Abschied zum Saisonende: Khalid Boulahrouz. Foto: dapd

Der VfB vermeldet zwei weitere Abgänge. Beim Werben um Neuzugänge sind die Möglichkeiten begrenzt.

Stuttgart - Wirklich glücklich sahen Bruno Labbadia und Fredi Bobic nicht aus, als der Manager die neuesten Personalien beim VfB Stuttgart verkündete.

Doch nicht die Tatsache, dass nach Matthieu Delpierre (31/Hoffenheim) und Stefano Celozzi (23/Zukunft offen) nun auch Khalid Boulahrouz (30/offen) und Timo Gebhart (23/1. FC Nürnberg) den Verein verlassen, sorgte für schlechte Laune beim sportlich verantwortlichen Duo der Roten. Sondern vielmehr die Tatsache, dass wieder einmal deutlich wurde, wie sehr der Club in finanziellen Zwängen steckt. „Einen Boulahrouz kann sich der VfB nicht mehr leisten“, sagte Sportdirektor Bobic. Und Trainer Labbadia fügte hinzu: „In den internationalen Spielen hätten wir einen Spieler von seiner Sorte gut gebrauchen können.“ Was so viel heißen sollte wie: Ich hätte ihn gerne behalten.

Dies allerdings war nach einem Gespräch zwischen dem Rechtsverteidiger und Bobic nicht mehr machbar. Boulahrouz verdiente bisher über drei Millionen Euro pro Jahr, hätte zwar auf einen Teil davon verzichtet, die Vorstellungen lagen dennoch meilenweit auseinander – also winkte Bobic ab und unterbreitete dem holländischen Vize-Weltmeister nicht einmal mehr ein Angebot zur Verlängerung des auslaufenden Vertrags.

Gleichwertigen Ersatz für deutlich weniger Geld muss erst einmal gefunden werden

Nun kann man sich streiten, ob Khalid Boulahrouz tatsächlich jeden Cent wert war. Gleichwertigen Ersatz auf der Position des Rechtsverteidigers für deutlich weniger Geld muss aber erst einmal gefunden werden. Für Timothy Chandler vom 1. FC Nürnberg war die Aussicht, mit dem VfB nächste Saison international zu spielen, jedenfalls nicht verlockend genug. Der US-Amerikaner hat beim Club verlängert – was beweist, wie schwer sich der VfB mit der Anwerbung neuer Fachkräfte tut. „Alle anderen rüsten auf“, sagte Labbadia, „und wir geben den einen oder anderen ab.“

Der Coach weiß um die begrenzten Möglichkeiten des Clubs, dennoch kann er seinen Frust kaum verhehlen – wie übrigens auch Bobic nicht. „Der Spielraum ist so, wie er ist“, sagte er mit kritischem Blick, „damit müssen wir klarkommen.“ Und selbst den Erhalt der jetzigen Qualität des Kaders nennt er „kein leichtes Unterfangen“, da auch die Teilnahme an der Europa-Liga zunächst einmal keine Einnahmen garantiert – zumindest keine größeren.

Auch Arthur Boka hat wohl eine Zukunft beim VfB

So verfährt Fredi Bobic weiter nach dem Motto: „Genau hinschauen und auch Glück haben“ bei den Neuverpflichtungen. Verträge mit aktuellen Spielern will der Sportdirektor zudem langfristig verlängern. Zum Beispiel den von Julian Schieber.

Der hat laut Bobic ein „sehr gutes Angebot“ zur Vertragsverlängerung über 2013 hinaus vorliegen, zögert aber nach wie vor. Auch mit Daniel Didavi, der sicher aus Nürnberg zurückkehrt, planen die Roten langfristig. Und weil auf den Außenpositionen in der Abwehr nach dem Abgang von Boulahrouz „ein Vakuum“ (Labbadia) herrscht, hat wohl auch Arthur Boka eine Zukunft beim VfB. Auch der Vertrag des Ivorers läuft aus, im Gegensatz zu Delpierre, Celozzi, Gebhart und Boulahrouz wird er am Samstag aber noch nicht verabschiedet.

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