In den Play-offs der Europa League muss der VfB gegen Celtic Glasgow zwei Extrarunden drehen. Doch Trainer Hoeneß sieht sein Team für die anstehende Flut an Spielen gewappnet.
Die Bilanz mit fünf Siegen aus acht Partien ist eigentlich keine verkehrte. „Mein Fazit fällt daher sehr positiv aus. Wir haben viele richtig gute Leistungen gezeigt – haben es aber leider nicht immer geschafft, den Ertrag aus den Spielen rauszuziehen, der möglich war“, resümierte der VfB-Cheftrainer Sebastian Hoeneß die Auftritte seiner Jungs in der Ligaphase der Europa League.
Diese haben die Stuttgarter letztlich mit 15 Punkten als Elfter abgeschlossen. Mehr, nämlich das Ziel Top 8 und damit die direkte Qualifikation fürs Achtelfinale, wäre drin gewesen. Doch dafür waren am Ende die Auswärtsauftritte mit in Summe drei Niederlagen in Istanbul, Rom und Basel zu schwach.
Und auch in der letzten Heimpartie ging es wackelig zu. „Wir hatten volle Kontrolle, es lief zunächst wie aus einem Guss“, sagte Hoeneß, als sein Team in der abschließenden Partie gegen die zuvor in fünf Partien sieglosen Young Boys aus Bern zunächst einen furiosen Start mit einer frühen 2:0-Führung durch Deniz Undav (6.) und Ermedin Demirovic (7.) hingelegt hatte. Es folgte aber eine vogelwilde Phase mit zwei Gegentreffern durch die Schweizer, ehe am Ende mit Ach und Krach durch den erlösenden Treffer von Chema in der 90. Minute noch mit 3:2 gewonnen wurde. „Diese Diskrepanz zwischen einem erst herausragenden Auftritt, aus dem plötzlich ein offenes Spiel wird – das habe ich noch nicht so oft erlebt“, war auch der VfB-Trainer baff.
Weiter geht’s nun mit den beiden Play-off-Spiele zur Qualifikation fürs Achtelfinale. Klar ist nach der Auslosung am Freitagmittag im Schweizer Nyon, dem Sitz der Uefa, dass man hier auf Celtic Glasgow trifft, den aktuellen Dritten der schottischen Premiership. Im Rückspiel hat der VfB gegen die Grün-Weißen Heimrecht, was ein Vorteil ist, den man sich durch die bessere Platzierung in der Abschlusstabelle der Ligaphase erspielt hat.
Da der VfB seine vier Heimspiele gewonnen hat, weiß man im Stuttgarter Lager, wo der Schuh auf internationalem Parkett bislang besonders drückt. Bei der AS Rom kann man verlieren – auch wenn die Hoeneß-Elf sich beim 0:2 vor einer Woche ein Plus an Topchancen erspielt hatte. Die große Chance auf die Top 8 hat der deutsche Pokalsieger vielmehr im Baseler Joggeli liegen lassen. Im St.- Jakobs-Park gab es beim FCB eine komplett unnötige 0:2-Niederlage, was sich schon allein daran zeigt, dass die Eidgenossen in der Europa League nur sechs Punkte geholt haben. Anfang der Woche wurde ihr Cheftrainer, Ex-VfB-Profi Ludovic Magnin, entlassen. „Basel ist ein Spiel, das in der Rückschau schon wehtut“, bilanzierte auch Hoeneß.
Nun muss der VfB zwei Extrarunden durch Europa in den Play-offs drehen. Hat man gegen Celtic Erfolg, ist das Achtelfinale gebucht, wo man entweder auf den FC Porto oder Sporting Braga trifft. Klar ist auch, dass der VfB dann zunächst zu Hause ranmüsste. Gegen wen es ginge, ergibt eine weitere Auslosung am 27. Februar.
Doch zunächst gilt es im Mammutprogramm aus Liga mit dem Heimspiel bereits am Sonntag (15.30 Uhr) gegen den SC Freiburg, dem DFB-Pokal mit dem Viertelfinale am Mittwoch nächster Woche bei Holstein Kiel sowie eben der Europa League zu bestehen. Dass seinen Spielern die Kräfte ausgehen, befürchtet Hoeneß dennoch nicht.
„Man sollte auch im Sport immer positiv an die Dinge rangehen, ohne ein naiver Optimist zu sein“, sagte der Trainer. Dennoch ist das Pensum gewaltig: Sind die vier englischen Wochen seit Jahresbeginn in Kiel erst einmal abgearbeitet, ist nur einmal unter der Woche spielfrei, ehe es in die zwei schottischen Extrawochen gegen Celtic Glasgow geht. Das hätte nicht nur Hoeneß seinem Team gerne erspart; doch nun, sagt der Trainer, „ist es so, wie es ist – und möglicherweise hat es auch etwas Gutes. Unser Kader ist jedenfalls breit genug.“
Dennoch ist beim VfB in der Partie gegen die Young Boys schon ein bedenklicher Spannungsabfall zu beobachten gewesen. „Wir müssen da noch reifer und besser werden“, sagte der eingewechselte Kapitän Atakan Karazor zu dem Umstand, dass plötzlich die Luft raus war. Ein Manko, das Hoeneß auch gleich nach Spielschluss in der Kabine thematisiert hat.
Ganz offensichtlich gingen einige seiner Spieler nach der schnellen 2:0-Führung schon in den Energiesparmodus. Der dichte Terminkalender zeigt also schon auf dem Platz ab und an seine Wirkung. „Das war heute ein Denkzettel. Auf internationalem Niveau muss man bis zum Schluss hartnäckig bleiben“, mahnte der VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth.
Das gilt auch national für die nächste Partie gegen den SC Freiburg. „Unser Selbstbewusstsein ist gerade bei Heimspielen nicht weniger geworden“, sagt Wohlgemuth vor dem Duell mit dem Sport-Club. Der hat in der Europa League zwar beim OSC Lille (0:1) erstmals verloren, hat aber die Ligaphase als Siebter abgeschlossen. Im Gegensatz zum VfB haben die Breisgauer damit bereits das Achtelfinale erreicht – und somit international erst mal Pause.