Zwei alte Bekannte arbeiten wieder zusammen: Fredi Bobic (re.) mit Tayfun Korkut. Foto: dpa/Jan-Philipp Burmann

Hertha BSC entlässt Trainer Pal Dardai – und setzt nun auf den ehemaligen VfB-Coach Tayfun Korkut, der in seinem ersten Spiel mit den Berlinern an der alten Wirkungsstätte in Stuttgart ran muss.

Stuttgart/Berlin - Die Beobachtung des nächsten Gegners nahm Tayfun Korkut persönlich vor, er hatte ja ein Heimspiel. Der neue Trainer von Hertha BSC besuchte am Freitagabend die Partie des VfB gegen den FSV Mainz (2:1) – einen Zusammenhang mit seinem sich möglicherweise anbahnenden Engagement in Berlin aber verneinte der ehemalige VfB-Coach vor dem Aufeinandertreffen mit der Hertha am Sonntag an alter Wirkungsstätte in Stuttgart.

 

„Ich habe zuletzt einige Spiele gesehen, Köln gegen Union zum Beispiel“, sagte Korkut also bei seiner Präsentation in Berlin am Montagnachmittag: „Ich lebe in Esslingen, das VfB-Spiel war um die Ecke, und ich habe mal beim VfB gearbeitet, das war also nichts Außergewöhnliches von meiner Seite.“

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Außergewöhnlich – so allerdings wirkt das Engagement Korkuts bei der Hertha, die seinen Vorgänger Pal Dardai am Montag entlassen hat. Denn die Verpflichtung des neuen Mannes an der Seitenlinie, der seit seiner Entlassung beim VfB Stuttgart im Oktober 2018 ohne Job gewesen war, überraschte die meisten Experten in der Szene. Wer aber um die nie abgerissene Verbindung des Berliner Sportgeschäftsführers Fredi Bobic zu seinem alten Bekannten Korkut weiß, für den war dessen Verpflichtung nur folgerichtig.

Lob von Fredi Bobic

So saß Bobic am Montag neben seinem neuen Coach auf dem Pressepodium – und redete über die alten Zeiten beim VfB. „Ich kenne Tayfun schon sehr lange, wir haben in Stuttgart zusammen gearbeitet, als er Coach der U 19 war“, sagte Bobic, der von Juli 2010 bis September 2014 erst Sportdirektor und dann Sportvorstand beim VfB war: „Unser Kontakt ist nie abgerissen, weil wir uns persönlich schätzen. Ich weiß, wie akribisch Tayfun ist, was für ein Teamworker er ist und wie er junge Menschen begeistern kann.“

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Doch trotz aller Lobeshymnen – Korkut, der wie beim VfB mit Assistent Ilja Aracic arbeiten wird, bekommt bei der Hertha nur einen Vertrag bis zum Saisonende. Der Fakt deutet auf einen möglichen weiteren Umbruch mit einem anderen Coach im Sommer hin, womöglich mit einer sogenannten großen Lösung für den selbst ernannten „Big City Club“. Bei entsprechenden Leistungen aber, das stellte Bobic am Montag noch klar, ist eine Verlängerung mit Korkut möglich. Was sollte er auch sonst sagen, am Tag der Präsentation des neuen Trainers.

Korkut betonte, dass die Vertragslaufzeit nicht entscheidend sei – und widmete sich lieber seinem Ansatz, der immer gleich sei: „Spiele gewinnen und erfolgreich sein.“ In der aktuellen Situation sei es wichtig, „die einfachen Dinge außergewöhnlich gut zu machen“. Es ist also davon auszugehen, dass die Hertha in ihrem ersten Spiel unter Korkut in Stuttgart einen defensiv orientierten Ansatz wählt – auch wenn der ehemalige Profi von Real Sociedad und von Espanyol Barcelona mit Blick auf seine Zeit in Spanien betonte, ein „Freund des gepflegten Fußballs“ zu sein. Flankiert wurde Korkut auch da von Bobic, der betonte, zunächst keine Wunderdinge von seinem neuen Trainer zu erwarten.

Entlassung beim VfB

So ähnlich war das auch zu Beginn von Korkuts Trainerzeit beim VfB gewesen. Ende Januar 2018 übernahm der heute 47-Jährige das auf dem 14. Tabellenplatz stehende Team – und startete durch. Korkut holte aus den restlichen 14 Bundesligaspielen 31 Punkte, sein Vertrag wurde im Juni vorzeitig bis 2020 verlängert. Nach fünf Punkten aus den ersten sieben Partien der Saison 2018/19 wurde Korkut aber entlassen.

Jetzt ist er der sechste Cheftrainer von Hertha BSC in den vergangenen zweieinhalb Jahren – und soll das schaffen, was die Verantwortlichen um Bobic der Vereinsikone Dardai nicht mehr zutrauten. „Es gibt Zeitpunkte, da musst du Entscheidungen treffen. Dieser Zeitpunkt war gekommen“, sagte Bobic. Insgesamt habe man nicht das Gefühl gehabt, „dass sich viele Dinge verbessern“, so der Sportgeschäftsführer weiter. „ Neue Spieler besser machen und alte Spieler aktivieren“ – all das vermisste Bobic bei Dardai. Und all das will er nun von Korkut sehen.