Wer ersetzt Wataru Endo? So lautete vor dem Saisonstart des VfB Stuttgart gegen den VfL Bochum die wichtigste Frage. Der Trainer Sebastian Hoeneß gab eine überraschende Antwort – weshalb Enzo Millot nun viel Lob bekommt.
Für ihn, versicherte Sebastian Hoeneß, sei die ganze Sache ja „relativ logisch“ gewesen. Doch gab es unter den 53 000 Zuschauern, die am Samstag in der MHP-Arena den Saisonstart des VfB Stuttgart gegen den VfL Bochum beobachtet haben, wohl wenige, die nicht überrascht waren. Über die Antwort des VfB-Cheftrainers auf die im Vorfeld der Partie wohl wichtigste Frage.
Am Freitag hatte Wataru Endo den VfB verlassen und war zum FC Liverpool gewechselt. Den Stuttgartern fehlte somit ihr sportliches Herzstück – und es wurde heftig diskutiert: Wer ersetzt den Kapitän? Der erfahrene Genki Haraguchi und der junge Lilian Egloff galten als nahe liegende Varianten für den Platz auf der „Doppelsechs“ an der Seite von Atakan Karazor. Hoeneß allerdings entschied sich für Enzo Millot. Was dem Franzosen hinterher viel Lob einbrachte.
„Enzo hat das auf der Position gestern gut gemacht, war bissig und aggressiv“, sagte Fabian Wohlgemuth, der Stuttgarter Sportdirektor. Hoeneß ergänzte: „Er war für mich immer eine Option, Enzo hat eine gute Vorbereitung gespielt.“ Allerdings wurde der 21-Jährige bislang eher offensiver verortet.
Zuletzt hatte Millot sogar als hängende Spitze agiert und dabei durchaus überzeugt – als Vorbereiter und Torschütze. Warum er nun dennoch in der Defensivzentrale spielte? Weil Hoeneß zum einen Vertrauen in den jungen Franzosen und dessen Fähigkeiten hat. Und weil der Trainer einem anderen Akteur die offensive Millot-Rolle zutraute: Neuzugang Woo-yeong Jeong.
Der Plan mit Millot und Jeong geht auf
Nach dem 5:0 gegen den VfL Bochum (Liveticker zum Nachlesen und Statistiken) ist klar: der Plan mit diesen beiden Überlegungen ist aufgegangen. Weil Jeong, der vom SC Freiburg zum VfB gekommen war, offensiv wirbelte (beste Laufleistung) und selbst zu sehr guten Torchancen kam (am meisten Torschüsse). Und weil Enzo Millot fortsetzte, was er in der Schlussphase der vergangenen Saison und vor allem in den Relegationsspielen gezeigt hatte: Dass er eben doch ein verlässlicher und auch entscheidender Faktor im Spiel des VfB sein kann. Das Vertrauen, das er von Hoeneß spürt, tut ihm sichtlich gut.
Gegen den – zugegebenermaßen sehr harmlosen – VfL Bochum erfüllte Millot seine zugedachte Rolle seriös und sehr positionstreu, spulte zudem nach Jeong am zweitmeisten Kilometer ab (11,21). Ob er sich damit langfristig als Endo-Ersatz empfohlen hat, ließ Sebastian Hoeneß dennoch offen.
Zum einen gab er zu, dass die Ausrichtung mit Millot auf der „Doppelsechs“ „ein bisschen offensiver“ war als normal. In einem Heimspiel könne man das machen, meinte der Coach, aber am Freitag (20.30 Uhr) wartet auf den VfB bei RB Leipzig eine ganz andere Aufgabe. Zudem ist der VfB ja noch auf der Suche nach einem externen Zugang für die vakante Kaderposition im defensiven Mittelfeld.
Endo-Ersatz soll noch verpflichtet werden
„Es muss klar sein, dass wir den Wegfall von Wataru kompensieren müssen“, betonte Sebastian Hoeneß nach dem Auftaktsieg. Fabian Wohlgemuth bestätigte am Sonntag: „Dass wir da nachlegen müssen, ist völlig klar.“ Es wird, das ergänzte der Sportdirektor aber, ein Spieler kommen, „der sich hier erst zurechtfinden muss“. Weshalb die Variante mit einem defensiven Enzo Millot womöglich noch ein paar Mal zum Einsatz kommen wird.