Für den VfB Stuttgart ist in der zweiten Runde des DFB-Pokals Endstation – und das lag bei weitem nicht nur am Kölner Torjäger Anthony Modeste.
Stuttgart - Sollte es etwa eine Stunde vor dem Anpfiff der Pokalpartie des VfB Stuttgart gegen den 1. FC Köln jemanden gegeben haben, der erleichtert aufgeatmet hatte – nicht einmal drei Stunden danach wusste er oder sie: Das war völlig für die Katz’ gewesen. Aus Erleichterung war Entsetzen geworden – und das Entsetzen hatte aus Sicht des VfB einen Namen: Anthony Modeste.
Der wiedererstarkte Torjäger der Kölner fehlte zwar in der Startelf der Rheinländer, allerdings genügten dem Franzosen nach seiner Einwechslung wenige Minuten und zwei Ballkontakte, um die Partie zu Gunsten der Gäste zu entscheiden.
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In der 72. Minute staubte Modeste ab, nachdem der VfB-Torhüter Fabian Bredlow einen Schuss von Mark Uth noch gut pariert hatte. Fünf Minuten später schob er einen Querpass ins Tor. Damit war für den VfB Stuttgart der Wunsch, im DFB-Pokal eine ordentliche Saison und gutes Geld in die Kasse zu spielen, erledigt. Doch das lag nicht nur an der Treffsicherheit von Anthony Modeste.
Mangala und Endo wieder auf der Doppelsechs
Die Ideen von Pellegrino Matarazzo jedenfalls gingen so gar nicht auf am Mittwochabend. Der Trainer des VfB war im defensiven Mittelfeld zu einer Doppelsechs zurückgekehrt – mit Orel Mangala und Wataru Endo. Das Top-Duo der vergangenen Saison war also in alter Gewohnheit vereint, ist aber, das zeigte diese Partie, noch weit von alter Klasse entfernt. Für Atakan Karazor war derweil nicht einmal ein Platz im Kader drin.
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Der Mittelfeldspieler hatte am Sonntagabend im Bundesligaduell gegen den 1. FC Union Berlin innerhalb einer Minute zweimal Gelb gesehen und war vom Platz gestellt worden. Nun verhinderten muskuläre Probleme einen Einsatz im Pokal – wo er spielberechtigt gewesen wäre. Ganz ähnliche Schmerzen plagten Nikolas Nartey, der Däne fehlte ebenfalls im Aufgebot. Wahid Faghir, der am Sonntag den späten und viel umjubelten Ausgleich zum 1:1 erzielt hatte, saß zunächst auf der Bank. Wie Hamadi al Ghaddioui – was dazu führte, dass der VfB im Grunde ohne echten Stürmer antrat.
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Mateo Klimowicz, der wie Daniel Didavi mal wieder eine Chance von Beginn an bekam, besetzte zwar meist die Position des vordersten Stuttgarters. In die Kategorie Mittelstürmer gehörte jedoch eher sein Vater Diego, Mateo Klimowicz agierte als hängende Spitze – und es dauerte bis zur 48. Minute, ehe der 21-Jährige erstmals gefährlich wurde. Mit seinem Schuss aus rund 20 Metern hatte der Kölner Keeper Marvin Schwäbe überraschend Probleme.
Offensiv viel zu harmlos
Bis zu diesem Zeitpunkt war nicht nur wenig vom Stuttgarter Offensivspiel zu sehen gewesen. Auch auf der Gegenseite waren Torszenen Mangelware. Der VfB war gut ins Spiel gekommen, spielte gefällig, aber wirkungslos, lediglich ein Weitschuss von Konstantinos Mavropanos hatte es in sich. „Wir waren nicht zielstrebig genug“, sagte Matarazzo. Die Kölner erarbeiteten sich in der Folge mehr Kontrolle, das Stuttgarter Tor geriet aber nie zur gefährdeten Zone. Immerhin: Klimowicz’ Schuss brachte etwas mehr Schwung in die Partie.
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Zweimal feuerten die Kölner aufs Stuttgarter Gehäuse, einmal versuchte es Borna Sosa auf der Gegenseite. Letzteres machte den lautstarken Fans des VfB Hoffnung auf den Einzug ins Achtelfinale, wo die Stuttgarter in der vergangenen Saison noch knapp Borussia Mönchengladbach unterlegen waren. Doch während die Fohlen ihrerseits grandios den FC Bayern aus dem Pokal kegelten, ging beim VfB plötzlich gar nichts mehr.
Offensiv war das VfB-Spiel an Harmlosigkeit nun kaum mehr zu überbieten – dazu kamen im Lauf der zweiten Hälfte vor allem im defensiven Mittelfeld eine immer schwächer werdende Zweikampfbilanz und riesige Lücken. Die eine nutzte Uth, der unbedrängt durchstarten und abziehen konnte – und Modeste damit dessen Traumeinstand ermöglichte. Beim zweiten Tor der Kölner war es ähnlich. Und weil sich ein Lucky Punch wie am Sonntag nicht beliebig aus dem Hut zaubern lässt, endete die VfB-Saison im DFB-Pokal so früh wie enttäuschend.
Schlüsselspiele in den kommenden Tagen
„Mitte der zweiten Halbzeit haben wir leider den Zugriff verloren“, sagte Matarazzo, „da hat uns die Power gefehlt, bei uns kam zu wenig.“ Das Team wirkte angeschlagen, vielen Rückkehrern merkte man ihre Zwangspausen noch an, das Fehlen der verletzten Stammkräfte wird auf Dauer immer augenscheinlicher. Beides darf in den kommenden Tagen aber keine Rolle spielen.
Am Sonntag tritt der VfB in Augsburg an, am 6. November ist Arminia Bielefeld zu Gast. Das werden richtungsweisende Spiele – mit einem zumindest kleinen positiven Aspekt: Anthony Modeste spielt weder in Augsburg noch in Bielefeld.