Torhüter-Konkurrenten: Oliver Baumann (li.) und Alexander Nübel. Foto: imago/Eibner

Die Torhüter Alexander Nübel (VfB Stuttgart) und Oliver Baumann (TSG Hoffenheim) treffen am Sonntag in der Liga aufeinander – und sind dann Konkurrenten in der DFB-Elf.

Hinter der rechten Schulter von Julian Nagelsmann stand eine große Scheinwerferlampe, als er am Donnerstagvormittag in die Kamera sprach und Oliver Baumann ins Rampenlicht stellte. Die Lobeshymnen des Bundestrainers auf den Torhüter der TSG Hoffenheim fielen auf in dem vom DFB veröffentlichten Nominierungsinterview für die nächsten Länderspiele – und hörten sich so an: „Olli hatte einen herausragenden Start in die Liga und in die Europa League mit sehr vielen guten Spielen, er hat es sich mal verdient, ein Länderspiel zu bekommen – und das wird auch so sein.“

 

Ja, diese Frage stellen sich vor den Partien in der Nations League in Bosnien am 11. Oktober und drei Tage später gegen die Niederlande in München alle, die es mit dem VfB Stuttgart und seinem Keeper halten. Für Nübel fand Nagelsmann nur beiläufig Erwähnung. „Olli und Alex waren ja schon dabei und haben es die letzten Male gut gemacht.“

Die letzten Male – damit meint Nagelsmann unter anderem die Vorbereitungszeit vor der EM im Sommer, als die Torhüterhierarchie in der DFB-Elf noch eine andere war. Manuel Neuer war die Nummer eins, Marc-André ter Stegen der Kronprinz und Baumann die Nummer drei vor Nübel, der am Ende aus dem Kader gestrichen wurde.

Nach dem Turnier sollte ter Stegens Zeit kommen, doch der Keeper des FC Barcelona verletzte sich bekanntlich schwer am Knie und fällt monatelang aus. Nagelsmann stellte nun klar, dass ter Stegen wieder die Nummer eins sein wird, sobald er fit ist. Und er legte sich im Zweikampf zwischen Baumann und Nübel um die Übergangs-Nummer-Eins erst einmal auf Baumann fest, anders lassen sich seine Lobeshymnen auf den Hoffenheimer nicht interpretieren. Immerhin: Der Bundestrainer stellte auch Nübel einen Einsatz in den nächsten beiden Länderspielen in Aussicht. Er sagte: „Wir wissen noch nicht zu 100 Prozent, wie die Verteilung ist und ob einer beide Spiel macht.“ Klar ist also nur, dass Baumann eine Partie macht – mindestens.

Zugleich machte der Bundestrainer deutlich, dass die Tür für andere Torhüter nicht zu sei, ohne konkrete Namen zu nennen. Weit oben auf dem Zettel steht dabei Nübel, der Baumann nun fürs Erste herausfordert und alles andere als chancenlos ist. Die Leistungen im Verein und in der Nationalelf werden darüber entscheiden, wer in den nächsten Länderspielblöcken im Tor stehen wird.

Hildebrand mit klarer Meinung

Einen Tag vor dem Treffpunkt der DFB-Elf in Herzogenaurach kommt es nun erst einmal zu einem besonderen Duell in der Bundesliga. Denn wie es der Spielplan-Zufall so will, treffen Nübel und Baumann an diesem Sonntag (19.30 Uhr) in Stuttgart aufeinander, wenn ihre Clubs den sechsten Spieltag abrunden. Im Stadion wird auch ein Mann sein, der für beide Vereine zwischen den Pfosten stand – und nun eine klare Meinung zu den Kontrahenten hat. Timo Hildebrand, ehemaliger Keeper des VfB und der TSG, sagt zum Zweikampf um den Platz im deutschen Tor: „Der Bundestrainer kann da gar keinen Fehler machen, ich sehe Alex und Olli auf einem gleich starken Niveau.“

Nübel, so Hildebrand weiter, sei ein im besten Sinne kompletter Torhüter: „Er ist sehr ausgeglichen und strahlt viel Ruhe aus, und sein Spielaufbau ist herausragend.“ Das kann man so auch über Oliver Baumann behaupten, den Hildebrand ebenfalls lobt: „Auch Olli ist ein kompletter Torwart, und man muss ihm einen Riesenrespekt dafür zollen, wie lange er jetzt schon auf hohem Niveau konstant seine Leistungen zeigt.“

Beste Bekannte

Baumann ist 34 Jahre alt und seit mehr als 14 Jahren Bundesliga-Profi – Nübel ist sechs Jahre jünger und soll beim FC Bayern in nicht allzu ferner Zukunft Manuel Neuer beerben. Weshalb nicht wenige Experten zuletzt auch im DFB-Team perspektivisch gedacht für Nübel und nicht für Baumann plädierten. Fakt ist: Die Leistungen Nübels und Baumanns in dieser Saison waren ähnlich solide. Mit einer Ausnahme: Der VfB-Keeper leistete sich beim Champions-League-Spiel bei Real Madrid (1:3) einige Wackler. Für Baumann wiederum ist es sicher nicht von Nachteil, dass ihn sowohl Andreas Kronenberg, Torwarttrainer der DFB-Elf, aus gemeinsamen Zeiten beim SC Freiburg und Bundestrainer Nagelsmann aus gemeinsamen Zeiten in Hoffenheim kennen – und schätzen.

Das wiederum dürfte Fabian Wohlgemuth nur am Rande interessieren. Der Sportvorstand des VfB Stuttgart spricht sich klar für seinen Torhüter Alexander Nübel aus: „Er ist einer der Garanten für den nun schon über eine Saison anhaltenden, positiven sportlichen Trend bei uns. Er ist mit seiner Ruhe und seiner Handlungsstabilität der Ausgangspunkt für unseren sicheren Spielaufbau und der letzte Rückhalt in der Defensive.“ Und weiter: „Dass Alex die beim VfB über Monate stabil gezeigten, oft herausragenden Leistungen dafür qualifizieren, die Nummer eins unserer Nationalmannschaft zu sein, ist für mich gar keine Frage.“