hatte wie so oft sehr lange trainieren lassen, weit über 90 Minuten stand das Team auf dem Platz, ehe es zum Duschen geschickt wurde. Danach folgte für Luhukay die obligatorische Trainerbesprechung, ehe er sich auf den Nachhauseweg begeben wollte. Doch auf dem Trainingsplatz erkannte Luhukay einen seiner Spieler, der immer noch Runden drehte. Es war Hosogai. Der Trainer stellte den Japaner zur Rede und bekam als Antwort, dass ihn das Training nicht vollends auslaste. Er müsse mehr tun, mehr laufen, mehr arbeiten, er sei dies so aus seiner Heimat gewohnt.

Herausragende Arbeitsdisziplin

Luhukay war im ersten Moment völlig verdutzt. Ein Spieler, der freiwillig mehr macht als vorgegeben, ist selten in diesem Geschäft. Dann einigte er sich mit dem Japaner darauf, dass er bis drei Tage vor einem Pflichtspiel nach der Einheit noch 45 Minuten laufen dürfe. Danach müsse er sich schonen, um die notwendige Spritzigkeit im Spiel nicht zu gefährden. Gesagt, getan, Hosogai lief weiter seine Runden. Fortan war er unter Luhukay absolut gesetzt. Der Niederländer steht auf hart arbeitende Profis, die diszipliniert sind, die Ärmel hochkrempeln und sich in den Dienst der Mannschaft stellen. Das gilt übrigens auch für die Schwaben an sich, weswegen Luhukay und Hosogai bei vielen Anhängern des Clubs mit dem Brustring gut ankommen dürften. Die Schaffermentalität verbindet eben.

Variabel und solide

Zudem bringt der Japaner etwas mit, worauf viele Trainer stehen: Variabilität. Hosogai kann fast überall spielen – und erledigt das quasi ohne Leistungsabfall, agiert immer solide bis gut. In 262 Profipartien hat er drei als Spielgestalter auf der sogenannten „Zehn“ absolviert, vier im linken Mittelfeld, sechs im rechten Mittelfeld, 13 Partien im zentralen Mittelfeld, 23 als rechter Verteidiger, 38 als linker Verteidiger und 165 in der defensiven Mittelfeldzentrale, wo er auch beim VfB eingeplant ist. Sogar als Innenverteidiger hat Hosogai schon einmal ausgeholfen, als Not am Mann war.

Diese Variabilität, gepaart mit der langjährigen Bundesligaerfahrung (Hosogai kam bereits 2011 zu Bayer 04 Leverkusen) und seiner altersbedingten Reife, ist ein Paket, das den VfB vom Start weg verstärke dürfte. Der Neuzugang Hosogai wird vorerst auf der Position neben Kapitän Christian Gentner im Mittelfeld gesetzt sein. Der 1,77 Meter große Japaner hat in Stuttgart einen Vertrag über zwei Jahre unterschrieben, was jedoch auch dafür spricht, dass der VfB längerfristig mit Mart Ristl und Neuzugang Anto Grgic auf dieser Position plant. Dies deutete Sportvorstand Jan Schindelmeiser im Trainingslager in Grassau bereits an. „Manchmal macht es Sinn, einen erfahrenen Mann für eine Position zu holen, an dem andere wachsen können und der nach einem Jahr ins zweite Glied rückt.“

Neuschwanstein, Heidelberg, VfB-Heimspiel

So ganz nebenbei wird Hosogai auch noch die VfB-Marketingabteilung beflügeln, wie dies zuvor schon bei Shinji Okazaki und Gotoku Sakai der Fall gewesen ist. Japanische Profis, die sich im Ausland etabliert haben, sind in ihrer Heimat Helden. Das zieht gewisse Begleiterscheinungen mit sich. Zukünftig werden sich wieder vermehrt japanische Journalisten und TV-Teams am Clubgelände tummeln. Heimische Reiseanbieter werden für urlaubswillige Familien durchgetaktete Zehn-Tages-Kurztrips anbieten: Neuschwanstein, Heidelberg, VfB-Heimspiel. Nicht selten werden sie danach im Fanshop eine ganze Garnitur kaufen. Vielleicht ist dann sogar noch ein Selfie fürs Familienalbum am Trainingsplatz drin – Hosogai wird wohl noch da sein und seine Runden drehen.

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