Borna Sosa (li.) und Daniel Didavi wollen gegen Hertha BSC auf die Zähne beißen und spielen. Foto: Baumann

Der VfB Stuttgart geht mit sechs verletzten, einem gesperrten und drei angeschlagenen Spielern am Stock. „Dann spielen halt die Jungen“, sagt Trainer Markus Weinzierl vor dem Heimspiel gegen Hertha BSC.

Stuttgart - Die allmorgendliche Visite im VfB-Spielerlazarett förderte wenig Erbauliches zutage. Also brachte sich der Stuttgarter Cheftrainer Markus Weinzierl als Gedankenstütze einen Zettel mit zur Pressekonferenz vor der Heimpartie am Samstag gegen Hertha BSC (15.30 Uhr), denn sicher ist sicher in Zeiten, in denen „das Verletzungspech so zuschlägt“.

Dann verlas Weinzierl sein Bulletin: „Ausfallen werden Pablo Maffeo, Berkay Özcan, Holger Badstuber, Dennis Aogo, Benjamin Pavard und Alex Meyer“, erklärte der Stuttgarter Cheftrainer angesichts von zwei Sprunggelenks- und zwei Wadenverletzungen sowie einem Muskelbündel- und einem Kreuzbandriss. Obendrein ist Erik Thommy ja nach seiner Gelb-Roten Karte aus dem Gladbach-Spiel (0:3) gesperrt. „Hoffnungen habe ich bei Borna Sosa, Daniel Didavi und Andreas Beck“, fügte Weinzierl dann noch hinzu.

Dicke Fragezeichen hinter Didavi und Co.

Wobei hinter die volle Einsatzfähigkeit der drei Letztgenannten noch drei ganz dicke Fragezeichen zu setzen sind. So handelt es sich bei dem Linksfuß Sosa, 20, um einen blutjungen Profi in seiner Bundesliga-Premierensaison, der sich Mitte Oktober schwer am Schambein verletzte. „So ein Junge benötigt eigentlich einen behutsamen Aufbau“, sagt Weinzierl selbst. Doch besondere Zeiten erfordern eben besondere Maßnahmen. Der Spieler sei bereit – „und wir überlegen, ihn reinzuwerfen“.

Dasselbe trifft auf Daniel Didavi zu, der aufgrund seiner chronischen Probleme an der Achillessehne seit Wochen nicht mehr mit der Mannschaft trainiert hat – sich aber wie bereits zu den Partien in Nürnberg sowie gegen Augsburg fitspritzen lassen würde. Mit dem Unterschied, dass es diesmal gegen die Hertha nicht ein Platz auf der Bank, sondern gleich einer in der Startelf sein könnte. „Gefühlt spiele ich in den vergangenen Wochen nur Risiko“, sagt Weinzierl – und lächelt auch mit Blick auf den am Knie lädierten Andreas Beck leicht gequält; denn auch Beck ist seit Saisonbeginn nie zu hundert Prozent gesund gewesen.

Unter dem Strich sieht die Personalrechnung vor dem Duell mit den Hauptstädtern, einem weiteren Top-Sieben-Club, gegen die sich der VfB bisher so schwer tut, also wie folgt aus: 20 Feldspieler besitzt der dünne Kader, wobei in Hans Nunoo Sarpei schon ein Spieler eingerechnet ist, der nur in Stuttgart weilt, weil sich im Sommer kein Abnehmer für den Innenverteidiger fand. Zieht man von dem 20er-Kader die fünf verletzten Feldspieler um Weltmeister und Abwehrchef Pavard sowie den gesperrten Thommy und die drei Wackelkandidaten Didavi und Co. ab, bleiben gerade noch elf einsatzbereite Profis. Darunter die vier Stürmer Mario Gomez, Nicolás González, Chadrac Akolo und der gerade wieder genesene Anastasios Donis.

Die jungen Spieler kriegen eine Chance

„Ich werde jetzt nicht rumjammern“, sagt Weinzierl, der eher auf die pragmatische Lösung abzielt, die da lautet: Wer kann, muss ran! „Dann spielen jetzt halt die Jungen“, erklärt der 43-jährige Cheftrainer – und dürfte hier den Blick in erster Linie auf die Innenverteidiger Antonis Aidonis, 17, Hans Sarpei, 20, sowie auf den trickreichen Leon Dajaku, 17, richten, die alle in dieser Saison bereits eingesetzt wurden.

„Ich weiß, dass die Mannschaft den Ernst der Lage erkannt hat. Wenn wir das positiv durchstehen, kann sich auch ein Schwung entwickeln“, sagt Weinzierl, der natürlich auch weiß, dass man mit Improvisationskunst allein keine Bundesligasaison übersteht. „In der kommenden Woche sind neun wichtige Punkte zu vergeben. An Weihnachten sind wir dann schlauer“, ergänzt Weinzierl, der zumindest öffentlich weder Kritik an der Größe noch an der Mischung des Kaders äußert: „Dann werden wir final entscheiden, was zu tun ist.“

Tatsächlich werden die personellen Weichen naturgemäß früher, nämlich jetzt gestellt. So ging der VfB-Manager Michael Reschke diese Woche auf Reisen. Eines der Ziele war Istanbul, wo er sich Garry Rodrigues anschaute.

Obendrein bleibt der Gladbacher Patrick Herrmann wie berichtet ein ernsthafter Kandidat. Der 27-Jährige ist wie Rodrigues ein Flügelspieler, allerdings für die rechte Seite. Gesucht dürfte als Ergänzung zu Mario Gomez auch ein Zentrumsstürmer sein. Wobei der Wintermarkt bei Torjägern kein einfaches Terrain darstellt. Das meist gut unterrichte französische Sportradio RMC brachte hier unter der Woche den 18-jährigen Timothy Weah, den Sohn des 1995er-Weltfußballers George Weah, von Paris St-Germain beim VfB ins Spiel.

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