Die Fans träumen nach dem 2:0 gegen Werder Bremen von Europa, doch die Verantwortlichen halten den Ball bewusst flach. Wie Sportdirektor und Trainer den Kracherspielen gegen Dortmund, Leverkusen und Bayern München entgegenblicken.
Für die Fans ist die Sache bereits nach dem 13. Spieltag klar. „Europapokal“, stimmten sie in der Schlussphase der Partie gegen Werder Bremen (2:0) an, und sangen minutenlang davon, dass es nach all den schwierigen Jahren nun endlich auf die Reise gehe. „Stuttgart International“!
Nun gehört das Träumen zum Recht eines jeden Fußballfans. Die Anhänger des notorischen Kellerkindes hatten in der Vergangenheit einiges zu ertragen. Weshalb ihnen niemand das Ausleben der Euphorie missgönnt. Die Verantwortlichen des Tabellen-Dritten bleiben aber auch nach dem weitgehend überzeugenden und in Summe hochverdienten Heimsieg gegen Bremen stocknüchtern. Angesichts der Tatsache, dass der VfB nach 13 Spieltagen auf 30 Punkte kommt und damit auf drei weniger als zum Ende der gesamten vergangenen Saison, kommentierte Sportdirektor Fabian Wohlgemuth trocken: „Damit kann man zufrieden sein.“
Riesiges Polster auf die ersten nicht-europäischen Plätze
Das Polster auf die ersten nicht-europäischen Plätze ist schon jetzt beträchtlich. Vom Abstand auf die Abstiegsränge redet längst keiner mehr. Außer Wohlgemuth, der indirekt das Saisonziel Klassenverbleib immer noch nicht korrigieren wollte. „Unser Ziel bleibt es, den Abstand nach unten so groß wie möglich und den nach oben so klein wie möglich zu halten.“
Eine Aussage, in die sich alles und nichts hineininterpretieren lässt. Trainer Sebastian Hoeneß wurde am Samstagabend etwas konkreter. Er sprach davon, dass man sich im März über neue Saisonziele unterhalten könnte, sollte seine Mannschaft dann noch immer so gut dastehen. Jetzt würde es aber nichts bringen, „irgendetwas hinauszuposaunen“, womit Hoeneß natürlich Recht hat. Keine Mannschaft spielt besser Fußball, nur weil das Saisonziel nach oben korrigiert wird.
Hoeneß will weiter „gute Spiele abliefern“
Der VfB will weiter bei sich bleiben. „Unser Ziel ist, weiter gute Spiele abzuliefern“, formulierte Hoeneß. Die kommenden zehn Tage werden Aufschluss darüber geben, inwieweit der letztjährige Fast-Absteiger tatsächlich schon die Spitzenmannschaft ist, als die ihn Werder-Coach Ole Werner am Samstag bezeichnete. „Man hat gesehen, warum der VfB in der Tabelle dort steht, wo er steht.“
Am Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF) geht es im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen Borussia Dortmund, dann stehen in der Liga richtungsweisende Spiele gegen Bayer Leverkusen und in München gegen die Bayern an.
Ob der Tabellen-Dritte den Abstand nach ganz oben dann weiter verringern kann? Wohlgemuth wollte sich nicht locken lassen. „Gegen Dortmund können wir keinen Abstand verringern“, sagte der Sportchef. Damit stellte er klar, dass die Konzentration allein dem kommenden Pokalabend gelte. Möglicherweise wird es mit Blick auf die Knallerspiele auch zum einen oder anderen Wechsel kommen. Das deutete Wohlgemuth zumindest an.
Spätestens am Montag wird in den Pokal-Modus geschaltet. Auch die Fans werden sich umstellen. Statt von Europa dürfen sie am Mittwoch von Berlin träumen.