Murat Yakin über das Verhalten von VfB-Trainer Christian Gross und dessen Umgang mit Stars.
Stuttgart - Ex-VfB-Profi Murat Yakin war ein feiner Fußballer. Und er hatte es in seiner aktiven Zeit in der Schweiz unter Trainer Christian Gross nicht leicht. Aber im Konflikt zwischen Alexander Hleb und VfB-Coach Gross ergreift er Partei für seinen Landsmann: "Er weiß, wie man solche Spieler behandelt."
Hallo Herr Yakin, Christian Gross genießt derzeit eine hohe Wertschätzung in Stuttgart. Gleichzeitig stößt sein Umgang mit Alexander Hleb auf Kritik. Auch Sie haben sich laut einiger Passagen im Buch "Die Yakins" nicht nur gut mit Gross in Basel verstanden.
(Schmunzelt) Ich habe insgesamt zehn Jahre mit ihm zusammengearbeitet. Da gibt es natürlich Höhen und Tiefen. Immerhin wollte er mich damals auch zu Tottenham Hotspur holen.
Wie ist das Verhältnis heute?
Wir haben ein sehr enges Verhältnis. Ich habe ihn im Dezember sogar in Stuttgart besucht und verfolge die Entwicklung in Stuttgart sehr genau.
Sie und Ihr Bruder Hakan galten stets als Spieler, die mit reichlich Talent gesegnet sind. Eher Künstler als Handwerker. Will Christian Gross aus solchen Spielern immer mehr herauskitzeln? Behandelt er geniale Spieler daher etwas strenger, als es sein müsste?
Er hat schon eine gewisse Art, wie er mit Stars umgeht. Fragen Sie doch mal bei Jens Lehmann oder bei Alexander Hleb nach.
Alexander Hleb muss man nicht lange fragen. Er bekennt offen, dass er unter dieser Situation leidet. Ihm fehlt offenbar die Wertschätzung. Sein Problem ist, dass er als gestandener Profi gleich oder eher schlechter behandelt wird als ein Jungspund oder ein Wasserträger.
(Lacht wieder) Hätte Alexander Hleb aus Ihrer Sicht einen Sonderstatus verdient?
Auch eine Gegenfrage: Würden Sie als Trainer einen 28-jährigen Spieler, der vom Champions-League-Sieger FC Barcelona kommt, gleich behandeln wie einen Jungprofi?
Das macht er schon richtig. Christian Gross ist ein Fuchs und weiß, wie man mit Spielern wie Alexander Hleb umgeht.
Das überrascht. Schließlich haben Sie als Spieler noch vollkommen anders gedacht.
Spieler und Trainer - das sind zwei verschiedene Welten. Auch ich habe da eine Entwicklung mitgemacht. Als Trainer ordnet man eben alles dem Erfolg der Mannschaft unter. Und wenn Spieler in diesem Sinne mitziehen, dann gibt Christian Gross ihnen auch Freiräume. Andererseits schreitet er sofort ein, wenn ein Spieler den Erfolg der Mannschaft gefährden könnte.
Muss man Hleb deshalb fast regelmäßig nach einer Stunde vom Feld holen, obwohl er inzwischen fit ist?
Da muss sich Hleb halt mehr Spielzeit verdienen.
Ein schönes Stichwort. Was nahmen Sie von ihrem ehemaligen VfB-Trainer Winfried Schäfer mit?
Von Winnie? Auch etwas ganz Wichtiges.
Und das wäre?
Wie man es als Trainer nicht machen sollte.
Was Murat Yakin noch alles über Christian Gross erzählt, lesen Sie in unserer Printausgabe vom 2. März.