Immer voller Einsatz: 1996/97 packt der Neu-Bielefelder Schäfer gegen Ex-VfB-Kollege Giovane Elber beherzt die Grätsche aus. Foto: imago/Team 2

An diesem Samstag könnte der VfB Stuttgart Mit-Aufsteiger Arminia Bielefeld zurück in die zweite Liga schießen. Für VfB-Teammanager Günther Schäfer wird das ein kniffliges Saisonfinale.

Stuttgart - Der Spielplan ist kein Wunschkonzert. Aber warum musste es ausgerechnet Bielefeld sein? Am letzten Spieltag! Günther Schäfer kann sich eines Seufzers nicht erwehren, schlagen doch mindestens anderthalb Herzen in seiner Brust. Ein großes für den VfB Stuttgart, hat der 58-Jährige doch fast sein gesamtes Fußballerleben auf dem Wasen verbracht. Mehr als nur ein bisschen Restliebe verspürt der aktuelle Stuttgarter Teammanager aber auch für seinen Ex-Verein und Gegner vom Samstag (15.30 Uhr). Und damit beginnt das Problem: Gewinnt der VfB, befördert der eine den anderen Aufsteiger womöglich wieder eine Etage tiefer. Und das würde Schäfer doch schmerzen.

 

„Ich hatte in Bielefeld eine wunderbare Zeit“, blickt der einstige Verteidiger auf die späten 90er Jahre zurück. Als die sportlichen Ambitionen des VfB Schäfer nach 331 Bundesliga-Spielen und mit 34 Jahren keinen neuen Vertrag ermöglichten, schloss sich der gebürtige Waiblinger auf seine alten Sportlertage noch dem Club aus Ostwestfalen an.

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Er sagt: „Mein Herz habe ich hier gelassen, alles andere mitgenommen.“ Der Abwehrspieler mit der Vorliebe für beherzte Grätschen und beinharte Zweikämpfe pflügt unter dem eigenwilligen Trainer Ernst Middendorp regelmäßig die Alm um und erobert die Herzen der Arminen-Fans im Sturm. Unvergessen eine Partie gegen seinen Ex-Club Ende 1996. Bielefeld bezwingt den VfB mit 2:0 – Schäfer wird gefeiert. Von Fans beider Seiten.

In Stuttgart genoss der „Günne“ schon länger Kultstatus. Wegen seiner leidenschaftlichen Spielweise, wegen zwei Meisterschaften (1984 und 1992). Vor allem aber wegen seiner Rettungsaktion am letzten Spieltag 1991/92 in Leverkusen. Per Seitfallzieher kratzte Schäfer den Ball noch irgendwie von der Linie. Verletzte sich dabei, machte dem VfB den großen Triumph aber erst möglich.

In Bielefeld war die Heldenverehrung seitens der Fans („Günther Schäfer Fußballgott!“) fast noch größer. Woran das lag? An den sportlichen Erfolgen sicher nicht. „In Stuttgart wurde meine Spielweise nach 16 Jahren vielleicht nicht mehr als so besonders wahrgenommen“, glaubt Schäfer. „Woanders wurde das in der Kürze der Zeit sicher noch mal stärker gewertet.“

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Am Ende seiner aktiven Zeit folgt der Abstieg aus der Bundesliga. 1998 war das, mit knapp 36 Jahren hängt die fliegende Grätsche verletzungsbedingt die Kickschuhe an den Nagel. Trotz des traurigen Endes wird der kleine Kämpfer mit dem großen Herzen später in die Bielefelder Jahrhundert-Elf gewählt. Beim VfB wurde ihm dieselbe Ehre zuteil. Was Schäfer natürlich „sehr stolz macht“, wie er sagt. Beinahe wäre er im Teutoburger Wald geblieben. Manager Rüdiger Lamm wollte ihn in die Sponsorenbetreuung einbinden. Doch nachdem sich Lamm mit Hauptsponsor Gerry Weber überworfen hatte und schließlich entlassen wurde, wollte keiner mehr etwas davon wissen.

„Ich wünsche mir dass wir am Samstag gewinnen und die Arminia in der Liga bleibt“

Weshalb der Anruf von Gerhard Mayer-Vorfelder gerade recht kam. Der verlorene Sohn kehrte zurück, wurde Fanbetreuer, Leiter der VfB-Fußballschule, Co-Trainer – kurz: Mädchen für alles. Es ist ihm voll abzunehmen, wenn er sagt: „Der VfB ist wie eine Familie für mich.“

Als heutiger Teambetreuer arrangiert der 58-Jährige das Rundum-sorglos-Programm der Profis. Aktuell kümmert er sich um geregelte Abläufe im Quarantäne-Trainingslager im Degerlocher Waldhotel. Parallel organisiert Schäfer das Trainingslager für den Sommer. Nah ist der Ex-Profi an der Mannschaft dran und bekommt daher auch die Schwingungen vor dem letzten Spieltag mit.

Schäfer ist Teil der Bielefelder Jahrhundert-Elf

„Der Wille ist groß, noch einmal drei Punkte einzufahren“, weiß Schäfer. Doch was hieße das für ihn, den Teil der Bielefelder Jahrhundert-Elf? Sein VfB könnte der Arminia den Todesstoß versetzen. Für den Fußballgott gibt es nur einen Ausweg: Die anderen müssen mitspielen. Werder Bremen (31 Punkte) und der 1. FC Köln (30) liegen einen beziehungsweise zwei Punkte hinter dem DSC. Beide haben aber das bessere Torverhältnis und in Borussia Mönchengladbach und dem FC Schalke vermeintlich schlagbarere Gegner als den derzeit so starken VfB. Trotz des persönlichen Zwiespalts steht für den Ex-Profi der Sportsgeist über allem. Letztlich kann der VfB auf niemanden Rücksicht nehmen.

Wohl niemand aus dem Lager der Ostwestfalen würde dem einstigen Publikumsliebling einen Strick draus drehen, sollte es am Samstag tatsächlich so kommen und der VfB die Arminia in die zweite Liga zurück schießen. Schließlich steht Schäfer nicht mehr selbst auf dem Platz. Und als Fußballgott hat er seinen Platz im Bielefelder Olymp längst sicher.

In unserer Bildergalerie blicken wir auf die Karriere von Günther Schäfer zurück. Viel Spaß beim Durchklicken!