Kann mit der aktuellen Heimbilanz alles andere als zufrieden sein: Trainer Sebastian Hoeneß Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Der VfB Stuttgart war unter Sebastian Hoeneß immer bekannt dafür, äußerst heimstark zu sein. Diese Zeiten sind passé. Die Schwaben müssen an ihrer Heimbilanz arbeiten. Dringend.

Wer sich auf die Suche macht nach den Gründen für eine erfolgreiche Saison im Profifußball, der wird relativ schnell bei der Heimbilanz fündig. Beispiel gefällig? Der VfB Stuttgart in der Saison 2023/24 war ausnehmend heimstark, holte 13 Siege bei lediglich drei Unentschieden und nur einer Niederlage. Machte 42 Punkte, Platz drei der Heimtabelle und 42 von insgesamt 73 Punkten, die den Schwaben zum Vizemeistertitel gereichten. Kurzum: Die Heimstärke bildete das Rückgrat der letztjährigen Erfolgssaison.

 

Davon ist der VfB aktuell meilenweit entfernt. Zwar steht man aktuell noch auf dem siebten Platz der Heimtabelle der Bundesliga, hat insgesamt 20 Punkte aus zwölf Spielen geholt. Sechs Siege stehen zwei Unentschieden und bereits vier Niederlagen gegenüber. Dazu, und hier wird es besonders eklatant, hat der Club bisher 26 Treffer erzielt, aber auch bereits 17 kassiert. Zum Vergleich: Letzte Saison kassierte man in 17 Heimspielen gerade einmal 15 Gegentreffer. Vier der letzten sechs Heimspiele gingen verloren, rechnet man die Auftritte im DFB-Pokal und in der Champions League heraus, hat der VfB drei der letzten fünf Heimspiele verloren. Seit dem uninspirierten Auftritt gegen den FC St. Pauli (0:1-Niederlage) kurz vor Weihnachten scheint der Wurm drin bei den Schwaben.

Das führt nicht nur zur einer entsprechenden Tabellensituation, sondern insbesondere zu dem Umstand, dass die Gegner nicht mehr mit dem Respekt vor der Aufgabe nach Stuttgart anreisen, als dies noch vor wenigen Monaten der Fall war. Die Festung Neckarstadion, sie ist längst keine mehr. Das äußerte sich beim Spiel gegen den VfL Wolfsburg unter anderem auch dadurch, dass VfL-Aushilfskapitän Mattias Svanberg nach dem Sieg bei der Platzwahl rotzfrech die Mannschaften die Seiten tauschen ließ. Wohl wissend, dass er den VfB Stuttgart so einer seiner – allen überschaubaren Ergebnissen zum Trotz – noch immer vorhandenen Stärken auf eigenem Geläuf berauben würde. Des Faktors Cannstatter Kurve.

Der Faktor Cannstatter Kurve

Denn 18 der 26 Heimtreffer erzielte der VfB Stuttgart vor der Cannstatter Kurve. Dort also, wo der harte Kern der Anhänger steht und die Mannschaft bis zum Schlusspfiff pusht, an guten Tagen geradezu ekstatisch nach vorne peitscht. So gelang es den Schwaben in der letzten Saison immer wieder, Spiele durch späte Tore auf die eigene Seite zu ziehen, und auch in dieser Saison gab es bereits Auftritte, in denen diese Stärke offen zutage trat. Etwa bei dem Comeback gegen Union Berlin, als der VfB den Zwei-Tore-Rückstand innerhalb von 18 Minuten in einen 3:2-Heimsieg verwandelte. Genau derselbe Zeitraum also, in dem er an diesem Samstag seine 1:0-Führung durch zwei Konter und ein an Naivität kaum zu überbietendes Verhalten auf dem Feld verspielte. Vor der Untertürkheimer Kurve.

Bleibt also festzuhalten: Der VfB ist gut beraten, seiner Heimbilanz schnellstmöglich wieder eine positive Wendung zu geben, wenn er seine Saisonziele erreichen möchte. Einfach wird das nicht, denn die kommenden sechs Saisonspiele beinhalten nur zwei Heimauftritte – die Gegner heißen Bayern München und Bayer 04 Leverkusen. Dem gegenüber stehen vier Auswärtsspiele in Hoffenheim, Kiel, Frankfurt und Bochum. Die womöglich wichtiger werden, als man sich das gerade noch ausmalen mag.