Wolfgang Dietrich macht Werbung in eigener Sache. Foto: Rudel

Wolfgang Dietrich ist als VfB-Präsidentschaftskandidat sehr umstritten. Nun sucht er den Kontakt zur Basis, was nicht immer auf Resonanz stößt.

Stuttgart - Es wäre sicher spannend gewesen, was Wolfgang Dietrich (68) geantwortet hätte, wenn ihm am Montagabend heikle Fragen gestellt worden wären – etwa nach dem finanziellen Engagement einer seiner inzwischen von seinem Sohn Christoph geleiteten Firmen bei Clubs wie dem 1. FC Kaiserslautern, Union Berlin und dem 1. FC Heidenheim. Das sind in der zweiten Liga allesamt direkte Konkurrenten des VfB Stuttgart, bei dem Dietrich jetzt wiederum Präsident werden will. Aber er wurde am Montagabend nicht nur nichts Heikles gefragt, sondern gar nichts.

So dürfte der Unternehmer ziemlich überrascht gewesen sein. Knapp 30 Minuten hatte seine Rede vor dem VfB-Fanausschuss gedauert, in der er zumindest mal im Groben seine Pläne vorstellte, die er umsetzen will, wenn er auf der Mitgliederversammlung am 9. Oktober zum Nachfolger des zurückgetretenen Bernd Wahler gewählt wird. Feuer frei zur Aussprache, sollte es anschließend eigentlich heißen. Doch was folgte, war Schweigen.

Dietrichs schwierige Mission

Damit hatte Dietrich vermutlich nicht gerechnet, da seit seiner vom Aufsichtsrat am 22. Juli beschlossenen Aufstellung als Kandidat klar war, dass es unter den im Fanausschuss repräsentierten Anhängern viel Widerstand gegen ihn gibt – zum einen wegen seiner früheren Rolle als Sprecher des emotional aufgeladenen und polarisierenden Bahnhofsprojekts Stuttgart 21 sowie andererseits wegen seiner geschäftlichen Verflechtungen im Profifußball.

Diese Ablehnung drückte sich wie zuletzt auch am Freitag bei der Partie gegen Heidenheim beispielsweise in Anti-Dietrich-Transparenten in der Cannstatter Kurve der Mercedes-Benz-Arena aus. Von dort aus feuern mehrheitlich auch die Angehörigen des Fanausschusses den VfB an. Jetzt war die Gelegenheit da, Dietrich persönlich mit den Bedenken zu konfrontieren und ihn etwas in die Mangel zu nehmen – aber Auge in Auge passierte dann nichts.

Das hatte eine Vorgeschichte. Die 13 Vertreter des Gremiums (darunter drei der Dietrich gegenüber besonders kritisch eingestellten Ultra-Bewegung) haben sich ohne VfB-Beteiligung vor dem Termin des Präsidentenanwärters getroffen, um ihre Vorgehensweise abzustimmen. Das Ergebnis lautete, dass man sich die Ausführungen einfach kommentarlos anhört – mit der Begründung, dass man von Dietrich ja ohnehin nichts Neues erfahren würde, weil kein VfB-Thema existiert, zu dem er sich in den vergangenen Wochen nicht schon explizit in der Öffentlichkeit geäußert hätte.

Die Rolle des Mediators

Also hielt Dietrich einen Monolog und erzählte, wie er das Projekt beim VfB anpacken würde. Dabei beließ er es jedoch weitgehend bei allgemeinen Sätzen. So müsse man die Jugendarbeit verbessern, sagte er. Auch zu dem gestörten Verhältnis zwischen dem Sportvorstand Jan Schindelmeister und dem Trainer Jos Luhukay nahm er Stellung. indem er erklärte, dass man dieses Problem gemeinsam lösen müsse. Er würde sich demnach als Mediator sehen – eine Funktion, die er bei Stuttgart 21 von Heiner Geißler kennt.

Dann ist Dietrich fertig. Die Veranstaltung nimmt ein jähes Ende, ganz im Gegensatz zu anderen Stationen, die Dietrich bei seiner Werbetour schon zurückgelegt hat. So stellte er sich am Sonntag auf dem Burrenhof (Schwäbische Alb) vor, auf Initiative von Andreas Waldner, dem Sohn des verstorbenen Stuttgarter Ex-Nationalspielers Erwin Waldner. Bei einem wirtschaftspolitischen Frühschoppen referierte Dietrich über seine Ziele. Danach wurde diskutiert.

Ungewiss ist, wie es an diesem Mittwoch läuft, wenn er die Vorsitzenden der VfB-Fanclubs empfängt. Dietrich sucht den Kontakt zur Basis. Das Resultat wird am 9. Oktober verkündet. Noch Fragen?

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