VfB Stuttgart-Fan aus Winnenden Fußballtrikots helfen kranken Kindern

Von Claudia Leihenseder 

Derzeit  zu sehen: Original-WM-Trikots von 1954, 1974, 1990 und 2014 Foto: Gottfried Stoppel
Derzeit zu sehen: Original-WM-Trikots von 1954, 1974, 1990 und 2014 Foto: Gottfried Stoppel

Der Verein Spielertrikot für Kinderlachen entstand aus einer Idee des VfB Stuttgart-Fans Davide Matozzo. Das Prinzip, durch das kranke Kinder unterstützt werden, ist einfach – und begeistert auch Fußballprofis.

Winnenden - Davide Matozzo hatte eine außergewöhnliche Idee: Zur Geburt seines Sohnes Leon vor fast fünf Jahren sollte es kein klassisches Sparbuch für den Nachwuchs sein, sondern etwas ganz Besonderes. Der VfB-Stuttgart-Fan fing an, von Profis getragene Fußballtrikots zu sammeln. „Das ist eine gute Anlage mit Wertsteigerung“, sagte sich der Schwabe mit italienischen Wurzeln.

Es wurden insgesamt rund 100 Trikots für seinen Drei-Käse-Hoch, die allerdings zunächst nur seelenruhig in einem Schrank in Winnenden hingen. Mehr war nicht geplant. Erst der Kontakt zu Toni Kroos sollte das nachhaltig ändern. „Durch Kroos habe ich auch seine Stiftung kennengelernt und die Idee für unseren Verein bekommen“, erzählt Davide Matozzo.

Die Idee hat Fußballprofis überzeugt

Sein Verein, den er vor drei Jahren gegründet hat, heißt nun schlicht „Spielertrikot für Kinderlachen“ und will für genau das sorgen: Matozzo versteigert getragene Trikots von prominenten Spielern und unterstützt mit dem eingenommenen Geld kranke Kinder und ihre Familien. Diese schlichte Idee hat die Fußballprofis gleich überzeugt: Hansi Müller kam. Andreas Hinkel auch. Und selbst Timo Hildebrand, Guido Buchwald oder gar die aktuellen Stars des VfB, Simon Terodde und Emiliano Insua, steuerten ihr getragenes Fußballhemd bei. Für die feierliche Übergabe hatte Davide Matozzo bei sich zu Hause in Winnenden einen Raum leer geräumt und darin eine Spielerkabine nachgebaut.

Dort signierten die Stars eine Spendenwand, übergaben ihre Leibchen und unterhielten sich mit Matozzo und seiner Familie. Die gespendeten Trikots versteigerte der 37-Jährige anschließend über zwei Plattformen im Internet. „Die meisten Stars waren lange da und haben sich lang mit uns unterhalten“, erzählt Matozzo – und hatte sogleich die nächste Idee: Warum sollte der Verein nicht auch anderen Menschen die Gelegenheit dazu geben, bei diesen Gesprächen dabei zu sein? Und warum sollte man mit den Trikots nicht auch an die Öffentlichkeit gehen? So hob der findige Mann sein Museum aus der Taufe, das zudem als Eventlocation für Vorträge oder Sektempfänge gemietet werden kann.

Alle Einnahmen gehen an kranke Kinder

Seit Januar können die Stars direkt in die Winnender Altstadt in das Haus an der Kirchstraße kommen und dort öffentlichkeitswirksam ihre Accessoires übergeben. „Die Profis können sich entscheiden, ob sie eine Autogrammstunde machen oder mit den Anwesenden Tischkicker spielen wollen“, erzählt Matozzo.

Sämtliche Einnahmen – wie etwa durch Eintrittsgelder, Versteigerungen oder Spenden – fließen in den Vereinszweck, kranken Kindern ein Lachen ins Gesicht zu zaubern. Die monatliche Miete für die Museumsräume übernehmen die zahlreichen Sponsoren des Vereins.

Bislang hat der Verein zwischen 16 000 und 17 000 Euro eingenommen und direkt an kranke Kinder weitergegeben. Eines davon ist Mia-Marie Weber aus Remseck. Die Zehnjährige leidet an einem inoperablen Gehirntumor, der unter anderem zu Lähmungen führt. Matozzos Verein bezahlt ihr und ihrer Familie im August einen Aufenthalt in der Türkei, wo Mia-Marie eine Delfintherapie bekommt. Einem anderen Kind finanzierte der Verein ein E-Bike für die Eltern, damit sie den auf den Rollstuhl angewiesenen Jungen mit dem Rad mitnehmen können. „Es gibt noch viele andere“, sagt Matozzo. Vorschläge kommen inzwischen auch von einem Chefarzt der Kinderklinik.

Für die WM-Zeit arbeitet Davide Matozzo an einer weiteren Idee: Derzeit ist der Winnender an drei aktuellen Spielern dran. Die sollen nach ihren WM-Spielen ihr Tauschtrikot entweder als Spende oder als Leihgabe an den Verein „Spielertrikot für Kinderlachen“ schicken. Zu sehen wären die Shirts dann zwei Tage später im Museum. „Das wäre ein Traum“, sagt Matozzo.

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