Die VfB-Profis bejubeln einen letztlich ungefährdeten Sieg. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Der VfB startet erst durchwachsen in das wichtige Spiel gegen Bern, steigert sich dann aber in entscheidenden Bereichen und gewinnt auch in der Höhe verdient. Unsere Analyse.

Am Ende wurde es doch noch ein richtiges Fußballfest in Bad Cannstatt. Auf den Rängen sangen und hüpften die Fans des VfB Stuttgart, auf dem Feld kombinierten sich die Profis von Torchance zu Torchance, am Spielfeldrand gab es anerkennenden Applaus von Trainer Sebastian Hoeneß. Applaus für einen deutlichen 5:1-Sieg gegen die Young Boys Bern, durch den der Fußball-Bundesligist einen wichtigen Schritt im Kampf um das Weiterkommen in der Champions League machte.

 

Nur: Nach diesem ungefährdeten Erfolg hatte es anfangs nicht unbedingt ausgesehen. Die Partie begann denkbar schlecht für den VfB, der in den ersten Minuten fast schon pomadig agierte – und früh mit 0:1 in Rückstand geriet: Beim Distanzschuss-Treffer von Mittelfeldspieler Lukasz Lakomy (6.) sah weder der passive Stuttgarter Defensivverbund gut aus noch Torhüter Alexander Nübel, der beim nicht abgefälschten Schuss aus 20 Metern keine Reaktion zeigte.

Minutenlange Überprüfung des zweiten VfB-Tores

In der Folge fand der VfB besser in die Partie und hatte in Person von Ermedin Demirovic zwei gute Gelegenheiten auf den Ausgleich: Erst traf der Mittelstürmer aus spitzem Winkel nur das Außennetz (9.), dann schloss er nach einem Querpass des aufgerückten VfB-Verteidigers Anthony Rouault aus aussichtsreicher Position zu hoch ab (22.). Besser machte es Mittelfeld-Regisseur Angelo Stiller, der drei Minuten später die ausverkaufte Arena jubeln ließ: Nach einem Pass in die Tiefe auf Josha Vagnoman bekam Stiller den Ball von diesem wieder zurück und schob überlegt in die kurze Ecke zum 1:1 ein (25.).

Es folgte die bis dato stärkste Stuttgarter Phase und das im Vorfeld von vielen erwartete Spiel: Bern verteidigte tief, der VfB hingegen drückte und drängte – ließ aber beim letzten Pass vorerst noch die nötige Präzision vermissen. Eine dauerhafte Drangphase entwickelte sich so nicht, zumal die drei entscheidenden Akteure für die Spielgestaltung im Zentrum – Atakan Karazor und Stiller sowie etwas offensiver Enzo Millot – mit zu vielen Auf und Abs agierten. „Nach den ersten zehn Minuten waren wir griffiger, aber es hat noch die letzte Genauigkeit gefehlt“, sagte Mittelfeldspieler Fabian Rieder, der gegen seinen Ex-Club in die Startelf gerückt war.

Yannik Keitel mit erstem Pflichtspieltor für den VfB

Aus den Kabinen kam der VfB dann mit einer personellen Änderung, Yannik Keitel ersetzte im Mittelfeld Kapitän Karazor. Vor allem aber waren die Stuttgarter im Gegensatz zum ersten Durchgang von Beginn an präsent – und gingen auch schnell in Führung. Allerdings auf umstrittene Weise: Rieder tankte sich auf rechts zur Grundlinie durch und passte ins Zentrum auf Millot, der flach in die Ecke zum 2:1 (53.) traf. Nur: Zuvor hatte der Linienrichter die Fahne gehoben und damit signalisiert, dass der Ball aus seiner Sicht im Moment von Rieders Pass im Toraus gewesen war. Relevant ist in einem solchen Fall aber alleine die Entscheidung des Schiedsrichters. Und Giorgi Kruashvili ließ die Szene erst einmal laufen und gab den Treffer. Es folgte eine minutenlange Überprüfung durch den Videoassistenten. Das Ergebnis: Es konnte nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass der Ball mit vollem Umfang im Aus war. Der Treffer zählte, die Stuttgarter jubelten, Bern haderte.

Nun war der VfB Herr im Haus und sorgte mit druckvollem Offensivspiel schnell für klare Verhältnisse. Erst traf Führich zum 3:1, der einen Querpass von Rieder per Direktabnahme in die lange Ecke schlenzte (61.). Wenig später beschenkte sich Josha Vagnoman selbst und erhöhte an seinem 24. Geburtstag auf 4:1, als er eine Millot-Flanke volley ins Tor drückte (66.). Für den Schlusspunkt sorgte Keitel mit seinem ersten Pflichtspieltor für den VfB, indem er aus der Distanz in die linke Ecke zum 5:1 traf (75.). „Wir haben dem Gegner keine Luft mehr gelassen und verdient gewonnen“, bilanzierte Rieder.

Die Chancen auf das Weiterkommen sind durch den deutlichen Heimsieg weiter intakt: Der VfB hat sein Punktekonto auf sieben Zähler aufgebessert, wird aus den verbleibenden beiden Partien aber wohl noch mindestens einen Sieg brauchen, um Platz 24 der Hauptrunde und damit den Einzug in die Play-offs zu sichern. Weiter geht es in der Königsklasse im neuen Jahr, wenn der VfB am 21. Januar beim slowakischen Meister Slovan Bratislava gastiert. Zum Abschluss kommt dann das französische Spitzenteam Paris Saint-Germain nach Bad Cannstatt.