Für Atakan Karazor, Nikolas Nartey und Ermedin Demirovic geht es in die Play-offs. Ihre Erfolgsaussichten variieren – was das Weiterkommen angeht, aber auch persönliche Einsatzzeiten.
Insgesamt elf A-Nationalspieler des VfB Stuttgart sind derzeit auf Reisen – für drei von ihnen geht es um richtig viel: Kapitän Atakan Karazor (Türkei), Mittelfeldspieler Nikolas Nartey (Dänemark) und Stürmer Ermedin Demirovic (Bosnien-Herzegowina) spielen in den kommenden Tagen in den Play-offs (live auf DAZN) mit ihrem Land um die Teilnahme an der Endrunde der Weltmeisterschaft im Sommer. Der Modus ist denkbar einfach: Vier zugeloste Mannschaften ermitteln jeweils einen WM-Teilnehmer, auf die Halbfinals an diesem Donnerstag (ohne Rückspiel) folgt am Dienstag das Finale. Die Chancen der Stuttgarter Profis sind dabei unterschiedlich gut – sowohl mit Blick auf das Weiterkommen als auch auf persönliche Spielminuten. Ein Überblick.
Atakan Karazor Der VfB-Kapitän trifft mit der Türkei zunächst am Donnerstag (18 Uhr) auf Rumänien – vor heimischem Publikum im Besiktas-Park in Istanbul, in dem auch das diesjährige Endspiel der Europa League stattfindet. Im Erfolgsfall würde es im entscheidenden Spiel auswärts gegen die Slowakei oder den Kosovo gehen. Während die Türken im Halbfinale in jedem Fall favorisiert sind, wäre ein Endspiel vor allem gegen die Slowaken eine auf dem Papier offene Angelegenheit. Das Land nahm bislang zweimal an einer WM-Endrunde teil: 1954 verlor die Türkei gegen den späteren Weltmeister Deutschland das Entscheidungsspiel um den Viertelfinal-Einzug mit 2:7, im Jahr 2002 kam man überraschend bis ins Halbfinale und wurde Dritter.
Ob Karazor in den Play-offs zum Einsatz kommt, ist ungewiss. Im vergangenen November hatte der 29-Jährige nach mehreren Nominierungen ohne Einsatz sein Debüt für die Nationalelf gegeben, als ihn Cheftrainer Vincenzo Montella in den letzten beiden Qualifikationsspielen jeweils in der Schlussphase einwechselte. Im zentralen Mittelfeld der Türken ist die Konkurrenz groß – nominiert sind neben dem Stuttgarter unter anderem Hakan Calhanoglu (Inter Mailand), Ismail Yüksek (Fenerbahce Istanbul) und Orkun Kökcü (Besiktas Istanbul).
Nikolas Nartey Für den 26-Jährigen geht es mit Dänemark zunächst am Donnerstag (20.45 Uhr) vor heimischem Publikum in Kopenhagen gegen Nordmazedonien, wobei die Gastgeber die Favoritenrolle innehaben. Im Finale würde dann eine anspruchsvolle Auswärtshürde in Tschechien oder Irland warten – nominell verfügen die Dänen aber über den stärksten Kader dieses Quartetts. Für das Land wäre es die siebte WM-Teilnahme.
Nartey wartet nach 41 U-Länderspielen noch auf seinen ersten Einsatz für die A-Nationalelf – was aber in erster Linie an seiner langen Verletzungshistorie liegt. In dieser Saison ist er beim VfB erstmals seit Langem weitgehend beschwerdefrei und war im vergangenen November bereits nominiert – allerdings ohne Spielminuten zu bekommen. Im dänischen Mittelfeld konkurriert er unter anderem mit Victor Froholdt, der in der vergangenen Woche für den FC Porto gegen den VfB den 2:0-Endstand im Achtelfinal-Rückspiel der Europa League erzielte.
Ermedin Demirovic Der Stürmer konnte im November wegen einer Mittelfuß-Verletzung nur zuschauen, als sich sein Land um ein Haar direkt für die WM qualifiziert hätte. Ein Sieg in Österreich hätte gereicht für Bosnien-Herzegowina, das aber 1:1 spielte und so auf den zweiten Platz der Qualifikationsgruppe abrutschte. Damit geht es in die Play-offs – wobei man nicht gerade Losglück hatte: Am Donnerstag (20.45 Uhr) wartet in Wales ein unbequemes Auswärtsspiel, in einem möglichen Finale droht das Schwergewicht Italien – sollten die Azzurri ihr Halbfinale gegen Nordirland erwartungsgemäß gewinnen. Immerhin würde Bosnien-Herzegowina das entscheidende Spiel am Dienstag vor eigenem Publikum bestreiten.
Demirovic (28) ist unter Nationaltrainer Sergej Barbarez gesetzt und läuft meist als Doppelspitze mit Routinier Edin Dzeko (40) vom FC Schalke 04 auf. Bosnien-Herzegowina nahm bislang erst einmal im Jahr 2014 an einer WM-Endrunde teil, damals fieberte der heutige VfB-Stürmer mit Schal im Wohnzimmer mit. „Ich weiß, was es als Fan bedeutet, so etwas mitzuerleben. Es ist ein Riesenziel“, sagt Demirovic – und kündigt an: „Wenn wir das packen, gebe ich einen aus für ganz Stuttgart. Dann gibt es Getränke auf meinen Nacken für die Fans.“