Sportvorstand Fredi Bobic weiß um die Schwierigkeiten der drei Problemfälle Patrick Funk, Tunay Torun und Sercan Sararer. Foto: Montage/Baumann

Ein freies Wochenende ist für Profifußballer der Horror. Denn freizuhaben heißt im Normalfall, nicht im Kader zu stehen. Die VfB-Profis Patrick Funk, Sercan Sararer und Tunay Torun kennen dieses Schicksal gut. Ein Wechsel im Winter ist bei entsprechenden Angeboten wahrscheinlich.

Stuttgart - Stabilisationsübungen sind für Fußballer nichts Besonderes, sie gehören zum Alltag. Manchmal gestaltet der Konditionstrainer sogar ganze Übungseinheiten auf den weichen Matten und lässt die Kicker die Beine schwingen, Liegestütze machen oder die Arme kreisen. Wenn allerdings der Ball dabei ist beim Training und ein Spiel ansteht, ist die Gymnastik normalerweise weit weg. Für Patrick Funk (23) ist sie jedoch irgendwie immer präsent.

Denn schon zweimal kam es in dieser Saison vor, dass Funk nicht mitmischen durfte bei einem Trainingsspiel des VfB. Für das Eigengewächs, das nach einem zweijährigen Engagement als Stammkraft beim Zweitligisten FC St. Pauli in diesem Sommer nach Stuttgart zurückkehrte, war kein Platz mehr auf dem Platz. Um ein Spielchen elf gegen elf zu ermöglichen, ließ ihn Trainer Thomas Schneider am Rande Stabilisationsübungen machen. Funk wäre der zwölfte Mann gewesen. Der eine Mann zu viel.

Andere Profis zittern, ob sie am Wochenende im Kader stehen und kicken dürfen. Funk zittert jeden Tag, ob er überhaupt beim Trainingsspiel mitmachen darf. „Ich durchlebe gerade die schwierigste Situation meiner Karriere“, sagt er – was nicht nur mit den Vorgängen rund um die Übungseinheiten zu tun hat. Denn bei den Spielen wird Funk nicht berücksichtigt, er schafft es zurzeit nicht einmal auf die Ersatzbank.

Bobic weiß um die Schwierigkeiten der drei Problemfälle

Der rechte Verteidiger, der auch als Sechser vor der Abwehr spielen kann, hat am Wochenende frei, während die Kollegen ihrem Beruf nachgehen. Funk teilt damit das Schicksal von Tunay Torun (23) und Sercan Sararer (23) – auch die beiden Offensivmänner spielen unter Thomas Schneider keine Rolle und schaffen es zurzeit nicht ins VfB-Aufgebot. Funk, Sararer und Torun bilden das traurige Trio auf der Tribüne.

Sportvorstand Fredi Bobic weiß um die Schwierigkeiten der drei Problemfälle. „Alle wollen spielen, das ist doch klar“, sagt er, „wir haben eine Konkurrenzsituation, es gilt das Leistungsprinzip, und jeder hat die Chance, sich im Training zu empfehlen.“ Wenn er denn – siehe Funk – überhaupt mitmachen darf. „Patrick wusste von Anfang an, dass es schwer werden könnte für ihn“, sagt Bobic dazu.

Dass es so heftig wurde, hat auch damit zu tun, dass der VfB bereits in der jetzigen Phase der Saison nicht mehr wie geplant auf drei Hochzeiten tanzt, sondern nur noch auf einer. Nach dem Aus in der Europa League und dem DFB-Pokal ist der für drei Wettbewerbe ausgerichtete Kader etwas zu groß – Funk, Torun und Sararer bekommen das zu spüren. Die Mannschaftskollegen müssen nicht mehr durchschnaufen nach englischen Wochen, weshalb die drei von der Tribüne nicht als Alternativen gefragt sind.

Wenn sich im Winter Interessenten finden, hat Fredi Bobic zumindest Gesprächs­bereitschaft signalisiert. „Wir werden uns mit der einen oder anderen Personalie beschäftigen“, sagt der Sportvorstand – was wohl bedeutet, dass Funk, Torun und Sararer bei entsprechenden Angeboten anderer Clubs gehen können.

„Tunay Torun trainiert oft sensationell, er hat es bisher einfach noch nicht auf den Platz gebracht“

Allerdings hat Bobic die Hoffnung noch nicht aufgegeben. „Tunay Torun trainiert oft sensationell, er hat es bisher einfach noch nicht auf den Platz gebracht“, sagt der Sportvorstand: „Und bei Sercan Sararer ist es so, dass er sich nach längerer Verletzungspause jetzt wieder rankämpfen muss.“

Bei Torun und Sararer schwingt im Umfeld des VfB immer der Vorwurf mit, dass sie nur auf Rat von Ex-Trainer Bruno Labbadia gekommen seien – Torun, beim VfB bisher eine einzige Enttäuschung, spielte bereits beim HSV unter Labbadia, Sararer bei Greuther Fürth. Beide galten als Lieblingsschüler des Trainers. „Unsere Scouts waren regelrecht begeistert von Sercan, und er hätte noch zu größeren Clubs als dem VfB gehen können“, sagt Bobic mit Nachdruck. Ähnlich ­habe es sich auch bei Tunay Torun verhalten, ergänzt der Sportvorstand.

Wie auch immer – Torun, der einen Vertrag bis 2015 hat, denkt bereits über einen Wechsel nach. Sararer, dessen Kontrakt bis 2017 läuft, wird wohl selbiges tun, wenn sich seine Lage nicht verbessert – ebenso wie Patrick Funk. „Wenn sich meine Situation nicht ändert, ist es legitim, dass man sich Gedanken macht und sich irgendwann vielleicht mit der Vereinsführung zusammensetzt“, sagt er. „Ich versuche, mich im Training reinzuhauen, aber wenn man keinen Spielrhythmus hat, ist es natürlich nicht gerade förderlich fürs Selbstvertrauen.“

Von einem Vorwurf an Trainer Thomas Schneider ist Funk, dessen Vertrag 2014 ausläuft, aber weit entfernt. „Die Mannschaft ist zurzeit erfolgreich, das macht es dem Coach natürlich nicht einfach, mich zu bringen“, sagt der rechte Verteidiger, der nicht am Japaner Gotoku Sakai vorbeikommt: „Ich habe aber immer das Gefühl, dass er mich weiterbringen will – der Trainer sagt mir immer, was ich verbessern soll.“ Wie lange das noch so sein wird, ist wie bei Sararer und Torun offener denn je.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: