Marc Kempf (li.) bekommt es an diesem Samstag wieder mit Robert Lewandowski zu tun. Foto: Baumann

Der Stuttgarter Trainer Pellegrino Matarazzo fordert gegen den FC Bayern München mehr Schlitzohrigkeit, Härte und mehr Kommunikation von seinen Spielern. Wird sich sein Team nun von seiner abgezockten Seite zeigen?

Stuttgart - Die Zwischenbilanz des VfB mit Platz acht, sie passt. Auch, weil das Team seit dem ersten Spieltag mit dem 2:3-Dämpfer gegen Freiburg konstant gepunktet hat. Doch fünf Unentschieden in den zurückliegenden acht Partien belegen auch, dass der Aufsteiger nicht immer konsequent sein komplettes Potenzial auf den Rasen bringt. In einigen Partien war zuletzt mehr drin als ein Punkt. Häufig leistet sich das junge Stuttgarter Team aber noch deutliche Schwächephasen. Der Trainer Pellegrino Matarazzo spricht dann davon, dass „das Momentum zu unseren Ungunsten kippt“. Das soll jetzt schnell anders werden. Aber wie?

Die Bayern – der größtmögliche Prüfstein

Neu ist dieses Phänomen in Stuttgart jedenfalls nicht. Bereits in Liga zwei hing der VfB teils bedenklich durch – und verlor ganze Partien gegen formal deutlich schwächere Gegner, etwa in Wehen, Kiel oder Karlsruhe. In puncto Widerstandsfähigkeit in Phasen, in denen es nicht nach Wunsch läuft, ist man inzwischen zwar einen Schritt weiter. Doch am Samstag heißt der größtmögliche Prüfstein für die gleichsam ambitionierte wie talentierte Stuttgarter Elf nun FC Bayern München.

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Es ist also am Samstag sehr gut möglich, dass die Mannschaft bereits von Spielminute eins an auf Herz und Nieren geprüft wird. Wie aber wird das Team um den emotional eher zurückhaltenden Kapitän Gonzalo Castro reagieren, wenn der Wind konstant von vorne bläst? Mehr Kommunikation, Cleverness und Kratzbürstigkeit als zuletzt in den zweiten Hälften gegen Eintracht Frankfurt (2:2) sowie in Sinsheim beim turbulenten 3:3 gegen die TSG Hoffenheim werden der Mannschaft dann abverlangt. Kann das Team auch dazwischengrätschen, lautet die bange Frage vor dem Klassiker VfB gegen FCB, dem einstigen Südgipfel?

Pellegrino Matarazzo hat das Problem in seinem Kader bereits im Frühjahr erkannt. Ein bisschen mehr abgezockte Aktionen, ein wenig mehr Härte, dazu taktische Raffinesse – auch das ist jetzt nötig, um gegen die Münchner zu bestehen.

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„Es ist wichtig, dass wir ziemlich zügig an Reife zulegen, um bewusst das Momentum des Spiels beeinflussen zu können“, sagt Matarazzo. „Zuletzt hat der Gegner im Spiel an Aggressivität und Wucht zugelegt. In diesen Phasen müssen meine Spieler Zeichen setzen – etwa in Form eines hart geführten Zweikampfs.“

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Doch auch andere Mittel seien erfolgversprechend. „Es kann sein, dass mal mehr Kommunikation, mal mehr Lautstärke auf dem Platz nötig ist – aber auch Ruhe und Cleverness am Ball in der richtigen Situation können ein Mittel sein“, sagt Matarazzo, der das Thema bereits unmittelbar nach dem Hoffenheim-Spiel im Mannschaftskreis angesprochen hat. „Wir brauchen hier vor allem eine charakterliche Weiterentwicklung der Spieler.“

Fernöstliche Zurückhaltung

Tatsächlich ist aber etwa Wataru Endo zwar ein überragender Zweikämpfer (mit 133 gewonnenen Duellen hält er den Liga-Bestwert), setzt aber verbal eher auf fernöstliche Zurückhaltung. Neben Castro war auch Daniel Didavi nie ein Lautsprecher oder Schlitzohr, weshalb in Bezug auf die Schaltzentrale des VfB-Spiels hier das größte Potenzial bei Orel Mangala liegt. So ist der 22-jährige Belgier schon jetzt einer, der neben verbalen auch mal physische Akzente setzen kann. Vergangenes Wochenende bekam dies etwa der Hoffenheimer Florian Grillitsch zu spüren.

„Emotionale Szenen oder körperliche Akzente können eine Auswirkung auf den gesamten Spielverlauf haben“, sagt Pellegrino Matarazzo. Leider seien dies Stilmittel, die man nicht trainieren könne. „Man kann den Spielern derlei Szenen nur im Nachhinein veranschaulichen – und ihr Bewusstsein schärfen“, sagt der VfB-Coach, der das charakterliche Reifezeugnis seines Teams gegen die Bayern mit Spannung erwartet.

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