Beim 2:1 gegen Holstein Kiel begeistert der VfB Stuttgart seine Fans zunächst mit zwei tollen Toren. Ehe Jeff Chabot aus der Rolle fällt und die Partie noch einmal spannend macht. Wie es am Ende doch zu drei wichtigen Punkten reichte.
Nachspielzeiten des VfB Stuttgart haben es in sich. Ein wiederkehrendes Muster in dieser Saison, das beim 3:3 gegen den FSV Mainz einen frustrierenden Anfang nahm und zuletzt gleich dreimal in ein Happy End mündete. Gegen Wolfsburg, Hoffenheim und zuletzt bei Juventus Turin gelang dem VfB auf den letzten Drücker noch der Lucky Punch.
Am Samstag, beim 2:1 (1:0)-Erfolg gegen Holstein Kiel, fehlte wiederum nicht viel zur späten Tristesse. Es lief die zweite Minute der Nachspielzeit, als sich den Störchen die große Chance zum Ausgleich bot. Doch der Kopfball von Joker Shuto Machino strich um Zentimeter am Stuttgarter Kasten vorbei. Torhüter Alexander Nübel konnte nur hinterherschauen – er wäre machtlos gewesen.
So aber konnte er wenig später tief durchatmen. Der zweite Heimsieg dieser Saison war unter Dach und Fach. Verdient, aber hart umkämpft.
„Heute war es ein Mentalitätsspiel. Es war viel Arbeit nötig, um die drei Punkte hierzubehalten. Aber das haben wir geschafft und deswegen können wir zufrieden nach Hause gehen,“ sagte Abwehrspieler Josha Vagnoman. Tatsächlich ist nun erst einmal Durchatmen angesagt. Mit zwölf Punkten und Platz acht hat der Vizemeister den Kontakt zur Spitzengruppe hergestellt. Auf Platz drei und den SC Freiburg fehlen nur drei Punkte. Trainer Sebastian Hoeneß hatte das Spiel gegen den Aufsteiger bereits im Vorfeld zum wichtigsten dieser englischen Woche deklariert. Die Erleichterung über die drei Punkte unterstrich diese Einschätzung.
Hoeneß: „Die Bundesliga ist der wichtigste Wettbewerb“
„Die Bundesliga ist der wichtigste Wettbewerb“, sagte Hoeneß nach der Partie. „Es geht darum, oben dranzubleiben. Insgesamt bin ich sehr zufrieden, wie wir das Spiel heute angegangen sind.“
Vier Tage nach dem famosen Auftritt in der Champions League kam der VfB gut in die Partie. Ohne den Aufsteiger an die Wand zu spielen, hatte er jederzeit die Kontrolle. Und nach einem blitzsauber herausgespielten Konter auch frühzeitig die Führung in der Hand. El Bilal Touré setzte zu einem Solo über den halben Platz an, schüttelte zwei Gegenspieler ab und hatte dann noch das Auge für Deniz Undav. Den perfekt in den Lauf gespielten Steckpass lupfte der Nationalstürmer nach 19 Minuten über Kiels Keeper Timon Weiner zum 1:0 ins Tor. „Schlecht verteidigt“, grummelte Störche-Coach Marcel Rapp. Das Tempo dieses Angriffs hätte aber auch andere Mannschaften vor Probleme gestellt. Von Kiel kam in der Folge wenig, der VfB tat nicht mehr als nötig. Und hatte doch die klar besseren Chancen. Das große Manko blieb deren Verwertung.
Auch nach dem Seitenwechsel änderte sich daran zunächst nicht viel. Die 59 000 Fans in der ausverkauften Arena warteten auf das zweite Tor. Nach 61 Minuten bekamen sie es von Touré serviert. Sein sehenswerter Distanzschuss landete unhaltbar im Winkel.
Die Entscheidung? Dachten eigentlich alle, ehe die Partie wenig später eine ungeahnte Wendung nahm. Der bis dahin tadellose Jeff Chabot leistete sich erst eine unnötige Gelbe Karte, um nur Minuten später eine Rudelbildung auszulösen. Schiedsrichter Robert Hartmann schickte den Abwehrspieler mit Gelb-Rot vom Platz. Eine harte, aber vertretbare Entscheidung, auch wenn Deniz Undav das ganz anders sah. „Ihn vom Platz zu stellen, nur weil er etwas Emotionen zeigt, halte ich für komplett überzogen.“
Der VfB plötzlich in Unterzahl, die Partie hektisch – und dann schlug der Aufsteiger auch noch zu. Armin Gigovic verkürzte auf 1:2 (84.). Der Rest war Zittern bis weit in die Nachspielzeit und dem Kopfball von Machino, ehe sich die kollektive Erleichterung Bahn brach.
Sportvorstand Fabian Wohlgemuth sprach von einem „Arbeitssieg, der nachhaltige Wirkung erzielen kann.“ Ein neuerlicher Einbruch wie nach den Madrid-Dortmund-Festtagen, welchen einige maue Unentschieden folgten, ist nach der Gala von Turin ausgeblieben. Der VfB hat den Härtetest gegen den unbequem Aufsteiger bestanden.
Und nur wenig Zeit, sich über die kommenden Aufgaben den Kopf zu zerbrechen. Schon am Dienstag geht es im DFB-Pokal gegen den Vorjahresfinalisten 1. FC Kaiserslautern, am Freitag wartet das Auswärtsspiel in Leverkusen. Der wilde Ritt geht weiter.