Beim Spiel gegen Mainz kam es zu einem medizinischen Notfall. Die Fans reagierten umgehend. Foto: IMAGO/Sportfoto Rudel

Beim Bundesliga-Spiel des VfB gegen Mainz kam es zu einem medizinischen Notfall, der beide Fanlager verstummen ließ. Wie die Kommunikation zwischen den Kurven in solchen Fällen läuft.

Es war eine Situation, die erst Verwunderung im weiten Rund der MHP-Arena um sich greifen ließ, wenig später ist wohl dem einen oder anderen Besucher der Bundesliga-Partie des VfB Stuttgart gegen den 1. FSV Mainz 05 ein eiskalter Schauer über den Rücken gelaufen. Das war vorgefallen: Einer Person im Mainzer Fanblock blieb das Herz stehen. Ein medizinischer Notfall, der, wie man mittlerweile weiß, gut ausging. Die Reanimierungsversuche waren erfolgreich, aufgrund des beherzten Eingreifens aller Beteiligten ging noch einmal alles mehr oder minder glimpflich aus.

 

Sobald der Vorfall publik wurde, setzten beide Fanlager umgehend mit dem organisierten Support aus. Eine koordinierte Aktion, die zeitgleich mehrere Tausend Zuschauer verstummen ließ. Doch wie läuft so etwas so gut organisiert ab, wo doch rund 120 Meter Luftlinie die beiden Lager trennen und diese ansonsten oft jegliche irgendwie denkbare Anstrengung unternehmen, die Kontrahenten lautstark und oft auch mit einer Wortwahl unter der Gürtellinie in die Schranken zu weisen?

Die Anhänger des VfB Stuttgart gelten als eine der ernst zu nehmendsten großen Szenen in Deutschland. Foto: IMAGO/Eibner

Dazu muss man etwas weiter ausholen. Zuallererst: Jegliche Konkurrenz, Abneigung oder Ähnliches wird sofort beiseitegelegt in solchen Fällen. Das jüngste Beispiel zeigte sich am Dienstagabend, als der Tod eines Leipziger Anhängers in Cottbus die Pokalpartie überschattete. Genauso, wie wenn es gegen einen gemeinsamen Gegner geht, macht man umgehend gemeinsame Sache, verbündet sich. Auch unter noch so verfeindeten Gruppen ist das üblicherweise Ehrensache. Noch wichtiger aber: Ein Fußballspiel ist auch im Stadion im Regelfall gut organisiert.

Dazu gehören die sogenannten Fanbeauftragten, die eine immens wichtige Schnittstelle zwischen Polizei, Club, Fanlagern, Sicherheits- und Rettungsdienst besetzen. Sie sind bestens vernetzt, kommunizieren via Funk permanent mit allen Beteiligten, werden von Ultragruppen anerkannt und schaffen es so, vielerorts und anlassbezogen aufklärend oder deeskalierend auf alle Beteiligten einzuwirken. Bei Spielen in der MHP-Arena bezieht immer ein Mitarbeiter aus dem neuerdings fünf Personen umfassenden Fanbetreuungsteam Stellung im oder nahe am Auswärtsblock, um dort als Ansprechpartner präsent zu sein. Für den Mainzer Anhang, die Fanbetreuung der Gäste und alle anderen am Stadionerlebnis beteiligten Parteien.

Interessant: Auf besonderen Wunsch der Mainzer war erstmals überhaupt am vergangenen Sonntag ein sogenanntes Awareness-Team der Stuttgarter im Mainzer Auswärtsblock zugegen und konnte schnell eingreifen, als sich der Notfall zutrug. Auch von den großen Ultragruppen beziehungsweise der sogenannten organisierten Szene ist am Standort Stuttgart manchmal ein Vertreter involviert, nach Informationen unserer Redaktion war das zuletzt in den Spielen gegen Berlin und eben Mainz der Fall.

Auch er hat eine wichtige Funktion, nämlich die des Kommunikators in die internen Zirkel. Wie auch andernorts heutzutage üblich nutzen die Fans Chatgruppen, um rund um das Spiel zu kommunizieren und sich so zu organisieren. So gelangte vergangenen Sonntag die Nachricht vom medizinischen Notfall schnell überallhin. Auch zur Stadion-Regie, von dort ins weite Rund und auf die Trainerbänke. Und natürlich vom Auswärtsblock in die Cannstatter Kurve.