Die VfB Stuttgart zeigt beim 3:2-Sieg gegen den FC Augsburg wieder seine Comeback-Qualitäten. Doch nicht nur das stimmt im Abstiegskampf zuversichtlich, meint unser Sportredakteur Carlos Ubina.
Der VfB Stuttgart kann offenbar nicht mehr auf die einfache Art gewinnen. Es muss mit Rückständen, Aufholjagd und Nervenkitzel sein. Also Spannung pur. Der Verlauf beim 3:2 gegen den FC Augsburg war fast eine Dublette des 3:2 gegen Borussia Mönchengladbach im Heimspiel zuvor. Nur diesmal vor nahezu vollen Rängen, was das Stadionerlebnis nach langer Zeit der Zuschauerabstinenz zu einem besonderen Besuch machte.
Sportlich hat die Mannschaft von Trainer Pellegrino Matarazzo nach dem erneuten Erfolg nun 26 Punkte – wie die Augsburger und Hertha BSC. Als Tabellen-14. liegt der VfB im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga aber erstmals seit Wochen wieder über dem roten Strich.
Das hat sich das Team verdient. Mit Beharrlichkeit und Leidenschaft auf dem Platz – und dem Glauben an die eigene Stärke. Dieser ist zwar nicht unerschütterlich, wie sich diesmal nach dem Ausgleich durch Waldemar Anton in der 44. Minute offenbarte. Die Stuttgarter schafften es anschließend tatsächlich, noch vor der Pause ein Gegentor zu kassieren. Zu zögerlich war die Verteidigung.
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Doch dann warfen die Gastgeber noch einmal viel an spielerischer Qualität in die Waagschale – und eine gehörige Portion Mut. Mit den Toren von Omar Marmoush (80.) und Tiago Tomas (85.) endete die emotionale Achterbahnfahrt in der Mercedes-Benz-Arena mit einem Hochgefühl. Die Gesänge der Fans klangen noch nach, als sie bereits das Stadion verlassen hatten. So kann es für den Anhang weitergehen, im Ergebnis auch für den Chefcoach.
Auch Matarazzo war nach dem Siegtreffer nicht mehr zu halten und stürzte sich in die Jubeltraube. Analytisch betrachtet, erlaubt sich der VfB jedoch in der Defensive zu viele Nachlässigkeiten, die prompt bestraft werden. Zudem wirkt das Team zeitweise nervös, wenn ihm bewusst wird, dass es plötzlich etwas gerade Erkämpftes wieder verlieren kann – wie vor dem 1:2. Mehr Cleverness ist in solchen Spielphasen gefragt. An Kampfgeist und Moral mangelt es dem VfB jedoch nicht.
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„Die Mannschaft lebt“, sagt Matarazzo gerne. Gute Grundvoraussetzungen, um sich in einer schwierigen Saison am Ende noch ans rettende Ufer zu bringen. Sicher dürfen sich die Stuttgarter allerdings noch lange nicht sein. Was sich nach der Länderspielpause gleich zeigen wird. Da geht es auf die Bielefelder Alm. Die liegt nicht wirklich hoch über dem Meeresspiegel, aber für den VfB dürfte die Expedition nach Ostwestfalen erneut eine Extremtour werden.
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