Die Eckbälle und Freistöße von Daniel Didavi und Kollegen sorgen für kaum Gefahr Foto: Baumann

Bei seinen Eckbällen und Freistößen offenbart der VfB Stuttgart im bisherigen Saisonverlauf eine erschreckende Harmlosigkeit. Und jetzt geht es gegen den FC Bayern München.

Stuttgart - Fußball kann so einfach sein. Der FSV Mainz 05 hat es am vergangenen Samstag beim 3:2-Erfolg gegen den VfB Stuttgart mal wieder vorgemacht. Nicht nur, aber besonders in dieser einen Szene in der 72. Minute. Nach einem Eckball von der rechten Seite musste der Mainzer Alexander Hack nur den linken Fuß hinhalten – drin war der Ball. Ein simples Standardtor, das dem Club aus Cannstatt das Genick brach, wie schon so häufig in dieser Saison. Von „individuell schlechtem Verhalten“ sprach der Trainer Markus Weinzierl hinterher und spielte auf Nicolas Gonzalez an, der den Mainzer Torschützen außer Acht gelassen hatte.

Nur zwei Tore nach Standards

Man könnte auch sagen: Einer pennt immer beim VfB. Denn die Serie an einfachen, da vermeidbaren Gegentoren nach Standardsituationen, reißt nicht ab. Bereits sieben Mal musste Torhüter Ron-Robert Zieler in dieser Spielzeit nach einem Eckball oder einem Freistoß des Gegners hinter sich greifen. In Relation zu den 38 Gegentoren nach 18 Spieltagen klingt das zwar nach nicht viel. Doch die absoluten Zahlen sprechen für sich.

Die Bilanz aus der Abteilung Angriff genauso. 14 mickrige Törchen hat der Tabellen-16. der Fußball-Bundesliga bislang erzielt. Lediglich zwei resultierten dabei aus einem ruhenden Ball, beide Male beim 2:0-Sieg in Nürnberg im November. Dabei treten die Stuttgarter zwar fleißig Eckbälle und Freistöße (Platz sieben beziehungsweise Platz zwei im ligaweiten Vergleich).

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Umso erschreckender geriert sich die daraus resultierende Harmlosigkeit. Ein Vergleichswert: Knapp ein Drittel aller Tore in der Bundesliga fallen entweder direkt nach einem Standard oder im Anschluss, nach dem so genannten zweiten Ball. Bei der WM im vergangenen Sommer betrug die Standard-Torquote sogar 45 Prozent, was Experten wie Thomas Hitzlsperger von einer „wachsenden Bedeutung von Standards“ sinnieren ließ.

Letzter Platz in der Chancenverwertung

Das Einstudieren bestimmter Muster bei Eckbällen und Freistößen ist schneller und effektiver möglich als wirkungsvolle Spielzüge und offensive Lösungsmöglichkeiten. Bei einem WM-Turnier genauso wie bei einer durch ständige Personalwechsel verunsicherten Bundesligamannschaft. Beim VfB krankt es in allen Bereichen, weshalb Platz 18 bei der Chancenverwertung (11,2 Schüsse pro Tor) auch niemanden verwundern dürfte.

Bei seinem Amtsantritt im Oktober kündigte Weinzierl an: „Standards kommt bei uns eine hohe Bedeutung zu.“ Weil spielerisch nicht viel geht und der VfB über eine Reihe groß gewachsener, kopfballstarker Spieler verfügt. In Halil Altintop brachte Weinzierl aus Augsburger Zeiten einen alten Bekannten mit, der im Training die Sinne speziell für Ecken und Freistöße schärfen sollte. Mittlerweile fungiert Altintop etwas allgemeiner als Offensivtrainer, während sich das Wirken von Andreas Hinkel mehr auf die Defensive konzentriert. Nur: Gebracht hat all dies noch nichts.

„Auch in dem Bereich können wir uns sicher noch steigern“, hat Weinzierl das Standard-Problem des VfB erkannt, ohne es zu hoch hängen zu wollen. Er sieht positive Ansätze, etwa in Linksverteidiger Borna Sosa, dem er zum Rückrundenauftakt gegen Mainz den Vorzug vor Emiliano Insua gab. „Er ist ein guter Standardschütze.“

Dass Sosa nach einer Halbzeit wegen des falschen Schuhwerks draußen bleiben musste, passt zur bisher so missratenen Stuttgarter Saison, die am Sonntag (15.30 Uhr) beim FC Bayern München ihre Fortsetzung findet. Beim Duell Außenseiter gegen großen Favoriten sind die Standardspezialisten mehr denn je gefragt.

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