1988 besiegte Irland bei der Europameisterschaft England sensationell mit 1:0. Was das mit dem VfB Stuttgart und Celtic Glasgow zu tun hat? Wir klären auf.
Der Name ist Programm beziehungsweise in diesem Fall Kultur und Geschichte zugleich: Celtic Glasgow ist kein gewöhnlicher schottischer Fußballverein. Einst von irischen Einwanderern Ende des 19. Jahrhunderts gegründet, stehen die Kelten bis heute für das irische Erbe im schottischen Teil von Großbritannien. Das Kleeblatt und das grün-weiße Trikot des VfB-Gegners in der Europaleague an diesem Donnerstag (18.45 Uhr/RTL) sind nur optischer Ausdruck der engen Verbindung zum Nachbarland. Es soll sogar Fans von Celtic Glasgow geben, die bei Spielen der Nationalmannschaft eher zu den Iren als zu den „Bravehearts“ halten.
So weit der Kurzabriss des weit vielfältigeren katholisch-protestantischen Konflikts auf der Insel, der sich in Glasgow fußballerisch zwischen Celtic und den verhassten Rangers widerspiegelt. An diesem Sonntag (13 Uhr) findet „The Old Firm“ statt, eines der heißblütigsten Derbys der Welt.
„Stuttgart ist das Mekka aller Iren“
Doch zurück zu Celtic Glasgow, den „eigentlichen“ Iren. Von einem Fan, der 2003 beim ersten Aufeinandertreffen zwischen den Grün-Weißen und dem VfB im Europapokal im Schwabenland zu Gast war, ist die Aussage überliefert: „Stuttgart ist das Mekka aller Iren.“ Demnach wolle jeder irische Fußballfan einmal im Leben zu einem Fußballspiel nach Stuttgart reisen. Der Grund geht auf das Jahr 1988 zurück. Bei der Europameisterschaft besiegten die Iren den Nachbarn England im Stuttgarter Neckarstadion sensationell mit 1:0. Damals gab es sie noch, die Kleinen. Irland war einer von ihnen. Der Sieg über die Großmacht England hallt bis heute nach. Auf der grünen Insel – und rund um den Celtic FC im schottischen Glasgow.
Es gibt sogar ein Volkslied zu diesem aus irischer Sicht fußballerischen Jahrhundertereignis. „Joxer goes to Stuttgart“ besingt den historischen Sieg von 1988 mit dem Torschützen Ray Houghton (6.). Dass die Kleeblätter nach der Vorrunde knapp ausschieden – geschenkt. Die „Three Lions“ traf es noch schlimmer: 0:6 Punkte, letzter Platz. Der Song von Christy Moore erzählt von Iren, die sich mit dem Kleinbus und Joxer als Fahrer auf den Weg zum England-Spiel nach Stuttgart machen. Im Lied wird das Siegtor bejubelt und es endet damit, dass einer der Mitfahrer in Deutschland auch noch seine große Liebe findet. Auf Konzertmitschnitten sind viele Fans in Celtic-Trikots zu sehen. Womit sich der Kreis zu Stuttgart und dem Europapokalabend schließt.
Für einige der 3000 erwarteten Fans aus Glasgow wird der Traum eines Stuttgart-Besuchs am Donnerstag womöglich erstmals wahr werden. Auch wenn sie in Wirklichkeit gar keine Iren sind.