Begehrter Verteidiger: Ken Gipson aus der U 19 des VfB Foto: Baumann

Nach Tim Leibold und Joshua Kimmich droht der Abgang des nächsten Talents. U-19-Spieler Ken Gipson hat Angebote aus Dortmund und Ingolstadt.

Stuttgart - Beim Junior-Cup in Sindelfingen fehlte Ken Gipson am vergangenen Wochenende entschuldigt. Zum einen laboriert der rechte Verteidiger noch an einer Verletzung, die er sich kurz vor Weihnachten im Trikot der U-19-Auswahl zugezogen hatte, zum anderen hatte er einen privaten Termin. Ansonsten wäre es keine Frage gewesen, dass der junge Defensivmann im Kader von Trainer Ilija Aracic gestanden hätte. Denn Gipson hat sich in der Hinrunde, in der er einen Stammplatz in der Startelf des VfB-Nachwuchses erobert hat, einen Namen gemacht, der sich längst bundesweit herumgesprochen hat. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass andere Vereine die Jagd auf das VfB-Talent eröffnet haben.

Von Borussia Dortmund II und dem finanzkräftigen Zweitliga-Spitzenreiter FC Ingolstadt liegen Ken Gipson jeweils attraktive Angebote für einen Vereinswechsel vor, darüber hinaus haben offenbar weitere Clubs Interesse an einer Verpflichtung angemeldet. Auch der VfB hat ihm einen Anschlussvertrag vorgelegt, der vom Sommer an für sein Drittligateam gilt. Der Verein hat ihm eine Frist bis Ende Januar gesetzt. Dann muss Ken Gipson entscheiden, ob er das Angebot annimmt.

Es ist die erste Bewährungsprobe für den neuen Sportvorstand Robin Dutt und die nächste für Rainer Adrion, den Sportlichen Leiter der U-17- bis U-23-Mannschaften des VfB. Tim Leibold (20) hat der Verein bereits verloren. „Er hat sich entschlossen, den VfB zu verlassen“, sagt Adrion über den linken Verteidiger, der vor Saisonbeginn offiziell in den Profikader gerückt war – und dann plötzlich wieder beim VfB II spielte. Mehr Gesprächsstoff liefert der Abgang von Joshua Kimmich (19), den der VfB vergangene Woche an Bayern München verloren hat. 1,5 Millionen Euro überweist der VfB für sein Rückkaufrecht an RB Leipzig, das den defensiven Mittelfeldspieler bis zum Saisonende ausgeliehen hat. Im Gegenzug reicht der VfB Kimmich an den Rekordmeister weiter, der sich diese Verstärkung 8,5 Millionen Euro kosten lässt.

Ken Gipson wäre innerhalb kürzester Zeit der dritte Nachwuchsmann, der dem VfB den Rücken kehrt. Was nicht nur Michael Gentner bedauern würde. „Wir wissen, dass auch andere Vereine ihr Interesse am Spieler bekundet haben. Die Ausgangslage ist daher offen“, sagt der Sportliche Leiter der U-11- bis U-16-Mannschaften, der Rainer Adrion während dessen Urlaub vertritt, „Ken ist ein Spieler mit viel Qualität, den wir weiter aufbauen wollen.“

Dabei hat dessen Karriere in jungen Jahren vor einer dramatischen Wende gestanden. Im September 2012 verletzte sich Gipson, damals noch im Trikot der U 17 des VfB, schwer. In einem Spiel beim FSV Mainz trug er aus einem Zusammenprall in der zweiten Spielminute einen offenen Schien- und Wadenbeinbruch davon. Gipson wurde umgehend in eine Mainzer Klinik gebracht. Die Spieler beider Teams standen aufgrund der Schwere der Verletzung unter Schock und sahen sich außerstande, das Spiel fortzusetzen. Auf Bitten beider Mannschaften hin brach der Schiedsrichter die Begegnung ab.

18 Monate lang war Gipson verletzt. Umso mehr spricht es für seinen Willen, dass er inzwischen den Anschluss wieder geschafft hat. Obwohl er körperlich noch nicht ganz seine Topleistung abrufen kann, gilt er als schnellster Spieler im U-19-Team des VfB. In der Hinrunde hat er zudem an Selbstbewusstsein, Verantwortungsgefühl und Übersicht auf dem Spielfeld hinzugewonnen. „Seit seiner schweren Verletzung hat sich Ken sehr gut entwickelt“, sagt Gentner, „deshalb haben wir ihm ein gutes Angebot vorgelegt und hoffen, dass er es annimmt.“

Schließlich kann auch der VfB dem gebürtigen Ludwigsburger eine gute Perspektive bieten – siehe Mart Ristl (18) und Arianit Ferati (17). Die beiden stehen vor dem Sprung nach oben. Ristl war Cheftrainer Huub Stevens am vergangenen Wochenende beim Junior-Cup ins Auge gestochen. Seither trainiert er mit dem Profikader und wird sehr wahrscheinlich wie auch Ferati mit ins Trainingslager vom 16. bis zum 24. Januar nach Lagos/Algarve fliegen.

So weit ist Ken Gipson nicht. Noch nicht. Aber mittelfristig winkt ihm die gleiche Chance – falls er sich für den VfB entscheidet.

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