Sportchef Sven Mislintat inmitten jubelnder Spieler: Wie geht es für ihn weiter? Foto: Baumann

Hinter dem VfB Stuttgart liegen ereignisreiche 90 Minuten gegen den FC Augsburg. Nicht weniger turbulent dürfte es in den kommenden Wochen weitergehen, meint Sportredakteur Gregor Preiss.

Nach dem Last-Minute-Sieg gegen den FC Augsburg lässt sich festhalten: Drama beherrscht der VfB Stuttgart ganz gut. Früher Rückstand, Ausgleich, Chancenwucher, Elfmeterglück, Fallrückzieher, noch mehr Chancenwucher, Siegtor in der Nachspielzeit. Viel mehr kann man in 90 Minuten nicht bieten. Nicht wenige in der ausverkauften Stuttgarter Arena verspürten nach dem 2:1 starke Köln-Vibes.

 

Dass der Sieg verdient war, steht außer Frage. Seine Bedeutung mit Blick auf den Kampf gegen den Abstieg ebenso. Der VfB kann endlich wieder mal ein paar Tage durchatmen. Doch was bedeutet der Sieg für die nahe und mittlere Zukunft des Vereins? Dass der Dreier die erhoffte Initialzündung für die restlichen drei Spiele bis zur Winterpause war, darf zumindest angezweifelt werden. Zu schwankend waren die zurückliegenden Wochen mit den klaren Siegen gegen Bochum und Bielefeld und dem darauffolgenden 0:5-Rückschlag in Dortmund. Genauso unstet präsentierte sich die Truppe auch gegen Augsburg. Das Pendel im ständigen Ausschlag zwischen anfängerhaft und meisterhaft, zwischen tatenlos und furios.

Trotz dreier Siege in vier Spielen fällt es schwer, die jüngste Bilanz allein am Trainerwechsel festzumachen. Zu gute halten muss man Michael Wimmer und der Mannschaft, dass sie sich von all der Aufregung um die Trainersuche und die offene Zukunft von Sportchef Sven Mislintat offenbar nicht verrückt machen lässt. Und sie sich sportlich zumindest über Wasser hält. Dass der wichtigste sportliche Verantwortliche gegen seine festen Gewohnheiten den schreibenden Journalisten hinterher nicht weiter Rede und Antwort stehen wollte („Die Leistung heute steht für sich“), darf als Zeichen gewertet werden, dass es in Sven Mislintat gehörig brodelt. Und dass die nächsten Tage und Wochen ereignisreich weiter gehen dürften. Der VfB beherrscht das perfekte Drama schließlich nicht nur auf dem Platz, sondern genausogut daneben.