Eine Einheit: Die Mannschaft des VfB – und die Stuttgarter Fans. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Der VfB Stuttgart feiert einen weiteren Sieg und setzt sich in der Spitzengruppe der Fußball-Bundesliga fest. Das ist grundsätzlich überraschend. Aber es gibt Gründe – in unserer Analyse.

Man kann nun nach Erklärungen suchen, Analyse an Analyse setzen und Statistiken studieren. Man kann es aber auch so zusammenfassen, wie es Chris Führich am Samstagnachmittag, so gegen Viertel vor Sechs, tat. „Gerade“, sagte der Flügelspieler des VfB Stuttgart, der am Freitag für das Nationalteam nominiert worden war, „passt einfach alles.“

 

Widersprechen konnte und wollte da niemand – zumindest nicht jene, die es mit dem VfB Stuttgart halten. Denn das, was mit dem Club aus Cannstatt gerade passiert, sorgt für eine Glückseligkeit, die lange nicht herrschen konnte am Stuttgarter Bundesligastandort. Der VfB taumelt nicht im Tabellenkeller – sondern grüßt von ganz oben, hat schon 18 Punkte gesammelt und macht einen extrem stabilen Eindruck. Bestes Beispiel war der 3:1-Sieg (Liveticker zum Nachlesen und Statistiken) am Samstag gegen den VfL Wolfsburg.

„Außergewöhnlich“, nannte Fabian Wohlgemuth, der Stuttgarter Sportdirektor, den Erfolg gegen die Wölfe. Weil zunächst allein der Gegner dem VfB einiges abverlangt hatte. „Da musst du erst mal bestehen“, betonte der VfB-Trainer Sebastian Hoeneß. Und weil auch der Spielverlauf zunächst nicht für die Gastgeber sprach. Trotz ordentlicher Leistung lag der VfB durch den Gegentreffer von Yannick Gerhardt 0:1 zurück.

Viele Gründe für den Erfolg

Was dann passierte, gibt die erstaunliche Mischung wider, die diese Mannschaft in Weiß und Rot derzeit ausmacht. Da geht es um Qualität, die weiterentwickelt und dazu geholt wurde in den vergangenen Monaten. Da geht es um Mentalität, die dazu führt, dass der VfB nun auch gegen ein Team wie den VfL Wolfsburg am Ende noch gierig voll auf Sieg geht. Da geht es um taktische Abläufe die passen – wie die Umstellung während der Partie von einer Vierer- auf eine Dreier-Abwehrkette. Und da geht es um einen Teamspirit, der wohl entstanden ist in den schwierigen letzten Wochen der vergangenen Saison – und der nun weiter gelebt wird. Nachdem das Spiel gegen Wolfsburg am Samstag gedreht worden war, feierte die Mannschaft geschlossen auf dem Rasen, lief noch eine kleine Ehrenrunde, manch einer hielt die Kinder eines Teamkollegen auf dem Arm.

Der Nachwuchs war jener von Serhou Guirassy, die beiden Kleinen trugen ein Trikot mit der Nummer neun auf dem Rücken – doch die neue Zahl, die für den in Frankreich aufgewachsenen Stürmer mit den Wurzeln in Guinea steht, ist die 13.

So oft hat Guirassy an sieben Spieltagen getroffen in dieser Bundesligasaison – das gab es noch nie in der Geschichte des Oberhauses seit 1963. Per Hattrick hat der Stürmer dem VfB das Spiel gegen den VfL Wolfsburg gewonnen, es war schon sein zweiter Dreierpack in dieser Spielzeit. Erst traf er per Elfmeter (67.), dann nach Vorarbeit von Chris Führich (78.), den Schlusspunkt setzte er dann cool in der 82. Minute. Um seinen Lauf zu beschreiben, fehlen den Beteiligten mittlerweile fast schon die Worte.

„Unnachahmlich“ habe Guirassy getroffen, meinte Hoeneß – und betonte zugleich, wie geerdet der Knipser dennoch bleibe: „Es gibt keine Gefahr, dass er Allüren bekommt.“ Das soll auch weiterhin für die ganze Mannschaft gelten.

Woo-yeong Jeong macht den Tag perfekt

Zwar wollte auch der VfB-Trainer Sebastian Hoeneß die überraschend schöne Situation jetzt einmal „innehalten und genießen“. Denn wegen der Länderspielpause tritt der VfB erst wieder am 21. Oktober beim 1. FC Union Berlin zu einem Pflichtspiel an. Er mahnte aber auch an, sich nun nicht mit Fragen nach neuen Saisonzielen zu beschäftigen. „Wir wollen den Lauf mitnehmen und weiter Punkte sammeln“, sagte er, „für eine sorgenfreie Saison“. Wie wichtig eine solche für den Club ist, weiß Sebastian Hoeneß nur zu gut.

Der Coach kam Anfang April, da war der VfB Tabellenletzter. Er stabilisierte das Team, hielt es über die Relegation in der Liga und hat seit seinem Amtsantritt noch kein VfB-Heimspiel verloren. Der Sportdirektor Wohlgemuth lobte vor allem Hoeneß’ Ansprache in der aktuellen Situation. Die eine Nachricht aus Asien perfekt machte am Samstag. Woo-yeong Jeong gewann dort mit der südkoreanischen U-23-Auswahl das Finale der Asienspiele – und kommt nun um einen 20-monatigen Militärdienst in seiner Heimat herum. „Das“, sagte Hoeneß, „macht den Tag doppelt schön.“