Hinter dem VfB liegt ein regelrechter Verhandlungsmarathon. Was Brighton ursprünglich für Deniz Undav forderte und unter welchen Voraussetzungen nun Boni fällig werden.
Kaum ein Thema hat den VfB Stuttgart zuletzt mehr beschäftigt als die Personalie Deniz Undav. Kommt der Stürmer zurück oder bleibt er in England? Wann herrscht Klarheit? Die Fragen begleiteten einen wochenlangen Poker, der nun zu einem Ende gekommen ist. Zu einem positiven aus VfB-Sicht: Der 28-jährige Publikumsliebling wird fest verpflichtet – und unterschreibt in Bad Cannstatt einen bis 2027 datierten Vertrag, nachdem er in der vergangenen Saison vom Premier-League-Club Brighton & Hove Albion ausgeliehen gewesen war.
Vorausgegangen war ein langer und überaus zäher Gesprächsmarathon. Als „nicht ganz einfachen Verhandlungspartner“ hatte selbst VfB-Trainer Sebastian Hoeneß den englischen Erstligisten Mitte Juli nach einem Testspiel in Heilbronn bezeichnet – und sich dabei wohl noch auf die Zunge gebissen. Mehrere Stuttgarter Angebote stießen an der englischen Südküste auf taube Ohren, über Tage und Wochen.
Die anfänglichen Vorstellungen von Brighton hatten es dabei in sich und lagen nach Informationen unserer Redaktion bei 43 Millionen Pfund inklusive Boni – umgerechnet 50 Millionen Euro also. Ein Betrag weit jenseits des Vorstellbaren für den VfB, der sich nun mit den Engländern deutlich darunter einigte: 27 Millionen Euro Sockelablöse werden die Stuttgarter überweisen, wobei diese Summe durch Bonuszahlungen noch auf gut 30 Millionen Euro ansteigen kann. Während ein Teil der Boni über Undav-Einsätze verhältnismäßig einfach zu erreichen ist, hängt ein anderer Teil von der Abschlussplatzierung des VfB in der anstehenden Saison ab. Je besser, desto höher die Nachzahlung. Im Falle einer erneuten Qualifikation für die Champions League aber wäre man unter dem roten Clubdach sicher gerne bereit, dafür auch etwas höhere Boni nach Brighton zu überweisen.
Fest steht indessen schon jetzt: Alleine die fixe Ablöse macht Undav zum Stuttgarter Rekordtransfer. Nie zuvor hat der VfB so viel Geld für einen Spieler ausgegeben, die bisherige Höchstmarke hielt Undavs gerade erst verpflichteter künftiger Sturmkollege Ermedin Demirovic, der für 21 Millionen Euro vom FC Augsburg gekommen war. In beiden Fällen ohne Frage viel Geld, das dem VfB aber auch zur Verfügung stand und steht. Zum einen durch Transfereinnahmen infolge des Verkaufs von namhaften Stammspielern in diesem Sommer (Waldemar Anton, Serhou Guirassy, Hiroki Ito), zum anderen aufgrund der zu erwartenden Mehreinnahmen – durch die Teilnahme an der Champions League, den größeren VIP-Bereich mit entsprechenden Vermarktungsmöglichkeiten und die bessere Platzierung im TV-Ranking.
Dennoch ging man nun an die finanzielle Schmerzgrenze, um Undav an den Verein zu binden. Beim Anhang sorgt der Verbleib der nicht auf den Mund gefallenen Identifikationsfigur für Begeisterung in den sozialen Netzwerken – und auch der Stürmer ist alles andere als unzufrieden. „Es war immer mein Wunsch, beim VfB zu bleiben. Es ist ein tolles Gefühl, dass das Warten jetzt ein Ende hat und ich wieder hier bin“, sagt Undav.
In der Stuttgarter Kaderplanung ist Undav dabei ohne Frage ein entscheidender Mosaikstein: In der Vorsaison war er einer der Erfolgsgaranten auf dem Weg zur Vizemeisterschaft, als er in 30 Bundesliga-Einsätzen 18 Tore und nicht minder wichtige zehn Vorlagen beisteuerte. „Deniz hat nicht nur die Qualität unserer Offensive bereichert, sondern er hat sich auf Basis seiner besonderen Fähigkeiten zum Nationalspieler entwickelt. Deniz ist jemand, der als Typ begeistert, der für das soziale Gefüge der Gruppe wichtig ist“, sagt der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth. Zusammen mit Stoßstürmer Demirovic soll Undav als hängende Spitze in der kommenden Saison das Stuttgarter Sturmduo bilden. Bei beiden Transfers hat der VfB tief in die Tasche gegriffen – und seine Ambitionen mit Nachdruck untermauert.