Neuer Anlauf nach Kreuzbandriss: VfB-Neuzugang Daniel Ginczek Foto: Baumann

Daniel Ginczek hat schwere Monate hinter sich. Im Februar zog er sich einen Kreuzbandriss zu. Dennoch verpflichtete ihn der VfB Stuttgart. „Ich spüre großes Vertrauen“, sagt der Stürmer. Bis er es zurückzahlen kann, dauert es aber noch.

Stuttgart - Diese Woche hat Daniel Ginczek Nachtschicht. Nicht auf dem Trainingsplatz, sondern zu Hause. Da ist er als Papa gefordert: Windeln wechseln, Fläschchen geben, Schlaflieder summen. Tochter Lou Carlotta, 13 Wochen alt, dankt es ihm. Mit einem Lächeln und mit Brabbellauten. Beides gibt ihm zusätzlich Energie. Die kann Ginczek (23) nach seiner langen Leidenszeit vertragen. „Ich freue mich schon, bis ich mit der Kleinen gleich wieder herumalbern kann“, sagt er. In 20 Minuten ist er vom VfB-Gelände in Sillenbuch, bei Ehefrau Wiebke und bei Lou Carlotta. „Schön, wenn zwei Frauen auf einen warten“, sagt Ginczek.

Sein Glück ist auch deshalb perfekt, weil er neuerdings zurück im Mannschaftstraining ist. Und das Beste: Er ist schmerzfrei. „Ich muss noch konditionell aufholen und mir Wettkampfhärte holen“, weiß er. Der erste Schritt ist sein Einsatz im Test beim Bezirksligisten TSV Schwaikheim an diesem Freitag (18 Uhr). „Mein erstes Spiel für den VfB“, sagt er und strahlt, „hoffentlich schieße ich gleich mein erstes Tor.“

Am 24. September spielt der VfB in der Bundesliga bei Borussia Dortmund. Ein wichtiges Datum für Daniel Ginczek, aus zwei Gründen: Zum einen hat er jahrelang in der Jugend des BVB gespielt, zum anderen steht in dieser Partie sein Bundesliga-Einstand für den VfB an. Zumindest hat er sich das fest vorgenommen: „Auf der Tribüne sitzen viele Bekannte. Meine Familie lebt dort.“ In Arnsberg, 40 Kilometer von Dortmund entfernt. Dumm nur, dass sich die Gesundheit nur begrenzt zwingen lässt. Trainer Armin Veh staunt jedenfalls nicht schlecht, als er vom Zeitplan seines Schützlings hört. „Schauen Sie Daniel auf dem Platz an, der läuft doch völlig unrund. Der hinkt, aber das merkt er gar nicht.“ Veh merkt es schon, er kennt Ginczeks Laufstil vor dessen Kreuzbandriss, den er sich gegen Bayern München zugezogen hatte. Der Grund: Veh wollte Ginczek schon 2013 zu Eintracht Frankfurt holen, es fehlte nur das nötige Kleingeld.

Der VfB hatte es. Für 2,5 Millionen Euro hat er Ginczek in diesem Sommer verpflichtet. Sehr zur Freude von Armin Veh, der schwärmt: „Daniel ist ein fleißiger Stürmer, der weite Wege geht. Er ist dynamisch, traut sich was. Und er kann als einzige Spitze spielen oder mit einem Partner.“ Mit Vedad Ibisevic – oder mit Timo Werner.

Gut, dass sein Jugendtrainer auf Zack war. In Dortmunds Jugend hat Ginczek als rechter Verteidiger begonnen. Das klappte nicht so recht. Dann spielte er im rechten Mittelfeld. Das war auch keine Lösung. Bei einem Turnier stellte ihn der Coach dann im Angriff auf, seither geht er auf Torejagd.

Besonders gut ist ihm das beim FC St. Pauli gelungen. 2011 ließ sich Ginczek von Dortmund an den VfL Bochum ausleihen, 2012 wechselte er nach Hamburg, wo ihm 18 Tore in einer Saison gelangen. Gut, es war „nur“ zweite Liga. Ginczek selbst wollte es so. Statt beim BVB die Ersatzbank zu drücken, sammelte er Spielpraxis: Nach 60 Zweitligaeinsätzen in zwei Jahren war er reif für die Bundesliga. Bis das Kreuzband riss, war er in Nürnberg Stammspieler.

Diesen Anspruch hat er auch beim VfB. Es könnte nur ein paar Tage länger dauern, als sich Daniel Ginczek das vorstellt.

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