Hat nach dem 5:1 gegen Schalke erstaunlich viel zu kritisieren: VfB-Coach Pellegrino Matarazzo Foto: Baumann

5:1 gegen den FC Schalke 04 gewonnen, Klassenverbleib so gut wie sicher – alles eitel Sonnenschein? Nicht ganz. Gegen das Tabellen-Schlusslicht muss der VfB Stuttgart trotz des deutlichen Ergebnisses lang zittern.

Stuttgart - Dass sich nach einem 5:1-Sieg neben dem Doppeltorschützen ausgerechnet der Torhüter zum Spieler des Spiels aufschwingt, kommt gewiss nicht alle Tage vor. Beim deutlichen Heimsieg des VfB Stuttgart am Samstagnachmittag gegen den FC Schalke 04 bot sich aber dieses seltene Szenario. Gregor Kobel war es, der seine Mannschaft mit vielen Paraden plus einem gehaltenen Elfmeter im Spiel hielt und am Ende großen Anteil am zu hoch ausgefallenen 5:1 (3:1)-Erfolg hatte. „Das war eine sehr gute Torhüterleistung von Gregor“, lobte VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo den Schweizer. „Er hat uns hinten gerettet. Ich küsse Deine Augen“ schmeichelte Sasa Kalajdzic dem Torhüter.

Nach nun 32 Punkten nach 23 Spieltagen und 14 Zählern Vorsprung auf Arminia Bielefeld auf dem Relegationsplatz 16 müsste sich der VfB schon sehr ungeschickt anstellen, in den kommenden Wochen überhaupt noch einmal nur in die Nähe der Abstiegszone zu geraten. Die Europa-League-Plätze liegen jedenfalls deutlich näher. Auch wenn VfB-Sportdirektor Sven Mislintat breit grinsend auf die obligatorischen 40 Punkte pocht: „Dann sind wir auf der sicheren Seite.“

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Das schien Matarazzos Mannschaft auch gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten früh zu sein. Nach 34 Minuten hatten zweimal Wataru Endo sowie Sasa Kalajdzic eine komfortable 3:0-Führung herausgeschossen. Der Auftakt zu einem famosen Schützenfest? Von wegen. S04 kämpfte sich zurück und hatte Mitte der zweiten Halbzeit sogar ein Unentschieden in Reichweite.

Doch der Reihe nach. Wie so oft für einen Abstiegskandidaten begann das Spiel aus Schalker Sicht mit einer vergebenen Großchance (durch Amine Harit/5.), ehe der Gegner mit der ersten Chance in Führung geht. Wataru Endo nutzte die fehlende Zuordnung der Schalker Defensive zu seinem ersten Bundesligatreffer (10.) Nach 26 Minuten das identische Spiel: Eckball VfB, Endo steht frei und trifft zum 2:0. Als wenig später auch noch Sasa Kalajdzic nach einer Kopfballbogenlampe – seinem sechsten Treffer aus den vergangenen fünf Spielen – jubeln durfte, schien die Sache klar. Schalke war mausetot. Und wurde kurz vor der Pause zum Leben erweckt. Sead Kolasinac überwand die nicht immer sicher stehende VfB-Defensive zum 1:3-Anschlusstreffer (40.). „Da waren wir zu nachlässig und haben es dadurch unnötig spannend gemacht“, kritisierte Matarazzo.

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Seine Jungs kamen zwar forsch aus der Kabine, bemüht, schnell den Deckel drauf zu machen. Als dies nicht gelang, folgte der unerklärliche Einbruch. Wie schon beim 1:1 gegen Hertha BSC vor zwei Wochen verloren die Jungs in Weiß und Rot nach gut einer Stunde völlig die Kontrolle über das Spiel. Schalke kämpfte, Schalke drängte und hätte um ein Haar auf 2:3 verkürzt. Doch Kobel hielt den schwach geschossenen Foulelfmeter von Nabil Bentaleb (72.). Marc Oliver Kempf hatte zuvor Harit zu Fall gebracht.

Das Zittern ging weiter, weil sich die in der Tabelle so abgeschlagenen Knappen nicht aufgaben und weitere Male in Gregor Kobel ihren Meister fanden. Erst die eingewechselten Philipp Klement (88.) und Daniel Didavi (90.) sorgten mit zwei schönen Einzelaktionen für die Entscheidung. Matarazzo schüttelte auf der Bank ungläubig den Kopf.

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Und hob erneut zur Kritik an. „Mit der zweiten Halbzeit können wir nicht zufrieden sein“, mäkelte der Coach. „Wir haben offensiv wie defensiv zu wenig gemacht. Wir haben dem Gegner zu viele Räume angeboten und sind schlecht in die Zweikämpfe kommen.“ Kobel ergänzte: „Schalke hat bis zum Ende gekämpft und uns vor Probleme gestellt.“

Am Ende blieben nach dem wilden Ritt zwei Erkenntnisse und eine offene Frage. Früher als geplant können Sportdirektor Sven Mislintat und Co eine weitere Saison in der Fußball-Bundesliga planen. Während sich die Gelsenkirchener mit weiter nur neun Punkten im freien Fall Richtung Zweitklassigkeit befinden. Medienberichte um eine angebliche Spielerrevolte gegen Trainer Christian Gross befeuern das Schalker Chaos umso mehr.

Und der Stuttgarter Kontrollverlust in der zweiten Halbzeit? Er stellte die Beobachter vor ein Rätsel. Und auch Matarazzo blieb der Leistungsabfall seines Teams irgendwie schleierhaft. Seine Antwort auf die entsprechende Reporterfrage: „Gute Frage.“

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