Genks Sportdirektor Dimitri de Condé rückt das Management des VfB in ein schlechtes Licht. Foto: IMAGO/Belga

Nach dem gescheiterten Wechsel des Stürmers Oh macht Genks Manager de Condé dem VfB öffentlich heftige Vorwürfe. „Die extremste Geschichte, seit ich den Job mache.“

Beim belgischen Erstligisten KRC Genk hallt der in letzter Sekunde geplatzte Transfer des Stürmers Hyeon-Gyü Oh zum VfB Stuttgart weiter nach. In einem vom Verein produzierten Video der Reihe „Tech-Talk“ legt Dimitri de Condé, der Sportdirektor der Genker, nach: „Es war die extremste Geschichte in den zehn Jahren, seit ich diesen Job mache“, sagt de Condé, der einst Mittelfeldspieler war und seit März 2015 die sportlichen Geschicke der Blau-Weißen aus der Provinz Limburg in Flandern leitet.

 

Wie kurios die Verhandlungen mit dem VfB aus seiner Sicht abgelaufen sind, darüber gewährt der enttäuschte de Condé intime Einblicke: „Es gab enormen Druck aus Stuttgart. Sie erhöhten die Ablösesumme innerhalb von 24 Stunden auf 27 Millionen Euro, was für Genk einen Rekordwert bedeutete“, sagt der 50-Jährige vor laufender Kamera: „Es gab die Aufforderung am Spieltag, Oh für die Partie gegen Zulte Waregem zurückzuziehen. Das war unglaublich stressig.“ Letztlich lief Oh gegen Waregem auch nicht auf.

Dann habe es nach Ansicht des Belgiers eine für ihn nicht nachvollziehbare Wende seitens der Verhandlungspartner vom VfB gegeben: „Am nächsten Morgen erhielt ich eine Nachricht aus Deutschland, dass der Betrag laut Stuttgart niedriger sei als von uns angegeben. Wo ich die Absprachen doch Schwarz auf Weiß hingeschickt hatte. Das fühlte sich sehr seltsam an“, erklärt de Condé, der sich offensichtlich bei dem für ihn größten Deal seiner Amtszeit bereits auf einem sehr guten Weg gewähnt hatte.

Hyeon-Gyü Oh spielt nun weiter für den KRC Genk – beim 1:1 gegen den RSC Anderlecht gelang ihm kein Treffer. Foto: IMAGO/Isosport

Tatsächlich war der südkoreanische Nationalstürmer Oh auch schon zum Medizincheck in Bad Cannstatt anwesend: „Es gab auch noch eine medizinische Geschichte“, sagt de Condé dazu knapp. Unerwähnt lässt der Belgier dabei den Umstand, dass neben dem bekannten Problemen im linken Knie (einen Kreuzbandriss vor vielen Jahren hatte Oh niemals operieren lassen) bei der Untersuchung in Stuttgart offenbar noch ein weiteres Problem aufgetaucht war. Dieses ließ den VfB letztlich Abstand von dem nicht nur in vielen Fankreisen ohnehin umstrittenen Deal nehmen.

„Ich hatte ein sehr komisches Gefühl dabei, und ich war nicht der Einzige. Ich habe meinem Kollegen in Deutschland auch mitgeteilt, dass sein Verhalten und seine Kommunikation unprofessionell waren“, erklärte de Condé nun mit einigem Abstand, nachdem der VfB kurz vor Ende der Sommer-Wechselfrist am Nachmittag des 1. September den Oh-Transfer noch hatte platzen lassen. Zu groß schien der Stuttgarter Seite um den Sportvorstand Fabian Wohlgemuth das medizinische Risiko vor dem Hintergrund der hohen Ablösesumme.

„Wie dem auch sei“, ergänzt de Condé: „Ich bin besonders froh, dass Oh hier ist. Mit einem Tor und einer Vorlage für Südkoreas Nationalteam hat er gezeigt, dass er so wertvoll ist.“

Der VfB wollte derweil die Äußerungen des Managers vom KRC Genk, wo der ehemalige Bayern-Profi Thorsten Fink seit Sommer 2024 der Cheftrainer ist, auf Nachfrage nicht kommentieren. Neu sind die Sticheleien aus Belgien für die Stuttgarter nicht. So hatte sich bereits die Social-Media-Abteilung aus Genk zu einer Spitze gegen den VfB hinreißen lassen. „Oh vs. medical tests: 1-0“, war ein Bild des Stürmers im Nationaldress nach dessen guten Auftritt mit einem Tor und einer Vorlage untertitelt. Ins Deutsche übersetzt so viel wie: Oh gegen den Medizincheck: 1:0“.

Dieser Artikel erschien erstmals am 17. September und wurde am 22. September aktualisiert.