Viel Rauch im KSC-Fanpulk: Jetzt ist bei der Politik Feuer unterm Dach. Foto: dpa

Waren die Kontrollen beim Derby des VfB Stuttgart gegen den Karlsruher SC wirklich so gründlich, wie das Großaufgebot von 900 Ordnern vermuten lässt? Inzwischen gibt es Zweifel daran.

Stuttgart - Die Ausschreitungen beim schwäbisch-badischen Fußballderby am Sonntag bekommen ein politisches Nachspiel: Der SPD-Fraktionsvizechef Sascha Binder will den Krawall der KSC-Fans zum Thema im Innenausschuss des Landtages machen. Am 26. April sollen an der Sitzung auch Verantwortliche der Vereine sowie Vertreter der Polizei und Staatsanwaltschaft teilnehmen. Die Szenen, die sich im Stadion abgespielt hätten, seien „nicht hinnehmbar“, so der SPD-Abgeordnete.

Der Innen- und Polizeiexperte der Sozialdemokraten hat hierzu ein Schreiben an den Ausschussvorsitzenden sowie an die Präsidenten von Karlsruher SC und VfB Stuttgart verschickt. „Es stellt sich die Frage, ob die Profifußballvereine tatsächlich alles tun, um ihren präventiven Aufgaben zur Aufrechterhaltung der Sicherheit von Fußballspielen gerecht zu werden“, so Binder.

Mit der Handtasche ungeprüft in den KSC-Block

Dabei steht vor allem die Frage im Brennpunkt, wie ein gewaltbereiter Kern in den Reihen der KSC-Fans eine Vielzahl von Feuerwerkskörpern in den Block in der Untertürkheimer Kurve schmuggeln konnten. Hierzu soll es in der nächsten Woche auch Gespräche von Polizei, Stadt, VfB-Vertretern und Ordnungsdienst geben. Allerdings ist unklar, wann es je wieder ein derartiges Hochrisikospiel geben wird.

Derweil werden immer weitere Details bekannt, die darauf hindeuten, dass es für die Zündler trotz des Einsatzes von 900 Ordnern durchaus reichlich Lücken gab. Ein Familienvater aus dem Kraichgau, der seit über 40 Jahren Fußballspiele in Sinsheim, Frankfurt, Karlsruhe und Sandhausen besucht und das Derby mit zwei Töchtern im KSC-Fanblock erlebte, zeigte sich von offenkundig lockeren Kontrollen in der Untertürkheimer Kurve „völlig überrascht“. Man sei relativ leicht durchgekommen.

Die Handtasche einer Tochter, die wegen einer Erkrankung darin immer ein Notfallset aufbewahrt, blieb unbeachtet und ungeprüft. „Es ist noch in keinem Stadion vorgekommen, dass sie nicht die Tasche öffnen und die ärztliche Bescheinigung vorlegen musste, außer am Sonntag in Stuttgart“, sagt der Besucher.

Rechtswidriges Logo auf den Sturmhauben

Die Vereinsführung des Karlsruher SC hat sich mit deutlichen Worten vom Verhalten der eigenen Fans distanziert und Sanktionen angekündigt. „Wir sprechen hier über Straftäter, die Menschen mit ihrem Verhalten bewusst und mit voller Absicht in Gefahr gebracht haben“, sagte KSC-Präsident Ingo Wellenreuther. Der Verein wolle auch gegen die rechtswidrige Verwendung des KSC-Logos vorgehen – das prangte auf den blauweißen Sturmhauben der Täter.

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