Anastasios Donis vom VfB Stuttgart sitzt im Optimalfall beim Leverkusen-Spiel auf der Bank. Foto: dpa

Steven Cherundolo, unter Tayfun Korkut Assistenztrainer beim VfB Stuttgart, rückt den Sportchef Michael Reschke in kein gutes Licht. „Wir hatten mehr als nur eine Ergebniskrise“, sagt der Amerikaner.

Stuttgart - Für das so genannte „Silenzio Stampa“, wie der Italiener das Schweigen gegenüber der Presse blumig umschreibt, gibt es im Profifußball diverse Gründe. Entlassene Trainer etwa reden in der Regel gegenüber den Medien nicht schlecht von ihrem ehemaligen Verein. Dies liegt oft vor allem daran, dass die geschassten Übungsleiter ja noch Geld von ihrem alten Arbeitgeber beziehen.

Cherundolo zeigt sich auskunftsfreudig

Ob Steven Cherundolo, in der Ära von Chefcoach Tayfun Korkut bis zu dessen Entlassung am 7. Oktober Co-Trainer beim VfB, gegenüber den Stuttgartern noch finanzielle Forderungen hegt, ist sein Vertragsgeheimnis. Aus seinem Herzen macht die einstige Abwehrikone von Hannover 96, die obendrein mit 87 Länderspielen für sein Heimatland USA hoch dekoriert ist, dagegen öffentlich keine Mördergrube.

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Gegenüber dem TV-Sender ESPN beschrieb Steven Cherundolo jetzt die Umstände des Scheiterns des Trainerteams um Korkut in Stuttgart wie folgt: „Wir hatten mehr als nur eine Ergebniskrise. Intern gab es auch Differenzen zwischen dem General Manager (Michael Reschke, Anm. d. Red.) und dem Trainerstab. Dies hat auch eine Rolle gespielt“, sagte der einstige VfB-Assistenztrainer, nachdem er vom US-Verband kurzfristig eingeladen worden war, um während der November-Länderspiele des Nationalteams mit Partien gegen England und Italien einmal in die Abläufe reinzuschnuppern.

„Wir sind alle Profis, die ihren Job machen wollen. Aber vieles bedingt einander – und Entscheidungen müssen getroffen werden“, erläutere Cherundolo noch weiter zu seinem Aus beim VfB: „Dabei sind die Trainer am Ende das schwächere Glied.“ Was aus Sicht des ehrgeizigen Cherundolo, der in den USA ein ausgezeichneten Ruf genießt und auf Sicht zum Kreis der potenziellen Nationaltrainer zählt, in seiner Heimat als Erklärung für sein schnelles Scheitern in Stuttgart taugt, rückt auf der Gegenseite den VfB-Sportvorstand Michael Reschke in kein gutes Licht.

Reschke selbst will zu den Aussagen von Cherundolo nicht Stellung beziehen. Es ist lediglich zu vernehmen, dass man sich beim VfB unter der feinen amerikanischen Art etwas anderes vorstellt, als mit ESPN über Clubinternas zu reden. Klar ist aber, dass sich die Differenzen zwischen dem Trainerstab um den Chef Tayfun Korkut und dem Sportboss Reschke vor allem an der Personalie Anastasios Donis entzündet hatten.

Korkut verschmähte Anastasios Donis

So wurde der sprintstarke Außenstürmer aus Griechenland zwischen den Parteien fast chronisch zum Zankapfel. Während der in Aufstellungsfragen eher defensiv agierende Tayfun Korkut den gleichsam kreativen wie taktisch schwer in ein Korsett zu pressenden Griechen meist verschmähte, machte sich Reschke mehrfach lautstark für einen Einsatz des Angreifers stark. Dabei soll es zwischen beiden Lagern ordentlich gekracht haben. Und zwar schon, als Korkut den Stürmer in der vergangenen Saison neunmal komplett auf der Bank schmoren ließ, ehe dieser nach fünf Teileinsätzen zum Saisonfinale beim 4:1 in München auch wegen des Ausfalls von Mario Gomez plötzlich in der Startelf stand – und groß aufspielte.

Was folgte, waren zunächst Unmutsbekundungen des Spielers. Er mache sich über seine Zukunft beim VfB „ernsthafte Gedanken“, erklärte Donis, für den von August an die neue Spielzeit auch kein neues Glück bedeutete. Denn Korkut gewährte dem 22-Jährigen in fünf Partien zusammen gerade mal 150 Minuten Spielzeit. 61 davon absolvierte der Grieche beim 2:1-Heimsieg gegen Bremen, wo Donis Ende September ein Tor schoss und sich wenig später einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zuzog.

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Nun meldet sich der exzentrische Offensivmann, der sich zu Beginn seiner Zeit beim VfB unter Trainer Hannes Wolf ein paar disziplinarische Verfehlungen geleistet hatte, in dieser Woche im Teamtraining zurück. Anders als Korkut wartet der Nachfolger Markus Weinzierl sehnsüchtig auf die Alternative Anastasios Donis, der extra privat einen Physiotherapeuten aus Griechenland engagierte, um dem Stuttgarter Angriffsspiel mehr Schnelligkeit zuzuführen.

Wenn es optimal läuft, ist Donis mit Blick auf das Stuttgarter Auswärtsspiel an diesem Freitag bei Bayer Leverkusen ein Kandidat für die Bank. In den kommenden Wochen soll auch die Entwicklung des Griechen gemeinsam mit der des weiter an Achillessehnen-Problemen laborierenden Daniel Didavi darüber entscheiden, wie sich der VfB auf dem Wintertransfermarkt verstärkt. Anastasios Donis wird dann vom Zankapfel zum Zünglein an der Waage.

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