Ein enges Rennen, wie hier im Laufduell zwischen Marc Oliver Kempf (rechts) und Alexander Fuchs, könnte es zwischen dem VfB Stuttgart und dem 1. FC Nürnberg werden. Foto: Baumann

Der VfB Stuttgart erwartet an diesem Samstag im Kellerduell der Fußball-Bundesliga den 1. FC Nürnberg. Wir erläutern, was auf dem Spiel steht – und was es jetzt braucht, um im Kampf gegen den Abstieg zu bestehen.

Stuttgart - Der Tabellendrittletzte VfB Stuttgart empfängt an diesem Samstag (15.30 Uhr) den Tabellenvorletzten 1. FC Nürnberg vor ausverkauftem Haus. In zwei Analysen beschäftigen wir uns mit den Fragen, was für den VfB auf dem Spiel steht und was es jetzt braucht, um im Kampf gegen den Abstieg zu bestehen.

Teil eins: Das steht auf dem Spiel

Das zweitwichtigste Thema beim VfB Stuttgart lautet: Besetzung des Sportdirektor-Postens. Die Suche, die schon einige Zeit läuft, steht vor dem Abschluss. Für den Sportvorstand Thomas Hitzlsperger, so ist zu hören, soll sich mittlerweile ein Favorit aus dem Kandidatenkreis um Stephan Schwarz (FC Augsburg) herauskristallisiert haben, auf den er künftig bei der Kaderplanung vertraut.

Priorität hat für Hitzlsperger jedoch die brenzlige sportliche Situation, eine schlechte Saison zu einem guten Ende zu bringen. Der VfB belegt vor dem Krisengipfel des 28. Spieltags in der Fußball-Bundesliga an diesem Samstag gegen den 1. FC Nürnberg den drittletzten Tabellenplatz, den Relegationsrang. Vier Punkte beträgt der Vorsprung auf die Franken vor dem direkten Vergleich, fünf Punkte der Rückstand ans rettende Ufer. „Wir wissen um die Tabelle, wir wissen um die Situation“, sagt Trainer Markus Weinzierl. „Mit Tabellenplatz 16 am 27. Spieltag ist keiner zufrieden. Aber wir haben die Hoffnung, dass wir es in den letzten Spielen reparieren können.“

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Mit einem Sieg würden sich die Stuttgarter vorentscheidend von den beiden direkten Abstiegsplätzen absetzen, bei einer Niederlage hingegen wäre der direkte Klassenverbleib kaum mehr realistisch. „Es ist alles möglich. Die Mannschaft hat gut gearbeitet in den letzten Wochen und funktioniert“, sagt Weinzierl mit Blick auf den Endspurt und formuliert die Maxime für das Kellerduell: „Zuschauer mitnehmen und gemeinsam gegen Nürnberg siegen, um die Chance hoch zu halten, direkt in der Liga zu bleiben, das ist die Aufgabe.“

Auf die VfB-Fans ist Verlass. Sie halten auch in schwierigen Zeiten zu ihrem Club. Das Spiel zwischen dem Tabellendrittletzten und dem Tabellenvorletzten ist ausverkauft – der Stuttgarter Saison-Zuschauerschnitt von bis jetzt 54 164 Besuchern pro Partie (Platz vier in der Bundesliga hinter Borussia Dortmund, Bayern München und Schalke 04) wird also ansteigen.

Wie schon vor dem jüngsten Schicksalsspiel gegen den Tabellenletzten Hannover 96 (5:1), als gemeinsames Einsingen angesagt war, rufen die Ultras des Commando Cannstatt zu einer Aktion auf. Ein Fanmarsch zur Mercedes-Benz-Arena ist geplant, um 13 Uhr wollen sie sich dazu am Cannstatter Bahnhof versammeln. Willkommen ist dabei laut Commando-Internetseite „jeder VfB-Fan, der sich uns anschließen möchte. Lasst uns gemeinsam die Entschlossenheit und den Siegeswillen durch Bad Cannstatt zum Stadion tragen.“

Die Ultras wollen „den Kampf um den Klassenerhalt annehmen, solange Impulse von der Mannschaft kommen“. Wenn nicht, also im Falle einer Blamage gegen den saisonübergreifend seit 19 Gastspielen sieglosen 1. FC Nürnberg, kann die Stimmung schnell vollends kippen. Dann sind mehr als nur Dietrich-raus-Rufe gegen den schon länger in der Kritik stehenden Präsidenten Wolfgang Dietrich zu erwarten. Es rumort, noch lässt sich der Riss aber kitten. Mit Erfolgen, angefangen an diesem Samstag.

Teil zwei: Darauf kommt es jetzt an

Es ist keine Frage, dass der VfB Stuttgart mehr bieten muss als zuletzt, um den Verbleib in der Bundesliga zu sichern. Ein Mehr an Stabilität. Diese wurde in den vergangenen Wochen zwar oft erwähnt, hat sich aber nicht in einer geringeren Anzahl von Gegentoren und somit einem Plus an Punkten niedergeschlagen. Denn trotz gestärkter Abwehrreihe schafft es das Team von Trainer Markus Weinzierl nicht, über die Defensive Erfolge zu sichern. 59 Gegentreffer nach 27 Spieltagen sind die Bilanz eines Absteigers.

Der VfB benötigt in noch größerem Maße aber auch ein Mehr an Offensivkraft, um überhaupt wieder in die Lage zu kommen, ein Spiel zu gewinnen. Abgesehen vom 5:1 gegen Hannover 96, das in Stuttgart desolat auftrat. Was die Stuttgarter jedoch vor allem brauchen, sind weniger Komplimente. Viel Lob erhielten sie nach Niederlagen – gegen Leipzig, in Frankfurt, in Dortmund. Immer mit dem Verweis, in der Mannschaft stecke genug Qualität, um den Abstieg zu verhindern. Das tut der roten Seele gut, ist aber ein verführerischer Ansatz. Zumal sich intern ebenfalls die Überzeugung hält: Der Kader ist eigentlich gut genug.

Doch dieses Eigentlich ist zu viel. Die Spieler wähnen sich besser, als es der 16. Tabellenplatz aussagt. Eine trügerische Selbstsicherheit leitet sich daraus ab. Gewiss ist beim VfB jedoch nur die Ungewissheit. Wenngleich es dem Team gelungen ist, die meisten sogenannten Muss-Spiele zu gewinnen. Kellerduelle oder Krisengipfel waren das allesamt. Beim 1. FC Nürnberg, gegen den FC Augsburg oder Hannover 96 – Duelle auf unterem Niveau, auf Augenhöhe, wenn man so will.

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Kann-Spiele gestaltet der VfB jedoch äußerst selten erfolgreich. Siege gegen Werder Bremen und Hertha BSC bilden bislang die Ausnahme. Und mehr als fünf Siege gibt es nicht. Weshalb sich Weinzierl vor der Heimpartie mit dem Tabellenvorletzten aus Nürnberg damit beschäftigt, wie er im Angriff eine größere Durchschlagskraft erreicht, ohne die Abwehr zu destabilisieren. Mit neuer Taktik? „Weil eine Viererkette zu den Nürnbergern passen würde“, wie der Trainer sagt. Und wenn ja, wie viel Risiko pflanzt er seiner Elf ein?

Personell gesehen, verfügt der VfB in der aktuellen Verfassung nicht über viele Spieler, die den berühmten Unterschied zum Gegner ausmachen können. In erster Linie ist da Steven Zuber zu nennen, der in der Rückrunde fünf Treffer erzielt hat. Zudem wäre Daniel Didavi einer. Doch dem Mittelfeldmann fehlt es nach langer Verletzungspause an Spielrhythmus. Auch Mario Gomez ist noch immer in der Lage, Tore zu erzielen – wenn er den Ball im Strafraum erhält. Da beginnt aber schon das Problem. Vielleicht weniger gegen Nürnberg oder Hannover, aber gegen jeden anderen Bundesligisten. Und nicht zu vergessen Anastasios Donis. Der schnelle Grieche gerät zwar wie Chadrac Akolo langsam in Vergessenheit, ist aber noch da. Wie viel die Mannschaft von Donis’ Eigensinn verträgt, ist nun eine der großen Fragen, wenn der VfB noch Spiele gewinnen will.

In der Bildergalerie lassen wir die vergangenen zehn Begegnungen mit den Nürnbergern noch einmal aufleben.

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