Anthony Modeste vom 1. FC Köln ist derzeit in Topform. Foto: imago/Revierfoto

Nach langer Talfahrt setzt Torjäger Anthony Modeste vom 1. FC Köln zum Höhenflug an – und fordert an diesem Mittwochabend die Verteidiger des VfB Stuttgart.

Köln/Stuttgart - Wer im Frühjahr 2017 mal an einem Spieltag in einer überfüllten Kölner Straßenbahn von der Innenstadt aus in Richtung Müngersdorf fuhr, der kennt sie seither: die Zeilen der Anthony-Modeste-Hymne. Und da es sicher mehr als 300 sind, nimmt diese Hymne kein Ende – so mancher FC-Fan war dann auch stets traurig, als die Fahrt nach 20 Minuten an der Stadionhaltestelle im Kölner Westen endete. Als der Ausstieg also das Ende des gemeinsamen Modeste-Chors im Zug markierte, mit dem es ja immer noch so viele Strophen zu singen gegeben hätte auf der fröhlichen Fahrt.

 

„Wer trinkt gern Kölsch vorm Dopingtest?“ – „Wer putzt sing Zäng mit Dr. Best?“ – „Wer feiert heut’ ein Schützenfest?“ – „Wer heilt Cholera und Pest?“ – „Wer beißt sich an der Theke fest?“ All diese rhetorischen Fragen und viele mehr führen seit der Spielzeit 2016/17 stets zu demselben Reim: Anthony Modeste. Die Hymne wurde zum Hit der Runde, in der der Stürmer den 1. FC Köln mit 25 Toren in die Europa League schoss.

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Seither ist viel passiert, speziell bei Modeste. Man könnte sagen, dass die Hymne über seine imaginären Taten blieb, dass sie sogar für immer dem riesigen Fundus des Kölner Liedguts angehören wird – ansonsten gab es beim Angreifer selbst steten Wandel.

Aktuell läuft es wieder rund beim inzwischen 33-Jährigen. Nach neun Bundesliga-Spieltagen hat er sechs Tore erzielt. So wird Modestes Lied nach Heimspielen inzwischen auch wieder von 50 000 schunkelnden Kölnern im Stadion gesungen – und womöglich schallt es an diesem Mittwoch auch aus dem Gästeblock in Stuttgart, beim Zweitrundenspiel im DFB-Pokal am Abend beim VfB.

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Zwischen dem Höhenflug des Anthony Modeste von 2017 und dem aktuellen im Herbst 2021 aber liegt eine lange Leidenszeit. Sie begann 2017, als sich der Franzose zu einem viel kritisierten Wechsel nach China zu Tianjin Tianhai entschieden hatte. Dass Geld allein nicht reicht für ein schönes Leben, erfuhr er dann in Asien. Er wurde in China nicht glücklich – und er wurde es auch nicht, nachdem er nach ewigem Hickhack im November 2018 nach Köln zurückgekehrt war. Nie fand Modeste beim Effzeh zur alten Form zurück, und er schaffte das auch nicht bei seiner Leihe zwischendurch zur AS St. Etienne im ersten Halbjahr dieses Jahres.

Und dann kommt Baumgart

Dann kam der Sommer 2021 – dann kam Steffen Baumgart. Der neue Kölner Trainer rief auch für den aus St. Etienne zurückgekehrten Stürmer den Neuanfang aus. Baumgart schuf eine Ebene mit Modeste, die von Harmonie, aber auch von Strenge geprägt ist. Beide versprachen sich, mit voller Energie zusammenzuarbeiten. Baumgart drückte beim hochsensiblen Modeste, der stets Zuspruch für sein Tun braucht, den berühmten Reset-Knopf. Beide erzählen nun gerne vom offenen Umgang miteinander, und der Coach registriert wohlwollend, wie sich Modeste, der früher kein Trainingsweltmeister war, in den Einheiten reinhängt, als gäbe es kein Morgen mehr.

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Wie das so abläuft mit dem Coach und dem Stürmer, zeigte sich zuletzt beim 2:2 gegen Bayer Leverkusen. Nach seinem Tor zum 1:2 deutete Modeste mit zwei Fingern in Richtung Baumgart. Motto: Ich mache auch noch das zweite! Der Coach hatte überlegt, ob er Modeste auswechseln soll. „Tony hat aber angezeigt, dass er das Gefühl hat, er mache noch das zweite Tor“, sagte Baumgart dazu trocken. „Und es hat ja geklappt – es ist wichtig, dass Stürmer Selbstvertrauen haben und das dem Trainer zeigen.“

Anthony Modeste sagte hinterher dies: „Wenn du einen Trainer hast, der hinter dir steht, macht das vieles einfacher.“