Santiago Ascacibar hat sich beim VfB Stuttgart und in der Bundesliga schnell zurechtgefunden. Foto: Baumann

Den einen nennen sie Krieger – der andere müsste dementsprechend der Mini-Krieger sein. Im Spiel des VfB Stuttgart gegen den FC Bayern kommt es zu einem ganz besonderen Duell.

Stuttgart - Bei Partien gegen große Mannschaften lauert für den vermeintlich Unterlegenen ja immer eine große Gefahr: Dass man den Gegner statt zu bekämpfen nur bewundert. Erst recht, wenn persönliche Vorbilder auf der Gegenseite aktiv sind. Diese gefahr droht auch an diesem Samstag (15.30 Uhr), wenn der VfB Stuttgart den FC Bayern empfängt.

Marcin Kaminski, der Innenverteidiger des VfB, hat einst erwähnt, wie sehr ihn das Spiel von Mats Hummels beeindruckt, die Stuttgarter Stürmer (zusammen zehn Saisontreffer) könnten recht interessiert die Bewegungsabläufe von Robert Lewandowski (allein 15 Tore) beobachten – und dann gibt es da ja noch das Aufeinandertreffen von Santiago Ascacibar und Arturo Vidal. Wobei: Gerade dabei sind die genannten Sorgen vermutlich unbegründet. „Beide sind fantastische Mentalitätsspieler“, sagt Michael Reschke nämlich. Und der muss es wissen.

Als Kaderplaner von Bayer Leverkusen hat der heutige Sportvorstand des VfB den damals 19-jährigen Vidal einst in die Bundesliga geholt. Auch in München haben der Rheinländer und der Chilene noch einmal zusammengearbeitet. Und Ascacibar hat Reschke zu Beginn dieser Saison aus Argentinien nach Stuttgart gelotst. Und auch dabei spielte Arturo Vidal eine Rolle.

Zentrale Rolle für beide Spieler

„Als wir Santiago Ascacibar beobachtet haben, habe ich früh gesagt: Der hat was von Vidal“, erinnert sich Reschke, der den chilenischen Nationalspieler einst als „Krieger im fußballerischen Sinne“ bezeichnet hat. Nun sagt er: „Diese Aussage passt auch perfekt bei Santi.“ Also heißt es an diesem Samstag: Krieger gegen Mini-Krieger. Oder: Das Talent trifft auf sein Vorbild. Und die Frage, wer den besseren Tag erwischt, wird durchaus Auswirkungen auf den Spielverlauf haben.

„Er ist noch sehr jung, spielt aber schon eine bedeutende Rolle bei uns“, sagt Reschke über den 20-jährigen Argentinier, der im defensiven Mittelfeld Löcher stopft, Zweikämpfe führt und sich auch am Spielaufbau beteiligt. All das macht auf Münchner Seite auch Arturo Vidal – mit einem entscheidenden Vorteil. Zwar ist der Chilene etwas langsamer als Ascacibar und nicht ganz so laufstark, dafür ist er „natürlich viel torgefährlicher“, findet Reschke, der weiß: „Diesen Programmpunkt hat Santi noch nicht auf seiner Festplatte. Er spielt aber tiefer als Vidal“. Fünf Saisontore hat der Bayern-Star bereits erzielt, Ascacibar hat noch nicht getroffen, nicht nur deshalb wehrt sich Hannes Wolf (noch) gegen einen Vergleich: „Dafür ist es zu früh. Ich hoffe, dass Santi mal auf was Ähnliches zurückblicken kann.“ Der 30-jährige Vidal hat Titel gesammelt, fast 100 Länderspiele bestritten, sein Marktwert liegt bei über 30 Millionen Euro. Davon ist Ascacibar noch weit entfernt – und dennoch gibt es viele Gemeinsamkeiten.

Unterschiedliche Persönlichkeiten

Zwar gilt laut Reschke abseits des Platzes folgende Beschreibung des Duos: „So unterschiedlich, wie sie aussehen, so verschieden sind auch ihre Persönlichkeiten.“ Hier der zurückhaltende Ascacibar, dort der extrovertierte Vidal. Rein sportlich seien beide aber „extrem schnell in Deutschland angekommen“, erinnert sich Michael Reschke. Beide „bringen eine außergewöhnliche Siegermentalität mit, sind extrem zweikampfstark und schmerzunempfindlich“, ergänzt der VfB-Sportchef. Und: „In der Gelbe-Karten-Statistik liegt bei beiden der Wert in der Bundesliga-Spitze. Viermal wurde Arturo Vidal in seinen 13 Einsätzen schon verwarnt, gar siebenmal (bei ebenfalls 13 Einsätzen) Santiago Ascacibar. Was die Frage aufwirft, ob der kleine Argentinier sein Spiel nicht ein wenig umstellen sollte. Von einer solchen Korrektur hält Michael Reschke allerdings wenig.

„Diese Grundaggressivität hat Santi stark gemacht und ist Bestandteil seines Spiels“, sagt der Manager und versichert: „Das werden wir ihm definitiv nicht nehmen.“ Zumal sich Ascacibar wie Vidal meist in einem vertretbaren Rahmen bewege – mal abgesehen vom grenzwertigen Foul an Julian Brandt vor einer Woche. Diese Profis „spielen mit Wucht und Aggressivität, schonen sich nicht, würden aber nie einen Gegner absichtlich verletzen wollen“. Trotz der Gelb-Flut bekämen sie „eher selten“ eine Rote Karte. Auch am Samstag soll das Motto gelten: hart, aber fair. Also gibt es vorab schon ein paar Nettigkeiten.

„Ich freue mich auf das erste Duell mit ihm“, sagt Ascacibar, der Vidal für einen „kompletten Spieler“ hält. Schließlich sei er zweikampfstark, torgefährlich und gut in der Spieleröffnung. Genau da hat der Youngster noch Luft nach oben – findet zumindest Hannes Wolf, der es so ausdrückt: „Da hat er noch Themen.“ Arbeitet er sie ab, könnte er eine ähnliche Laufbahn hinlegen wie Vidal. Davon wiederum ist Michael Reschke überzeugt: „Er kann es in den internationalen Spitzenbereich schaffen.“ Nun darf er sich aber erst einmal gegen ein internationales Topteam beweisen. „Wir müssen dagegenhalten“, warnt Wolf.

Der Coach kann sicher sein: Santiago Ascacibar hat verstanden.

VfB Stuttgart - 1. Bundesliga

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