Volltreffer: Roberto Massimo (links) erzielt sein erstes Bundesligator für den VfB Stuttgart, Hoffenheims Kevin Vogt bleibt nur die Beobachterrolle. Foto: Baumann/Julia Rahn

Der VfB Stuttgart findet beim 3:1-Sieg über die TSG Hoffenheim in der Fußball-Bundesliga wieder in die Spur – und dafür gibt es eine Reihe von Gründen.

Stuttgart - Es ist ein Moment zum Genießen gewesen. Die Spieler des VfB Stuttgart standen vor der Cannstatter Kurve und feierten nach längerer Zeit mit den Fans. Erleichtert und ausgelassen nach dem 3:1-Sieg gegen die TSG Hoffenheim. Und wenige Meter entfernt stand der Trainer. Derjenige, der das leidenschaftliche Spiel des Fußball-Bundesligisten zuvor orchestriert hatte.

 

Pellegrino Matarazzo ließ sich von den Emotionen jedoch nicht mitreißen. Nach zuvor fünf sieglosen Spielen wirkte er auch nicht entrückt, sondern wie immer ganz bei sich. „Dieser Moment gehört der Mannschaft“, sagt Matarazzo. Er ist dann nur ein Beobachter, der die Atmosphäre aufsaugt und bei sich denkt: „Tolle Fans, tolles Stadion.“

Sebastian Hoeneß ist zerknirscht

Knapp 25 000 Zuschauer waren in die Mercedes-Benz-Arena gekommen, um den VfB nach vorne zu schreien. „Das hat sich fast schon wie ein volles Stadion angehört“, sagt Sven Mislintat, der nach etwas Glück zu Spielbeginn (Lattenschuss von Ihlas Bebou/17.) eine Heimelf sah, die sich den Erfolg Stück für Stück erarbeitete. „Wir hatten beim Führungstor durch Marc Kempf bereits den fünften Eckball“, sagt der Sportdirektor.

Gerade einmal 18 Minuten waren zu diesem Zeitpunkt gespielt – und fortan fanden die Stuttgarter immer besser in die Spur. „Ich hatte das Gefühl, das Spiel ist uns mit dem 0:2 trotz einiger eigener Möglichkeiten vollends entglitten“, sagt der Hoffenheimer Coach Sebastian Hoeneß. Weil das Spiel auf der anderen Seite wieder auf einer guten Defensive mit starkem Mittelblock fußte. Waldemar Anton, Konstantinos Mavropanos und Marc Kempf in der Abwehr, davor Atakan Karazor im zentralen Mittelfeld, unterstützt durch Wataru Endo und Orel Mangala, die auch Impulse nach vorne gaben.

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Das mag nach alter italienischer Schule klingen, da die Außen Borna Sosa und Tanguy Coulibaly ebenfalls mit wichtigen Abwehraufgaben betraut sind, doch es ist eher die neue italienische Schule, die im Sommer zum EM-Titel führte und in der eine kompakte Defensive die Basis für eine variable Offensive schafft.

Eine simple, für Fußballlehrer vielleicht sogar banale Erkenntnis, denn nur so ergeben sich Freiräume für Spieler wie Chris Führich und Omar Marmoush, die mit ihrem Sturmdrang nicht taktisch gefesselt werden sollen. „Diesmal hatten wir eine andere Zielstrebigkeit als zuvor, auch gute tiefe Läufe und wieder mehr Mut im Spiel nach vorne“, sagt Matarazzo, den der taktisch orientierte Calcio aufgrund seiner italienischen Wurzeln zwar geprägt hat, der aber nichts von der reinen Defensivkunst des Catenaccio hält.

Neues Selbstvertrauen für Gladbach

Der VfB soll angreifen und sich nicht von der Angst leiten lassen, in den Bereich der Abstiegsplätze abrutschen zu können. In der vergangenen Saison standen die Stuttgarter nie unter dem roten Strich und wussten mit teils spektakulären Siegen zur rechten Zeit das Bild einer neuen, jungen und wilden Mannschaft zu zeichnen. Und jetzt? „Wir sind ein Aufsteiger im zweiten Jahr und müssen weiter wachsen“, sagt Mislintat.

Mit nun acht Punkten auf dem Konto, zwei weniger als vor einem Jahr. Das beruhigt nach durchwachsenen Wochen vor der anstehenden Länderspielpause dennoch. Der Trainer fühlt sich jedenfalls durch den zweiten Saisonsieg darin bestätigt, weiter inhaltlich zu arbeiten und sich nicht zu sehr vom Blick auf die Tabelle beeinflussen zu lassen. Stimmt die Entwicklung, dann passen auch die Ergebnisse, lautet Matarazzos Mantra.

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Übertragen gilt dies ebenso für einzelne Spieler. Siehe die weiteren Torschützen Konstantinos Mavropanos (60.) und Roberto Massimo (81.). Der griechische Abwehrspieler kann seine körperlichen Stärken nach einem Jahr beim VfB viel besser einsetzen und gewinnt an Klasse. Der 20-jährige Flügelflitzer erzielte sein erstes Bundesliga-Tor. Erlöst wirkte Massimo hinterher, weil sich auch mit solchen Erfolgserlebnissen entscheidet, ob das Talent den nächsten Schritt seiner Entwicklung vollzieht und dadurch hilft, das Team vorwärtszubringen.

„Jeder Sieg tut uns da gut“, sagt Matarazzo, „weil die Mannschaft mit jedem Sieg wächst.“ Die nächste Gelegenheit, einen Wachstumsschub zu erhalten, besteht am 16. Oktober in Mönchengladbach.

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