Der VfB Stuttgart stand vor der Partie gegen RB Leipzig an einer entscheidenden Weggabelung dieser Saison – und hat eindrucksvoll die Kurve bekommen. Was sind die Gründe für die 5:2-Gala? Wir analysieren die Partie.
Es war ja in vielerlei Hinsicht ein spezieller Nachmittag in der Stuttgarter MHP-Arena. Der VfB Stuttgart hat erstmals ein Bundesligaduell mit RB Leipzig gewonnen, der VfB-Angreifer Jamie Leweling hat sein erstes Bundesligator für sein aktuelles Team erzielt. Und sein Kollege Deniz Undav schnürte gleich einen Dreierpack, weshalb es für sein Team zum ersten Ligaerfolg dieser Saison ohne den Stürmer Serhou Guirassy reichte. Und dem ersten in diesem Jahr nach bisher zwei Niederlagen in 2024.
5:2 (Liveticker zum Nachlesen und Statistiken) hieß es am Ende dieser denkwürdigen Partie – und die Stimmung im weiß-roten Lager war durchaus beseelt. „Wir haben“, sagte Fabian Wohlgemuth, der Stuttgarter Sportdirektor, „eine eindrucksvolle Leistung gezeigt.“ Sein Trainer Sebastian Hoeneß fand es erstaunlich, wie die „junge Mannschaft“ mit einer aus seiner Sicht „komplizierten Situation“ umgegangen sei. Und war entsprechend „sehr stolz“ auf sein Team. Marco Rose saß neben seinem Stuttgarter Trainerkollegen – und bot das Kontrastprogramm zur Cannstatter Jubelarie.
Wie der VfB waren auch die Kicker aus Leipzig mit zwei Niederlagen in das neue Fußballjahr gestartet. Dass nun die Stuttgarter und nicht seine Leipziger „den Turnaround geschafft“ hatten, nagte sichtlich am RB-Coach. Die ersten Ergebnisse des Jahres, meinte Marco Rose, seien „in den Köpfen angekommen“. Dabei hatte er genau das vermeiden wollen. Doch nach der Partie zählte er eine Mängelliste auf, die beinahe nicht enden wollte.
„Wir verteidigen schlecht, im Pressing, aber auch in der eigenen Box“, klagte der Trainer, „und heute haben wir auch nicht gut angegriffen.“ Sein Mittelfeldspieler Christoph Baumgartner gab ihm Recht: „Das war – vor allem bei unseren Ansprüchen – viel zu wenig.“ Man habe nun viel Arbeit vor sich.
Der VfB Stuttgart bleibt vor RB Leipzig
Die Leipziger verpassten es durch die klare Niederlage, am VfB vorbeizuziehen. Stattdessen träumen die Stuttgarter Fans weiter von der ersten Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb seit vielen Jahren. Weil neben Undav und Leweling auch Enzo Millot per Elfmeter getroffen hatte. Und weil die Weiß-Roten nach den Gegentreffern zum 1:2 (Benjamin Sesko) und zum 2:3 (Lois Openda) „knifflige Phasen“ (Hoeneß) gut überstanden. Womöglich wird es am Ende die Champions League – auch wenn der Mann des Tages davon (noch) nichts wissen will.
„Von Woche zu Woche“ schaue man, meinte Deniz Undav, als er nach der Partie mit dem Spielball unterm Arm Fragen beantwortete. Doch bestätigt das VfB-Team in dieser Saison immer wieder ein extrem hohes Grundniveau – auch nach Rückschlägen. Und auch bei personellen Engpässen. Nach wie vor fehlen vier potenzielle Stammkräfte wegen der Teilnahme am Afrika- und Asien-Cup. Darunter der Toptorjäger Serhou Guirassy.
Vielleicht, meinte Fabian Wohlgemuth und sendete dabei durchaus Signale der Genugtuung, seien die Abhängigkeiten ja aber doch gar nicht so groß wie gedacht. Sein Team jedenfalls machte das Fehlen des Quartetts ebenso wett wie die Abwesenheit von Atakan Karazor, der gesperrt fehlte – für ihn spielte Enzo Millot im defensiven Mittelfeld, Anthony Rouault rückte in die Abwehr, die als Dreier-/Fünferkette organisiert war. Dazu kamen Lerneffekte nach den Niederlagen in Mönchengladbach und Bochum. Ein paar mehr Prozent „Wille und Gier“ hatte Wohlgemuth ausgemacht. Der Trainer Hoeneß sprach von einer „Energie, die spürbar war“. Fußballerische Klasse, exaktes und scharfes Passspiel, konsequente Zweikampfführung, Zielstrebigkeit vor dem gegnerischen Tor – all das gab es obendrauf. In Summe stand für den VfB ein begeisternder Auftritt.
„Wir hatten einen Sahnetag“, freute sich der Tor-Debütant Jamie Leweling. Der nicht der letzte der Saison dieser Saison gewesen sein soll. „Wir bleiben bei uns, analysieren die Spiele sehr, sehr gut, trainieren gut und haben Spaß untereinander“, erklärte der Torhüter Alexander Nübel – und blickt voraus: „Dadurch entwickelt sich ein Flow, den wollen wir so lange wie möglich mitnehmen.“
Nächste Gelegenheit, im Flow zu bleiben: Am kommenden Samstag (15.30 Uhr) beim SC Freiburg.