Die finanzielle Lage beim VfB Stuttgart ist ähnlich mau wie die sportliche Foto: Fotolia

Der VfB Stuttgart ist Tabellenletzter und möchte auf dem Transfermarkt noch mal nachlegen. Problem: Geld ist kaum vorhanden, und welcher Spieler wechselt schon zu einem Verein, von dem er nicht weiß, ob er nächste Saison noch in der Bundesliga spielt?

Stuttgart - Daniel Ginczek bekam im Sommertrainingslager leuchtende Augen, als das Gespräch auf seinen Wechsel zum VfB Stuttgart kam. Nach Stationen in Nürnberg, St. Pauli und Bochum sah sich der 23-Jährige auf der Karriereleiter eine Stufe weiter oben. Angekommen bei einem Renommierclub. Die Verantwortlichen hatten ihrerseits alles dafür getan, dem Perspektivstürmer bei den Roten eine rosige Zukunft aufzuzeigen. Mit dem neuen Trainer Armin Veh herrschte Aufbruchstimmung, der Tiefpunkt, so schien es, war mit dem letztjährigen 15. Tabellenplatz erreicht.

Nun, gut fünf Monate später, hat sich die Krise beim Bundesligisten zum festen System entwickelt. Mit dem letzten Tabellenplatz als neuerlichem Tiefpunkt. Ob Ginczek seinen Wechsel an den Neckar schon bereut hat, ist nicht überliefert; nach seiner langen Verletzungsgeschichte hat er im ­Moment andere Sorgen, er brennt auf sein Pflichtspieldebüt vielleicht schon am Sonntag gegen den FC Augsburg (17.30 Uhr/Mercedes-Benz-Arena/Sky).

Andere Spieler werden es sich in der kommenden Transferperiode (1. bis 31. Januar) aber sicher genau überlegen, ob ein Wechsel nach Stuttgart für sie infrage kommt. Ein Wechsel zu einem Club, von dem man nicht weiß, ob er nächste Saison noch in der Bundesliga spielen wird.

„Wenn ein Verein in akuter Abstiegsgefahr schwebt, ist es für ­jeden Manager schwierig, einen guten Mann zu verpflichten, das ist doch klar“, erzählt ein Spielerberater. Das gilt für Kicker aus dem Ausland im Speziellen. Dort hat die Bundesliga mittlerweile einen ähnlich klangvollen Namen wie die deutsche Autobahn. Mit der zweiten Liga kann hingegen kaum jemand etwas anfangen.

Hinzu kommt: Wie überall bestimmen auch auf dem Transfermarkt des Fußballs Angebot und Nachfrage den Preis. Die Nachfrage seitens des Tabellenletzten ist hoch, das hat Armin Veh mehrfach zum Ausdruck gebracht. Er wünscht sich als Erstes eine Verstärkung für die Defensive. Das wissen natürlich potenzielle Geschäftspartner und handeln entsprechend wirtschaftlich: Sie setzen den Preis hoch.

Die Verhandlungsposition eines Abstiegskandidaten ist ungünstig

„Während der Winter-Periode ist der Druck vielerorts groß und der Markt viel überhitzter als im Sommer“, sagt ein Kenner der Szene. „Da stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis oft nicht.“ Nicht zu vergessen: Ablösefreie Spieler gibt es so gut wie keine, da Verträge frühestens im Sommer enden.

In diesem Dilemma steckt der VfB, auch wenn Sportdirektor Jochen Schneider betont, sich keinen Stress zu machen. „Bei einem Transfer muss alles passen – da bildet unsere aktuelle Situation keine Ausnahme“, sagt er. Die aktuelle Situation zeichnet sich dadurch aus, dass die Vereinsschatulle des VfB ähnlich mager bestückt ist wie das Punktekonto. Schneider und Veh müssen mit leeren Taschen auf Einkaufstour gehen. Aus dem Sommer hängt dem Club eine negative Transferbilanz von neun Millionen Euro nach, neue Geldquellen haben sich seither nicht erschlossen.

Im Gegenteil: Das frühe Aus im DFB-Pokal war nicht einkalkuliert, und die zarte Hoffnung auf eine mögliche Europapokalteilnahme im kommenden Jahr ist bereits im November verflogen. Auch abgegebene Spieler brachten außer dem eingesparten Gehalt keinen Ertrag. Die kommende Transferperiode verspricht diesbezüglich ebenfalls keine oder nur geringe Einnahmen. Und darauf, dass es Präsident Bernd Wahler kurzfristig gelingt, neue Geldquellen zu erschließen, sollte man auch nicht unbedingt wetten.

„Der VfB muss einen Treffer landen“, sagt ein Ehemaliger. „Das geht zur Not auch ohne viel Geld.“ Ein Ausleihgeschäft wäre eine Möglichkeit, denn bei ihrem aktuellen Club unzufriedene, aber per se gute Spieler gibt der Markt immer her. So wie Chelsea-Leihgabe Oriol Romeu, der im Sommer für ein Jahr auf dem Wasen anheuerte. Diesen einen Spieler zu finden, der die Mannschaft möglichst sofort verstärkt, ist Aufgabe der Scouting-Abteilung. Nur hat diese ihre Qualitäten zuletzt in eher bescheidenem Maße unter Beweis gestellt.

„Der VfB ist immer noch eine gute Adresse“, sagte Daniel Ginczek nach seinem Wechsel im Sommer. Die Aussage gilt weiterhin, irgendwie. Die Zahl der potenziellen Neuzugänge, die dahinter ein Fragezeichen setzen, ist im vergangenen halben Jahr aber sicher nicht kleiner geworden.

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