Das Hinspiel haben Christian Gentner (li.) und Santiago Ascacibar (re.) mit dem VfB Stuttgart bei Hannover 96 verloren – nun soll es anders laufen. Foto: dpa

Der VfB Stuttgart hat in der Rückrunde noch kein Spiel gewonnen. Am Sonntag soll es so weit sein: Das Spiel gegen Hannover 96 gibt die Richtung für den Rest der Saison vor. Und der Trainer ist zuversichtlich.

Stuttgart - Es wird auch diesmal einen An- und einen Abpfiff geben. Es werden auch diesmal nur drei Punkte verteilt. Und es wer am Ende Sieger und Verlierer ist, muss den Spielbetrieb auch nicht mit sofortiger Wirkung einstellen. Doch klar ist auch: Das Duell des VfB Stuttgart an diesem Sonntag (15.30 Uhr) gegen Hannover 96 ist ein Besonders. „Es ist“, sagt Markus Weinzierl, „ganz entscheidend und richtungsweisend.“ Der Mann muss es wissen.

Weinzierl nämlich wird direkt involviert sein. Als Trainer des Tabellen-16. (VfB/16 Punkte) will er den 17. (Hannover 96/14 Punkte) distanzieren. Er will Anschluss ans Mittelfeld schaffen, seine eigene Position stärken, einen leichten Aufwärtstrend bestätigen – und sich wappnen für die kommenden Wochen. Dann stehen die Partien bei Borussia Dortmund, gegen 1899 Hoffenheim und in Frankfurt an. „Wir müssen liefern“, sagt der Stuttgarter Chefcoach daher noch einmal in aller Deutlichkeit: „Das ist die Aufgabe, nicht mehr und nicht weniger.“ Sie klingt machbar, ist aber alles andere als einfach.

Nach dem Hinspiel musste Korkut gehen

Gegen RB Leipzig (1:3) und Werder Bremen (1:1) hat der VfB zuletzt ordentlich funktioniert. Aber was heißt das schon für das Duell mit den Niedersachsen. Nicht selten in dieser Saison hat der VfB das zarte Pflänzchen Hoffnung schneller zertreten als es blühen konnte. Zum Beispiel in der Hinrunde. Die Stuttgarter hatten gegen Werder Bremen gerade den ersten Saisonsieg eingefahren, da lieferte das Team in Hannover einen katastrophalen und mutlosen Auftritt ab. Nach dem 1:3 musste Trainer Tayfun Korkut gehen. Und nun?

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Geht es auch noch einmal um die Zukunft von Markus Weinzierl. Dessen Zusammenspiel mit Thomas Hitzlsperger lässt sich zwar sehr gut an („vertrauensvoll und zielführend“), und der neue Sportchef betont bislang oft, dass er „am liebsten sehr, sehr lange“ mit dem Coach arbeiten möchte. Ein dicker Patzer gegen den direkten Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg würde das Vertrauen aber womöglich erschüttern. Eine vorzeitige Trennung ist noch immer nicht vom Tisch. Weinzierl nimmt es nach außen hin so gelassen wie in den vergangenen Wochen auch, indem er sagt: „Es geht nicht um Einzelne.“ Sondern um den VfB.

Der will – oder besser: muss – den erneuten Abstieg in Liga zwei in den kommenden elf Spielen verhindern. Ein Sieg gegen Hannover 96 soll die Basis für die Rettung sein. „Es ist ein unheimlich wichtiges Spiel“, sagt Weinzierl deshalb wieder und wieder. Was Thomas Doll gar nicht so ungelegen kommt.

Doll denkt an den Sieg gegen den 1. FC Nürnberg

Die sportliche Lage des 96-Trainers ist zwar noch trister als die von Weinzierl beim VfB, allerdings zieht der frühere Nationalspieler Hoffnung aus der einzigen Partie, die unter seiner Regie bislang erfolgreich gestaltet werden konnte: das 2:0 gegen den 1. FC Nürnberg vor drei Wochen. „Wir wissen sehr gut, wie man mit schwierigen Situationen umgeht“, sagt Doll und blickt vorsichtig optimistisch in Richtung Sonntag: „Die Chance ist größer, als wenn es gegen Bayern München geht.“ Und die Hannoveraner haben von den letzten acht Partien gegen den VfB sogar vier gewonnen. Weinzierl juckt das wenig: „Es bringt nichts, zurückzublicken.“

Er blickt nach vorn, aber auch nicht ohne an die vergangenen beiden Partien zu denken, in denen sich die Mannschaft erstens gesteigert und zweitens auch ein wenig gefunden hat. „Die Spieler ziehen hundertprozentig mit. Wir haben alle Chancen zu gewinnen“, sagt der Coach daher mit folgender Einschränkung: „Wenn wir so spielen wie gegen RB Leipzig und in Bremen.“ Die Stimmung im Team, meint er gespürt zu haben, sei seitdem „verbessert“. Zugute kommen könnte dem VfB, dass auch der Gegner trotz des Auswärtsspiel nicht nur abwartend spielen kann.

„Ich erwarte ein offenes Spiel“, sagt Weinzierl, denn für die 96-er wird die Lage bei einer weiteren Niederlage in Stuttgart beinahe schon aussichtslos. Der VfB dagegen könnte sich – mit dann fünf Punkten Vorsprung – einen lästigen Verfolger zumindest ein wenig vom Hals schaffen. Und die Mittelfeldränge kämen womöglich wieder in Sichtweite. Mit drei Punkten, sagte Weinzierl, „hätten wir einen guten Beginn für die nächsten zehn Spiele“. Weil aber erst noch gespielt werden muss, gilt es für sein Team, das zuletzt erfolgreiche System weiterzuentwickeln.

Weinzierl geht von mehr Ballbesitz aus

Gegen RB Leipzig und in Bremen war die Marschroute klar: hinten gut stehen, Bälle gewinnen, kontern. Nun erwartet Weinzierl „mehr Ballbesitzphasen“, und er weiß, dass es „immer schwieriger ist, einen gut stehenden Gegner zu bespielen“. Was er aber auch weiß: Dass Hannover 96 nicht die Klasse von RB Leipzig oder Werder Bremen hat. Sicher fühlen sollte sich sein Team deshalb aber keineswegs. Denn nun gilt es, noch mehr Mut und deutlich mehr Kreativität zu zeigen – womit sich der VfB nicht erst in dieser Saison schwertut. Ein Vertun gibt es dennoch nicht.

„Wir spielen zu Hause und wollen gewinnen“, sagt Markus Weinzierl, „das gilt es zu untermauern und zu zeigen.“

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